Die Rohstoffe für die Kosmetika von L'Occitaine kommen zu großen Teilen aus nachhaltigem Anbau. / Foto: Unternehmen

28.08.15 Aktientipps

Aktie mit Flair: L’Occitane ist mit nachhaltiger Kosmetik erfolgreich

Düfte aus der Provence verbreitet L‘Occitane International SA, eine Kosmetikkette aus Frankreich. Sie wächst seit Jahren, und der Aktienkurs zieht mit. Ein Tipp für nachhaltige Anleger – auch in finanzieller Hinsicht?

1976 entdeckt Olivier Baussan, Literatur-Student und Pflanzenliebhaber aus der Provence, ein gebrauchtes Destilliergerät und stellt damit aus Rosmarin und Lavendel ätherische Öle her. Er verkauft die duftenden Destillate auf den Märkten seiner Heimatregion. Mit so viel Erfolg, dass er bald eine leer stehende Seifenfabrik in Manosque erwerben kann. Dort produziert er fortan in größeren Mengen. Bald darauf eröffnet Baussan einen ersten Laden. Seine kleine Firma nennt er L’Occitane – also die aus Okzitanien, aus dem Süden. Für seine Produkte setzt er ausschließlich auf Pflanzen seiner Heimatregion.

Mit einem Hausboot fährt Baussan ins nördliche Frankreich und verkauft seine Produkte. Schließlich weckt er das Interesse eines Österreichers: Reinold Geiger, Gründer und Chef eines Herstellers von Kosmetikverpackungen. Der kauft sich bei L’Occitane ein und übernimmt schnell eine führende Rolle. 1992 eröffnet das Unternehmen eine Boutique in Paris, 1996 folgen New York und Hong-Kong. Es entsteht ein Konzern, der neben Düften und Seifen ein breites Sortiment an Produkten für die Körperpflege anbietet. Noch immer stammen die Inhaltsstoffe überwiegend von Bauern und Kooperativen aus dem Süden Frankreichs. Und die Produktion erfolgt weiterhin vor allem in Manosque, auch wenn sich der offizielle Firmensitz inzwischen in der Steueroase Luxemburg befindet. Der Gründer Baussan hat sich inzwischen aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und die Führung Geiger überlassen.
Bild: Lavendel ist ein wichtiger Rohstoff von L'Occitaine. / Foto: Unternehmen

Nachhaltige Produkte als Grundlage des Erfolgs


Von der Gründung bis heute pflegt das Unternehmen seinen Markenkern. Die Pflanzen für die Rohstoffe sind umweltschonend angebaut, die Zutaten stammen zu einem großen Teil aus zertifiziert ökologischem Anbau, und Tierversuche sind tabu. Als einer der ersten Anbieter hat L’Occitane Nachfüllpackungen eingeführt.

Das Unternehmen ist aber auch in anderer Hinsicht vorbildlich: So veröffentlicht es bereits seit den 1990er Jahren seine Produkthinweise auch in Blindenschrift (Braille). Die eigene Unternehmensstiftung La Fondation d'Entreprise L'Occitane widmet sich dem Kampf gegen Augenkrankheiten; der Konzern finanziert das mit etwa einer Million Euro pro Jahr. Firmengründer Baussan ist im Stiftungsvorstand. Seit über 30 Jahren kooperiert das Unternehmen eng mit Frauenkooperativen im afrikanischen Burkina Faso Diese stellen die Karitébutter für eine Hautcreme her. Zu Beginn der Partnerschaft bot die Butterproduktion etwa einem Dutzend Frauen Arbeit, heute sind es über 15.000. Diese Arbeitsplätze sind zudem verbunden mit der Möglichkeit, Lesen und Schreiben zu lernen. Zu 80 Prozent finanziert L’Occitane die Ernte der Frauenkooperativen vor.

Foto: Produkt einer Kosmetiklinie von L'Occitaine. / Foto: Unternehmen


Die Preise für die L´Occitane-Produkte sind nicht niedrig, auch nicht im Vergleich mit Wettbewerbern wie etwa Marken von L’Oreal. Dazu zählt etwa Body Shop, deren Produkte aber nicht mit südfranzösischem Flair aufwarten können.  L´Occitane verteidigt das eigene Preisniveau mit den fairen Preisen, die das Unternehmen etwa für die Zulieferer in Südfrankreich und in Burkina Faso für deren umweltschonende Produktion zahle. Die Kunden akzeptieren die hohen Preise von L’Occitane auch wegen des Gefühls, mit gutem Gewissen zugreifen zu können. Dass dabei auch für das Unternehmen genug abfällt, zeigt die zweistellige Gewinnmarge von 12,6 Prozent, die L'Occitane erwirtschaftet.  

Starkes Wachstum beflügelt den Aktienkurs

Im letzten Geschäftsjahr (März 2014 – März 2015) hat der Konzern den Umsatz um  zwölf Prozent gesteigert. Der Nettogewinn, also nach Steuern, kletterte dank verringerter Kosten sogar um 36 Prozent. In den fünf Jahren seit dem Börsengang (2010) haben sich Umsatz und Gewinn mehr als verdoppelt. Das Ende Juni beendete erste Quartal setzte den Positivtrend mit einem Absatzplus von 17,5 Prozent fort. Das Filialnetz wuchs seit 2010 von 1.500 auf rund 2.400 Filialen in über 90 Ländern. Thomas Goldfuß, Bereichsleiter Vermögensmanagement der GLS Bank aus Bochum, lobt die gute Geschäftsentwicklung von L'Occitane: „Wir haben die Aktie in unser Anlageuniversum aufgenommen, weil das Unternehmen unseren strengen sozialen und ökologischen Kriterien entspricht. So verwendet es zum Beispiel vor allem biologisch und lokal erzeugte Inhaltsstoffe und hat hohe soziale Anforderungen an seine Zulieferer!“ Weil L'Occitane auch ökonomisch interessant sei,  investiere der GLS Bank Aktienfonds in das Unternehmen, so Goldfuß.

Bild: Fabrik von L'Occitaine. / Foto: Unternehmen

Die Aktie von L'Occitane wird vor allem in Hong Kong gehandelt. Dort erfolgte der Börsengang, weil der Konzern damit den Startschuss für eine Investitionsoffensive in Asien gab. Die Marktkapitalisierung beträgt rund drei Milliarden Euro.  Auf Jahressicht liegt die Aktie derzeit (Ende August 2015) rund 20 Prozent im Plus, über fünf Jahre gar 40 Prozent. Und es bleibt weiterhin Luft nach oben. Denn L'Occitane hat ein tragfähiges Geschäftsmodell, eine weltweit etablierte Marke und genügend Mittel, um den Vertrieb weiter zu stärken. Beispielsweise zeigt der Online-Handel zunehmende Erfolge. Hier hat sich der Umsatz im letzten Geschäftsjahr um satte 31 Prozent verbessert. Dieser Vertriebskanal birgt hohes Potential für Kostensenkungen. Wer jetzt in die Aktie einsteigt, dürfte von einer solch positiven Entwicklung profitieren.

Basisdaten:


L'Occitane International SA: ISIN LU0501835309 / WKN A1CXL1
Gründung: 1976
Mitarbeiter: 8.000
EBIT 2014/2015: 164,1 Millionen Euro
Umsatz 2014/2015:1,178 Milliarden Euro
Kurs: 1,96 Euro (28.08.2015, Börse Frankfurt)
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