12.01.11 Nachhaltige Aktien , Erneuerbare Energie , Meldungen

„Managementfehler haben zu den existenziellen Krisen der deutschen Solarbranche geführt“ – Interview mit Felix Goedhart, Capital Stage AG



ECOreporter.de: Was ist das Kerngeschäft der Capital Stage AG?

Felix Goedhart: Die Capital Stage AG ist eine börsennotierte Beteiligungsgesellschaft, die in Unternehmen und Projekte im Bereich der Erneuerbaren Energien investiert.


ECOreporter.de Wie hat sich das Unternehmen in seit seiner Gründung entwickelt?

Goedhart: Wir haben unser Geschäftsmodell in 2009 weiterentwickelt und neben dem klassischen Beteiligungsgeschäft den Bereich Solar- und Windparks aufgebaut. Hier sind wir der Betreiber der Parks, ein sogenannter Independent Power Producer. Als reine Beteiligungsgesellschaft haben wir bis 2009 keine Umsätze generiert. Unsere Solarparks und Windkraftwerke sorgen mittlerweile für planbare Erträge. Daher sind die Zahlen der vergangenen Jahre mit den heutigen Zahlen nicht vergleichbar.  Im dritten Quartal des vergangenen Jahres hat die Capital Stage AG 11,5 Millionen Euro Umsatz und 5,1 Millionen Euro EBIT erwirtschaftet. Für das Geschäftsjahr 2010 erwarten wir Umsatzerlöse in Höhe von rund 13 Millionen. Euro und ein EBIT über 5 Millionen Euro.


ECOreporter.de: In welchen Branchen und Regionen setzen Sie Ihre Investmentschwerpunkte?

Goedhart: Der Branchenschwerpunkt der Capital Stage AG liegt auf den Bereichen Photovoltaik und Solarthermie. Regional konzentrieren wir uns vor allem auf das deutschsprachige Europa. Die Capital Stage AG betreibt Solarparks mit mittlerweile rund 40 Megawatt (MW) Kapazität sowie auch Windkraftanlagen mit einer Gesamtkapazität von 6 MW. In der Pipeline haben wir weitere Solarprojekte in Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich mit mehr als 50 MW.

ECOreporter.de: Wie werden diese finanziert? Sind dazu auch geschlossene Fonds denkbar oder geplant?

Goedhart: Der kleinste Solarpark hat 2 MW Leistung. Die Parks sind zu rund 85 Prozent fremdfinanziert, das Eigenkapital stammt von uns selbst. Eine Vermarktung im Rahmen geschlossener Fonds für Privatanleger ist nicht angedacht. Ein Angebot für institutionelle Investoren wird zur Zeit geprüft.


ECOreporter.de: Wie bewerten Sie das Thema Biomasse-Kraftwerke? Denken Sie über ein Engagement in diesem Bereich nach?

Goedhart: Biomasse-Kraftwerke sind im Vergleich zu Solarprojekten deutlich komplexer und mit einem höheren Risiko behaftet, ohne das mit höheren Renditen zu kompensieren. Daher sind wir in diesem Bereich noch nicht engagiert.


ECOreporter.de: Wie und nach welchen Kriterien funktioniert Ihr Investmentprozess?

Goedhart: Im Vordergrund stehen die wirtschaftliche Attraktivität der Unternehmen sowie faire Einstiegskonditionen. Eine gute Unternehmensführung, verkörpert durch ein professionelles Management, ist Grundvoraussetzung für ein Investment. Aber auch Differenzen im Gesellschafterkreis könnten theoretisch ein Ausstiegsmotiv sein.


ECOreporter.de: Sie haben Mitte Dezember 2010 die schweizerische Solar-Tochter der Conergy AG erworben, eine Spezialistin für solarthermische Anlagen. Was hat die Capital Stage AG in Vergangenheit mit der Conergy AG verbunden und was hat zur Übernahme bewogen?

Goedhart: Die Capital Stage AG war von 2001 bis 2007 mit zwischenzeitlich 9 Prozent an der Conergy AG beteiligt. Den Großteil unserer Beteiligung haben wir zwischen Ende 2006 und Mitte 2007 verkauft. Insgesamt war die Conergy AG für die Capital Stage AG mit einem Gewinn von rund 50 Millionen Euro ein sehr erfolgreiches Investment.
Der Solarthermie-Markt ist aus unserer Sicht sehr interessant. Es gibt kaum Abhängigkeiten von Fördermechanismen und bei einem Ölpreis über 70 US-Dollar rechnen sich die Anlagen ganz hervorragend. Der Schweizer Markt ist aufgrund seiner speziellen Anforderungen sehr attraktiv. Unsere neue Beteiligung Helvetic Solar (ehemals Conergy Schweiz GmbH) gehört dort unserer Ansicht nach zu den führenden Anbietern.


ECOreporter.de: Aktuell sind einige deutsche Solarunternehmen unter Druck oder gar in die Insolvenz gegangen, wie jüngst die systaic AG. Was sind die Hauptgründe für die Schwierigkeiten der deutschen Solarbranche?

