Eine Robinie: Mit ihrem Investment in bulgarische Edelholz-Plantagen hofften die Lignum-Anleger auf satte Renditen aus den Edelholzverkäufen. / Foto: fotomaton/Fotalia

  Anleihen / AIF, Wachhund

Lignum-Insolvenz: Anlegern läuft die Zeit davon – bulgarische Plantagen in Gefahr?

Lignum ist lateinisch und bedeutet "Holz". In ebensolches investierten rund 5.000 Anleger bei der Lignum Sachwert Edelholz AG – und müssen nun um ihr Geld fürchten. Geworben hatte Lignum mit "dauerhafter Vermögens- und Ertragssicherheit jenseits der Kapitalmarktrisiken": Die Anleger beteiligten sich mit insgesamt rund 65 Millionen Euro an Edelholz-Pflanzungen in Bulgarien. Doch die attraktiven Renditen blieben aus: Mittlerweile ist die gesamte Lignum-Gruppe insolvent. Am 5. Oktober wurde das Insolvenzverfahren der Lignum Holding eröffnet. ECOreporter.de berichtet in einer mehrteiligen Serie über die Hintergründe der Holzinvestment-Pleite.  Die Lignum-Investmentangebote Nobilis-Rent, NobilisPriva und NobilisVita hatte ECOreporter in der Wachhund-Rubrik geführt.


Die Lignum Gruppe bot den Anlegern Investments in die Edelholzplantagen in Bulgarien an. Angeboten wurden die ökologischen Anlageprodukte von der Lignum Sachwert Edelholz AG. Das Konzept war so: Lignum schloss mit den Kunden Kaufverträge über eine bestimmte Menge an Holz ab – gegen Vorkasse. Gleichzeitig wollte Lignum den Weiterverkauf des Holzes übernehmen und gab dafür im Prospekt eine Preisprognose ab. In Bulgarien sollten Plantagen mit edlen Hölzern wie Robinie, Kirsche, Maulbeere und Schwarznuss entstehen. "Der Vertrieb der Kaufverträge erfolgte überwiegend an Kleinanleger. Die Holzlieferungen bzw. ein finanzieller Ausgleich nach erfolgter Haupternte sollten im Wesentlichen nach 20 bis 25 Jahren erfolgen", erklärte Insolvenzverwalter der Lignum Holding, Prof. Rolf Rattunde, gegenüber ECOreporter.de. Über eine bulgarische Betriebsstätte wurden Flächen für den Anbau gepachtet. Tochtergesellschaften der Lignum Gruppe sollten das Holz dann von den Kunden kaufen und gewinnbringend weiterverkaufen, während der Mutterkonzern Lignum Holding die Plantagen betreiben sollte.

Doch es kam anders: Lignum Geschäftsführer Dr. Andreas Nobis beantragte am 8. April dieses Jahres Insolvenz für die Lignum Holding GmbH (vormals Lignum Holding AG) beim Amtsgericht Charlottenburg. Das Insolvenzverfahren der Lignum Holding GmbH wurde am 5. Oktober eröffnet. Neben dem bereits eröffneten Verfahren sind weitere Insolvenzantragsverfahren über das Vermögen von elf deutschen Gesellschaften der Lignum-Gruppe beim Amtsgericht anhängig: "Ebenso wie die Lignum Holding GmbH verfügt keine dieser Gesellschaften über nennenswerte Liquidität", so Insolvenzverwalter Rattunde. 
Lignum Sachwert Edelholz: Beginn des Insolvenzverfahrens noch im November?

Für die Lignum Sachwert Edelholz AG wurde ebenfalls im April ein Insolvenzantrag gestellt.  Wann genau das endgültige Verfahren beginnt, ist nach Auskunft der für die Insolvenz zuständigen Kanzlei Leonhardt Rattunde aus Berlin noch offen. Als vorläufiger Insolvenzverwalter der Lignum Sachwert will Rattunde aber noch in diesem Monat die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht anregen. Denn Forderungen zur Insolvenztabelle können von den Holzkäufern erst angemeldet werden, wenn das Verfahren regulär eröffnet ist.

