Mexikanischer Windpark mit Anlagen von Gamesa. / Quelle: Unternehmen

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Lohnt sich der Einstieg in die Windaktie von Gamesa?

Nach starken Kursschwankungen im vergangenen Jahr befindet sich die Aktie des spanischen Windkraftkonzerns Gamesa seit Ende Januar im Steilflug. Auf Monatssicht legte sie rund 23 Prozent zu. Wie sollten Anleger jetzt reagieren?

Die Geschäftszahlen für 2014, die das Unternehmen aus dem Baskenland heute früh veröffentlichte, sind sehr gut und haben der Aktie weiteren Auftrieb gegeben. Der Anteilsschein verbesserte sich in Frankfurt bis 11 Uhr um fast vier Prozent auf 10,7 Euro. Wie Gamesa bekannt gab, wurde der Nettogewinn gegenüber 2013 mehr als verdoppelt, er sprang von 45 Millionen auf 92 Millionen Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Stuern (EBIT) kletterte um 48 Prozent auf 191 Millionen Euro. Damit stieg der Gewinn deutlich stärker als der Umsatz, den die Spanier um 22 Prozent auf 2,846 Milliarden Euro verbesserten.

Zum Umsatzwachstum trug der verstärkte Absatz von Windkraftanlagen bei, der sich gegenüber dem Vorjahr um 34 Prozent auf 2.623 Megawatt (MW) erhöhte, und das Wachstum von 19 Prozent im Projektgeschäft. Das projektgeschäft, also die Umsetzung von Windparks und deren Betrieb für Kunden, ist besonders margenstark und daher dessen Wachstum ein Grund dafür, dass der Gewinn stärker gewachsen ist als der Jahresumsatz. Während der Konzern als Ganzes in 2014 eine Gewinnmarge von 6,7 Prozent erreichte, nach 5,5 Prozent im Vorjahr, betrug sie im Projektgeschaft 12,7 Prozent. Zudem haben die Spanier weitere ihre Kosten gesenkt, durch geringere Produktionskosten je Stück infolge der größeren Gesamtfertigung und durch Verbesserungen bei den flexiblen Kosten. Ohne Währungseffekte wäre hätte Marge in 2014 sogar fast 7,5 Prozent erreicht.

Zugleich hat Gamesa seine finanzielle Situation weiter verbessert. Die Nettoverschuldung, die sich noch vor wenigen Jahren nahe der Marke von einer Milliarde Euro bewegte, wurde bis Ende 2014 auf 143 Millionen Euro verringert, nach 420 Millionen Euro zum Ende des Vorjahres. Dem standen zum Jahresabschluss flüssige Mittel im Umfang von 143 Millionen Euro gegenüber. Im Dezember hatte der Windkraftkonzern seine Schuldenlast umstrukturiert und sich so neuen finanziellen Spielraum verschaft (wir  berichteten)

Gamesa setzt vor allem auf Lateinamerika und Indien

Diesen Spielraum benötigt das Unternehmen auch dringend, um sich im internationelen Wettbewerb zu behaupten. Denn dort gilt es derzeit, sich Anteil in neuen, wachstumsstarken Windmärkten zu sichern, die sich derzeit öffnen. Das ist den Spaniern bereits sehr gut in Lateinamerika und in Indien gelungen, wo sie zu den größten Marktakteuren gehören und mit Produktionsstätten vor Ort punkten können, also in Kundennähe fertigen können. In Indien hat Gamesa 2014 etwa ein Viertel des Jahresumsatzes erwirtschaftet, in Lateinamerika gar über ein Drittel. Dabei sind mehrere Windmärkte in Lateinamerika wie etwa Argentinien, Chile und Mittelamerika bisher kaum erschlossen und bieten noch großes ungeschöpftes Potential, während auch bereits von Gamesa eroberte Windmärkte wie Brasilien und Mexiko aufgrund der dortigen Fülle hervorragender Standorte ebenfalls Gelegenheit für weiterhin gute Geschäfte bieten.

Weil sich der Windmarkt in den USA wieder belebt hat, haben die Spanier auch dort in 2014 den Umsatz stark verbessern können. Sie erlösten dort 15 Prozent der Erlöse und damit in etwa so viel wie in Europa. Doch wie in Indien steht die politische Unterstützung der Erneuerbaren Energien in den Vereinigten Staaten auf wackeligen Füßen, sind jederzeit starke Einbrüche möglich und stehen den eigentlich sehr guten Rahmenbedingungen für Windkraftprojekte in diesen riesigen Ländern gegenüber. Dieses Risiko müssen Anleger im Blick haben, wenn sie damit liebäugeln, in die Aktie von Gamesa zu investieren.

