11.06.10 Nachhaltige Aktien , Erneuerbare Energie , Meldungen

Marktstudie sieht deutsche Solarbranche unter verschärftem Wettbewerbsdruck – droht vielen Photovoltaik-Unternehmen das Aus?



Die von der Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants vorgelegte Untersuchung mit dem Titel ‚Licht und Schatten - Deutsche PV-Unternehmen im globalen Wettbewerb’ geht davon aus, dass einige deutsche Unternehmen auf der Strecke bleiben werden. Torsten Henzelmann, Partner bei Roland Berger und Greentech-Spezialist, erwartet, dass "in den nächsten fünf Jahren nur rund die Hälfte der heute etwa 50 größeren deutschen Solarunternehmen überleben wird".

Zwar werde der weltweite Photovoltaikmarkt weiter um rund 35 Prozent pro Jahr wachsen, heißt es in der Marktstudie. Wobei die höchsten Zuwächse aber nicht mehr in Europa erzielt würden, sondern in Asien und den USA, wo vor allem die Versorgungsunternehmen mit Großaufträgen das Wachstum vorantreiben, so die Studie. Aber zugleich führten ein Überangebot und die zunehmende Kosteneffizienz zu einem Preisverfall von bis zu 15 Prozent pro Jahr. Mittelfristig sei mit Preisen unter einen US-Dollar pro Watt (peak) zu rechnen. Der Preisdruck entsteht der Studie zufolge vor allem durch zunehmende Produktionskapazitäten und die daraus resultierende Unterauslastung. Denn trotz des Marktwachstums bewirke der jährliche Kapazitätszuwachs von drei bis vier Gigawatt, dass die Auslastung in den nächsten Jahren zwischen 50 und 70 Prozent betrage. Unterdessen nehme der Anteil von kristallinen Modulen aus asiatischer Produktion zu. "Der Anteil kristalliner Module aus Asien liegt 2010 bei 50 Prozent und wird weiter steigen", heißt es in der Roland Berger Studie. Gleichzeitig werde die Dünnschichttechnologie ihren Anteil am Absatz erhöhen und 2012 bei rund 25 Prozent liegen.

Der immer härter werdende Wettbewerb werde unter anderem zur Folge haben, dass die Produktion deutscher PV-Unternehmen in Low-cost-Standorte wie Asien verlagert werde, so Raoland Berger. Das Resultat: Deutsche Unternehmen mit heimischer Produktion seien durch Billigkonkurrenz aus Asien, Umsatzrückgänge in den Heimatmärkten und mangelnde Präsenz in Wachstumsmärkten bedroht. Erschwerend komme hinzu, dass mit der Kappung der Solarstromvergütung über das Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) in Deutschland ab Mitte 2010 ein Rückgang im Projektgeschäft und ein erhöhter Margendruck zu erwarten sei. Die Finanzkraft der deutschen PV-Unternehmen habe ohnehin unter den zu niedrigen Margen im vergangen Jahr gelitten. Zwischen 2008 und 2009 haben die deutschen Solargesellschaften laut der Studie durchschnittlich rund acht Prozent ihrer Marge eingebüßt.

Durch die Expansion der Marktführer geraten der Studie zufolge vor allem kleine und mittelständische Unternehmen unter Druck. Bereits im vergangenen Jahr lag die Produktionskapazität der Top 10 demnach bei 47 Prozent der Gesamtkapazität, sie werde auf 60 Prozent steigen. 80 Prozent der Kapazität dieser Top 10 befinde sich bereits in Asien. Die Produktionskosten lägen dort bis zu 50 Prozent niedriger, insbesondere durch indirekte Subventionen und niedrigere Personalkosten. Aus demselben Grund habe auch die Zulieferindustrie ihren Schwerpunkt in Asien.

"Um gut für die Zukunft gerüstet zu sein, müssen die Photovoltaik-Unternehmen erstens ihre Kostenstrukturen anpassen, zweitens eine kritische Größe in der Produktion erreichen und sich last but not least einen wettbewerbsfähigen Marktzugang und ausreichend Kapital sichern", empfiehlt Dr. Guido Hertel, Partner bei Roland Berger Strategy Consultants und Experte für Photovoltaik. Als Stärken der deutschen PV-Gesellschaften nennt die Studie, dass die meisten international in Wachstumsmärkten vertriebsseitig präsent sind und in der Technologie führend.

Von den deutschen Solarunternehmen räumen die Roland Berger Experten nur zwei hinsichtlich strategischer Positionierung und Finanzkraft Top-Performern beste Chancen ein, am Markt zu bestehen. Vier Unternehmen bewerten sie als so genannte Follower mit guten Chancen, zur Spitzengruppe aufzuschließen. Die Namen dieser sechs Firmen gab Roland Berger nicht bekannt. An den restlichen der untersuchten Solarfirmen kritisieren die Autoren der Untersuchung „die nachteilige strategische Positionierung der Unternehmen“, sie verweisen auf mangelnde Größe in der Produktion und fehlenden umfassenden Marktzugang in allen Absatzkanälen, insbesondere im Projektgeschäft. Die Achillesferse vieler Photovoltaik-Hersteller seien Produktionskosten und unzureichende Markenpositionierung. "Nur wenige deutsche Hersteller besitzen eine für den Kunden wiedererkennbare Marke", sagt Berger-Partner Henzelmann. Hier fehle es oft an strategischen Initiativen.

Vergleichsweise gut bewertet Roland Berger die Ausgangslage der europäischen Anlagenbauer. Viele seien immer noch als Weltmarktführer positioniert und daher finanziell gut aufgestellt. Für sie bedeute die zunehmende Produktionsverlagerung nach Asien die größte Herausforderung.

Auch die Private Equity Gesellschaft Ventizz Private Equity AG hat eine Studie zu deutschen Solarunternehmen vorgelegt. In ihrem Auftrag führte die Weisebadener Business School eine Erhebung bei den deutschen Solarzulieferern durch. Demnach rechnen die Akteure der Branche für die kommenden Jahre ebenfalls mit einer Konsolidierung und eine zunehmende Produktionsverlagerung gen Asien. Allerdings hat bei der Umfrage fast jedes zweite der befragten 22 Unternehmen angegeben, sich nicht aktiv auf die erwartete Welle von Übernahmen oder Fusionen vorzubereiten,. Das kritisiert Dr. Helmut Vorndran, Managing Partner und Mitgründer der Ventizz Capital Partners. „Besonders ausländische Investoren sehen in diesem Prozess eine Chance, sich deutsches Know-how anzueignen“, meint er. Es könne sich bei den deutschen Solarzulieferern wiederholen, was sich bereits in anderen Branchen wie etwa den Herstellern von Werkzeugmaschinen gezeigt habe, deren Kompetenzzentren zunehmend von Deutschland nach China oder Südkorea abwanderten.


Bildhinweis: Deutsches Solarmodul / Quelle: ECOreporter.de; Helmut Vorndran / Quelle: Ventizz
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