Eisenbahn-Investment: Anleger können Nachrangdarlehen der Locomore GmbH & Co. KG zeichnen. / Foto: Unternehmen

16.12.16 Anleihen / AIF

Locomore: Öko-Zug startet Betrieb – Investitionsangebot

Konkurrenz für die Deutsche Bahn: Die Locomore GmbH & Co. KG hat am 14. Dezember ihren täglichen Fernzug von Stuttgart nach Berlin gestartet. Der Zug fährt morgens in Stuttgart los und am frühen Nachmittag von Berlin zurück nach Stuttgart. Zwischenhalte sind unter anderem Heidelberg, Darmstadt, Frankfurt, Kassel, Göttingen, Hannover und Wolfsburg.

Das Unternehmen aus Berlin legt besonderen Augenmerk auf Nachhaltigkeit. "Wir versuchen, den Zugbetrieb in allen denkbaren Bereichen so ökologisch wie möglich zu gestalten", erklärt Derek Ladewig, Gründer, Gesellschafter und Geschäftsführer von Locomore. Der Locomore-Zug wird durch zertifizierten Ökostrom der Naturstrom AG angetrieben. Es ist nach Angaben von Locomore das erste Mal, dass ein Fernzug mit dem zertifiziertem Ökostrom eines unabhängigen Öko-Energieversorgers fährt.

Bei einem prognostizierten Jahresbedarf von rund 8,5 Millionen Kilowattstunden vermeidet Locomore nach eigener Berechnung gegenüber dem deutschen Durchschnittsstrommix damit jährlich über 4.000 Tonnen CO2. Mats Nyblom, Geschäftsführer des mit dem Zugbetrieb beauftragten Locomore-Partners Hector Rail, ergänzt: "Die beim Bremsen entstehende Bremsenergie wird bei der für Locomore eingesetzten Lokomotive zurück ins Bahnstromnetz eingespeist und verringert so den Energieverbrauch erheblich." Zudem fährt der Locomore-Zug nach Angaben von Locomore mit einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h, um Energie und Kosten zu sparen. Im Bordbistro werde es nach Angaben von Locomore ausschließlich biologisch hergestellte Produkte geben, der Kaffee stamme aus fairem Handel.

Locomore: Finanzierung durch Privatanleger

Einen wesentlichen Teil des Startkapitals hat Locomore im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne eingesammelt. Laut Locomore sind es insgesamt rund 609.000 Euro (Stand: 2. November 2016). Aktuell können Anleger Nachrangdarlehen der Locomore GmbH & Co. KG zeichnen.

Die Verzinsung der Nachrangdarlehen beträgt bei einer Zeichnung ab 1.500 Euro 3,4 Prozent pro Jahr (oder alternativ 6,8 Prozent pro Jahr in Form von Fahrtguthaben). Bei einer Zeichnungssumme ab 2.500 Euro sind es 3,7 Prozent pro Jahr (bzw. 7,4 Prozent in Form von Fahrtguthaben). Bei einer Anlagesumme ab 5.000 Euro sind es 4,1 Prozent pro Jahr (bzw. 8,2 Prozent in Form von Fahrtguthaben). Das Nachrangdarlehen ist unbefristet. Locomore ist laut Investmentvertrag berechtigt, das Nachrangdarlehen frühestens zum 31.12.2022 mit einer Frist von sechs Monaten zum Ende des jeweiligen Geschäftsjahres ordentlich zu kündigen. Der Anleger ist berechtigt, das Nachrangdarlehen frühestens nach 60 Monaten mit einer Frist von sechs Monaten zum Ende des jeweiligen Geschäftsjahres ordentlich zu kündigen.

Nachrangig ist das Darlehen, da sämtliche Ansprüche der Anleger solange und soweit ausgeschlossen werden, wie sie einen Grund für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens herbeiführen würden. Der Anleger trägt in Höhe seines Darlehensbetrages und der vertraglich vereinbarten Zinsen das Insolvenzrisiko von Locomore. Das Investmentangebot ist nur für Anleger geeignet, die das Risiko eines Totalverlusts finanziell verkraften können.

Unternehmensprofil Locomore

Darlehensnehmerin und Emittentin des Nachrangdarlehens ist die Locomore GmbH & Co. KG. Komplementärin der Emittentin ist die Railway Management GmbH aus Berlin. Locomore wurde 2007 von Derek Ladewig gegründet. Ladewig hält mit 61,5 Prozent auch die Mehrheit der Gesellschaftsanteile an der Locomore GmbH & Co. KG. Die übrigen Anteile halten weitere Teammitglieder (16 Prozent) sowie weitere rund 15 Stille Gesellschafter (22,5 Prozent). Das Kommanditkapital der Emittentin beträgt laut Investmentvertrag 97.000 Euro. Die Geschäftsführung des Unternehmens bilden Derek Ladewig, Katrin Seiler und Nicolas Dietrich.

Erklärtes Ziel von Locomore ist es, eine Alternative zur Deutschen Bahn auf die Gleise zu bringen. Locomore war nach eigenen Angaben maßgeblich an der Initiierung des Hamburg-Köln-Express (HKX) beteiligt. Wegen unterschiedlicher strategischer Auffassungen mit dem amerikanischen HKX-Mehrheitsinvestor RDC haben sich nach Angaben von Locomore die Wege von Locomore und HKX aber 2011/2012 getrennt. Ein Teil des HKX-Teams wechselte zu Locomore und Locomore gab seine Anteile an HKX ab.

Bildhinweis: Locomore will der Deutschen Bahn Konkurrenz machen. / Foto: Unternehmen

Locomore plant bei erfolgreichem Geschäftsverlauf der Verbindung Stuttgart-Berlin weitere Verbindungen zu realisieren. In Planung für 2017/2018 seien zum Beispiel die Verbindungen Berlin-Hannover-Köln und Berlin-Binz. Es ist von vielen Faktoren abhängig, ob die Geschäftsentwicklung des Unternehmens erfolgreich verläuft. In den nächsten Monaten ist unter anderem wichtig, dass die Nachfrage von Kunden (Ticketverkauf) im kalkulierten Bereich liegt und keine unerwarteten Kosten im höheren Umfang entstehen. In der jetzigen Unternehmensphase ist ein Investment in die Locomore GmbH & Co. KG mit erheblichen Risiken verbunden.
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