Kaufempfehlung für langfristig ausgerichtete Anleger

Der Anteilsschein liegt auf Jahressicht um rund 27 Prozent im Plus, bezogen auf das Ergebnis in 2014 liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) nunmehr recht hoch. Daher raten wir nur langfristig ausgerichteten Anlegern zum Kauf der Aktie. Denn die guten Aussichten für 2015 sind im aktuellen Kurs bereits eingepreist. Der Windkraftkonzern rechnet mit erneut starkem Wachstum, stellte heute für das laufende Jahr eine Steigerung des Absatzes auf 2.800 bis 3.100 MW und einen Umsatz von 3,150 bis 3.400 Milliarden Euro in Aussicht. Der Auftragsbestand von knapp 2.500 MW zum Jahresende 2014 deckt bereits fast zwei Drittel des Umsatzzieles für 2015 ab. Zudem wollen die Spanier bei der Gewinnmarge einen Wert von acht Prozent erreichen. Wenn dies gelingt ist es gerechtfertigt, dass die Aktie wieder auf dem Niveau gehandelt wird, welches sie schon erreicht hatte, bevor nach 2009 ein Überangebot im Weltmarkt einen starken Preisverfall und damit eine branchenweite Krise der Hersteller von Windkraftanlagen auslöste.

Gamesa ist aus dieser Krise gestärkt hervorgegangen. Der Konzern hat seine Kosten massiv verringert und das Projektgeschäft so stark ausgebaut, dass er weniger abhängig ist vom Verkauf seiner Windräder. Zugleich ist er regional wieder zukunftsfähig ausgerichtet. Der Heimatmarkt Spanien, lange die tragende Säule des Geschäfts, spielt für den Absatz von Gamesa so gut wie keine Rolle mehr und auch in Europa sind die Spanier nur noch in Grenzen aktiv. Stattdessen ruht ihr Windkraftgeschäft auf mehreren starken Säulen, auf die jungen Märkte Asien und Lateinamerika sowie auf die etablierten Windmärkte USA und Europa.

Das China-Geschäft birgt starkes Wachstumspotential

Für eine positive Überraschung und damit weitere Kursgewinne der Aktie könnte das China-Geschäft sorgen. In der Volksrepublik hat Gamesa in 2014 neun Prozent der Erlöse erzielt. Da ist noch Luft nach oben, wie ein Vergleich zeigt: Die Aufträge für Gamesa aus China, dem mit Abstand größten Windmarkt der Welt, summierten sich in 2014 auf 450 MW. Das ist nicht einmal die Hälfte der Aufträge aus Brasilien. Dieser wichtigste Einzelmarkt des Konzerns brachte ihm im vergangegen Jahr Order für 1.000 MW ein, Indien immerhin 850 MW. Zumal Gamesa auch in China über Produktionsstätten verfügt. Zudem scheinen sich die Probleme beim Netzanschluss, die in den letzten Jahren die Nachfrage für Windräder in der Volksrepublik belastet haben, deutlich verringert zu haben. Laut dem Weltwindkraftverband, der World Wind Energy Association (WWEA), erreichte China in 2014 bei der Windkraft einen neuen Wachstumsrekord. Auch haben die zuständigen Behörden bis 2010 ein ehrgeiziges Ausbauziel vorgegeben, von 20.000 MW neuer Windkraftleistung pro Jahr. Zudem sollen auch immer mehr Windräder auf See errichtet werden – offshore. All dies eröffent Gamesa Chancen für zusätzliche Absatzchancen.

Bildhinweis: Produktionshalle von Gamesa. / Quelle: Unternehmen

Zumal die Spanier seit kurzem auch im Geschäft mit Offshore-Windrädern aktiv sind und dabei mit der französischen Areva einen Großkonzern als starken Partner an ihrer Seite haben. Die Windkraft auf See hat großes Wachstumspotential, in China, vor allem aber im ansonsten eher stagnierenden Windmarkt Europas. Deutschland und vor allem Großbritannien setzen bereits stark auf Windfarmen vor ihren Küsten, wobei vor allem Anlagen von Vestas und der deutschen Siemens zum Einsatz kommen. Frankreich hat hier viel nachzuholen und der einheimische Partner Areva dürfte Gamesa dabei Türen öffnen können. Somit könnte Gamesa auch in diesem Geschäft positiv überraschen.

Darauf zu setzen ist jedoch sehr spekulativ. Langfristig dürfte die Aktie der Spanier aber auf jeden Fall zulegen. Denn wie Windkraft wird weltweit weiter zulegen, vor allem in Asien und Lateinamerika, wo Gamesa aussichtsreich positioniert ist. Im Bereich der Erneuerbaren Energien ist die Windkrafttechnologie nicht nur die erprobteste, Windparks können auch sehr schnell umgesetzt werden und große Energiemengen erzeugen. Aus Gründen des Klimaschutzes und weil herkömmliche Energie immer teuerer wird wird weltweit immer mehr Geld in Windkraftprojekte investiert werden müssen. Und Gamesa zählt in diesem Geschäft zu den erfahrensten und größten Akteueren. Das spricht langfristig auf jeden fall für die Aktie.

Gamesa Corp. Tecnologica: ISIN ES0143416115 / WKN A0B5Z8
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