Laut Insolvenzgutachten besteht keine Aussicht, dass die Lignum Holding noch gerettet werden kann: Der Geschäftsbetrieb ist eingestellt, alle Mitarbeiter sind entlassen oder freigestellt. "Wir gehen davon aus, dass im Rahmen des Insolvenzverfahrens für die Lignum Holding GmbH auch die Situation der Lignum Sachwert Edelholz AG aufgeklärt und ein Versuch gemacht wird, wenigstens einen kleinen Teil der Anlegeransprüche aus den in der Lignum-Gruppe noch auffindbaren bzw. rückholbaren Mitteln über die Lignum Sachwert Edelholz AG an die Anleger auszuzahlen", sagten Vertreter der IGeLignum - Interessengemeinschaft Lignum "Anleger für Anleger".


Die Zeit drängt: Notbetrieb der bulgarischen Plantage geht das Geld aus

Das größte Problem derzeit: Die mit dem Notbetrieb in Bulgarien beauftragte Dienstleistungsgesellschaft, deren Geschäftsführer Andreas Nobis ist, kann ohne weitere Zahlungen nicht mehr tätig sein. Ende Oktober ging dem Betrieb das Geld aus, damit sind die vorhandenen Baumbestände in Gefahr. Rattunde zufolge reicht die Insolvenzmasse nicht aus, um die Kosten zu decken. Auch einen Investor konnte er bisher nicht finden. "Die Lage scheint sehr schwierig zu sein. Ein Ausweg, der die gewinnbringende Weiterbewirtschaftung oder Verwertung der Bestände ermöglicht und so wenigstens die Befriedigung eines größeren Teils der Anlegeransprüche gewährleisten könnte, ist für uns momentan nicht erkennbar", teilte die IGeLignum auf Nachfrage von ECOreporter.de mit. Sie erhofft sich weitere Erkenntnisse von der ersten Gläubigerversammlung am 30. November und der weiteren Tätigkeit des Gläubigerausschusses. Die Lignum-Geschäftsführer waren für eine schriftliche und telefonische Anfrage von ECOreporter.de nicht zu erreichen. 

Weil die Kunden/Investoren Verträge mit den Tochtergesellschaften haben, aber nicht mit dem Mutterkonzern, bestehen Rattundes Einschätzung nach nur mittelbare Ansprüche der Gläubiger. Die Gläubiger können ihre Forderungen gegenüber der Lignum Holding bis zum 3. Januar 2017 schriftlich beim Insolvenzverwalter anmelden. Mehrere Gruppen vertreten die Interessen der Anleger: Die IGeLignum - Interessengemeinschaft Lignum "Anleger für Anleger" ist aus Diskussionen in einem Internetforum zur Lignum-Insolvenz entstanden. Die Anleger Interessenvertretung Lignum (AIL) vertritt nach eigenen Angaben über 2000 von der Insolvenz betroffenen Kunden.  Initiatoren der AIL sind drei Anlageberater, die Holzinvestments der LignumNobilis-Reihe an ihre Kunden verkauft haben.

Vorrangiges Ziel der AIL sei es, die weitere Finanzierung der Edelholz-Pflanzungen der Lignum Holding in Bulgarien zu organisieren und damit das eigentliche Vermögen der Kunden zu sichern. Dadurch solle vermieden werden, dass wegen Zahlungsunfähigkeit die gepachteten Flächen zurück an die bulgarischen Eigentümer – zumeist Kommunen – fallen. "Zugleich sollen Pflege und Bewachung weiter organisiert werden, um die Anlagewerte zu erhalten", erklärt die AIL. Auch die Erstellung eines Finanzierungskonzeptes bzw. eines Sanierungsplanes sei Teil der Aufgabe. Im Gutachten heißt es, der Großteil des Baumbestands müsste noch über Jahre hinweg gepflegt werden.

Wie ECOreporter.de außerdem aus dem Insolvenzgutachten erfuhr, war die komplette Lignum-Gruppe hochgradig abhängig von den Einnahmen aus dem Vertrieb der Investments – als diese Finanzierung wegbrach, musste die Unternehmensgruppe Insolvenz anmelden.


Lesen Sie im zweiten Teil unserer Serie: Korruption, Misswirtschaft und zerstörte Plantagen in Bulgarien: Wieso scheiterte das Lignum-Modell?
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