Goedhart: Vor allem die Wertschöpfungsstufe der Zellen- und Modulproduktion ist arg gebeutelt. Am Ende sind doch meistens Managementfehler der Auslöser für existentielle Krisen. In vielen Fällen wurden in Zeiten üppiger Solarförderung und Börsenhype einfach zu schnell zu große Kapazitäten aufgebaut, ohne sich frühzeitig mit gleichem Engagement auch um die Absatzsicherung zu kümmern. Nun laufen viele Anbieter den fallenden Preisen hinterher.


ECOreporter.de: Die Capital Stage AG verhilft auch Erneuerbare-Energien-Unternehmen an die Börse. Welche Börsengänge von Erneuerbare-Energien- und Cleantech-Unternehmen im Jahr 2010 erachten Sie als aussichtsreich und bemerkenswert?

Goedhart: Aus unserer Sicht gab es im Jahr 2010 an der deutschen Börse keine interessanten Börsengänge aus dem Bereich Cleantech. An der Börse sind zur Zeit andere Themen en vogue. Wir erwarten allerdings, dass mittelfristig weitere Cleantech-Unternehmen an die Börse gehen – Cleantech bleibt ein Megatrend.


ECOreporter.de: Wo liegen die größten Herausforderungen für Erneuerbare-Energien-Projektentwickler im Bereich Solarenergie und im Bereich Windenergie?

Goedhart: Die Zahl attraktiver Solarenergie-Standorte in Deutschland wird immer geringer. Gerade für die Projektentwickler, die sich im Solarsektor auf Freiflächen spezialisiert haben, stellt der Projektnachschub die größte Herausforderung dar. Neue Märkte können den Rückgang in Deutschland nicht wirklich kompensieren. Darüber hinaus stellt die Internationalisierung für kleinere Projektentwickler eine schwere Hürde dar.
Im Windbereich entstehen durch Preiszugeständnisse der Hersteller und größere Anlagen auch in Deutschland neue Chancen. Der administrative Aufwand für Repowering ist allerdings nicht zu unterschätzen. Der Offshore-Bereich ist etwas für die wirklich großen Jungs. Und selbst die bekommen mehr und mehr kalte Füße.


ECOreporter.de: Wie werden sich die Märkte für Erneuerbare Energien (speziell Solar- und Windenergie) in Zukunft entwickeln?

Goedhart: Die Solarenergie nähert sich mit großen Schritten der Wettbewerbsfähigkeit. Die Windenergie ist durch ihren früheren Start sogar noch weiter. Die Abhängigkeit von der Förderung wird daher sinken, die Nachfrage berechenbarer steigen. Wir sollten jetzt auf den letzten Metern nicht das Erreichte auf dem Altar des politischen Lobbyismus opfern, sondern Kurs halten und lediglich Übertreibungen korrigieren. In Deutschland sehen wir große Chancen im Servicesektor der Erneuerbaren Energien sowie durchaus auch in einigen Bereichen der Produktion. Bei dem zu erwartenden steigenden Ölpreis wird auch die Solarthermie eine sehr gute Entwicklung nehmen.


ECOreporter.de: Wie sehen Sie die Zukunftsperspektiven der deutschen Solarbranche vor dem Hintergrund wachsender internationaler Konkurrenz und steigendem Preisdruck?

Goedhart: Die deutschen Hersteller müssen selbstverständlich auch bei den Kosten wettbewerbsfähig sein. Im Dachsegment, wo auch langfristig die eigentliche Musik spielt, muss es den deutschen Herstellern durch Preis, Qualität und Service gelingen, ihre Marktanteile gegenüber der asiatischen Konkurrenz zu verteidigen. Warum sollte im Solarsektor nicht das gelingen, was im Automobilsektor auch gelungen ist? Eine Solaranlage ist im Anschaffungspreis durchaus vergleichbar mit einem Auto. Und ich würde mir als Hausbesitzer sehr gut überlegen, ob ich Cadmiumverbindungen auf meinem Dach installiert haben will oder asiatische Module zweifelhafter Qualität. Mit „made in Germany“ brauchen wir uns auch im Ausland nicht zu verstecken. Der gesamte Bereich der Erneuerbaren Energien wird weiterhin von Wachstum, aber auch von großer Volatilität geprägt sein. Die Chancen, aber auch die Risiken sind weiterhin groß.



ECOreporter.de: Und wie sehen Sie die Zukunftsperspektiven der Windenergiebranche?

Goedhart: Bei den Herstellern hat bereits eine Konsolidierung stattgefunden. Dies wird weiter gehen. Die notwendigen Investitionen in diesem Bereich sind von privaten, nicht börsennotierten Unternehmen kaum zu stemmen. Mit den größeren Anlagen ist in Deutschland Repowering möglich und sinnvoll. Allerdings hat die Windenergie in den vergangenen zehn Jahren viele private Investoren sehr enttäuscht. Hier muss das Vertrauen erst zurück gewonnen werden, um das notwendige Eigenkapital zu generieren.


ECOreporter.de: Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Goedhart!

Bildhinweis: Solarprojekt der systaic AG. / Quelle: Unternehmen
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