04.02.10 Erneuerbare Energie , Anleihen / AIF

Mehr Nachhaltigkeit durch eine ganzheitliche Betrachtung von Cleantech-Projekten

Cleantech-Projekte werden häufig nur eindimensional betrachtet, dabei ist eine ganzheitliche Sichtweise im Sinne der Nachhaltigkeit unabdingbar. Denn nicht allein die Problemlösung von heute ist entscheidend, sondern auch die Umwelt von Morgen! Durch die Fortschritte in der Technologie kann Cleantech alle Stellschrauben zur Verbesserung der Energie-, Ressourcen- und  Materialeffizienz nutzen und mögliche Synergiepotenziale für alle relevanten Bereiche ausschöpfen. Ganzheitliche Konzepte treten so immer mehr in den Vordergrund. Die Kombination verschiedener Umwelttechnologien für einzelne Projekte wird  in Zukunft an Bedeutung gewinnen – wirtschaftlich und ökologisch.  

Die Elemente Wasser und Energie stehen im Sinne der Nachhaltigkeit bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts in enger Beziehung, als Wasserkraft erstmals zur Stromerzeugung genutzt wurde. Nachhaltige Wasserwirtschaft und  Erneuerbare Energien bieten als wichtige Cleantech-Sektoren ebenfalls enorme Synergieeffekte, wenn einzelne Technologien in einem gemeinsamen Kontext betrachtet werden. Dieses wird beispielsweise bei dem Einsatz von Erneuerbaren Energien für die dezentrale Wasserversorgung deutlich.  

Die Entsalzung von Meerwasser benötigt viel Energie, bietet aber große Chancen für die Produktion von Trinkwasser, vor allem mit Blick auf die Bevölkerungszunahme, die Verschmutzung von Oberflächenwasser und die versiegenden Grundwasserspeicher. Derzeit sind rund 12.000 größere Anlagen zur Meerwasserentsalzung weltweit im Einsatz, die zusammen täglich rund 36 Millionen Kubikmeter Trinkwasser gewinnen. Überwiegend wird das Meerwasser in großen zentralen Umkehrosmoseanlagen entsalzt. Die Nachteile dabei sind ein hoher Stromverbrauch, eine starke Belastung des Meeres durch örtlich konzentrierte Rückführung der Salzlauge und die große Transportwege des entsalzten Wassers zum Verbraucher. Neue dezentrale Meerwasserentsalzungskonzepte, die das Meerwasser im kleinen Maßstab mit Hilfe Erneuerbarer Energien (z.B. Wind- oder Solarenergie) entsalzen, haben hier klare Vorteile: Autarke Lösungen, kurze Transportwege, keine Umweltbelastung - so können sich auch einzelne Gemeinden von der Abhängigkeit großer Energie- und Wasserversorger lösen und zugleich zur sozialen Nachhaltigkeit beitragen.

Ein weiteres Beispiel für die neuen Möglichkeiten, Synergien über Bereichsgrenzen hinweg zu nutzen, ist bei den kommunalen Klärwerken zu finden. Sie sind die größten Energieverbraucher einer Gemeinde, was jedoch durch intelligente technische und verfahrenstechnische Optimierungen geändert werden kann. Denn Kläranlagen reinigen seit langem nicht nur Abwässer, sondern leisten auch einen Beitrag zur Stromerzeugung. Durch die Desintegration von Klärschlamm in Faultürmen kann nicht nur die teuer zu entsorgende Menge an Klärschlamm reduziert werden, sondern gleichzeitig die Produktion von Biogas erhöht werden. Mittels Zugabe von Enzymen und Hilfsstoffen können zusätzlich biologische Prozesse beschleunigt werden, wodurch Beckenkapazitäten frei geschaltet werden können. Dies spart Energie- und Betriebskosten, und das Ziel einer energieautarken Kläranlage rückt immer näher. Doch nicht nur der Klärschlamm verdient eine gezielte Betrachtung, sondern bereits das Abwasser, welches in die Kläranlagen eingeleitet wird, kann nachhaltig von Nutzen sein.  

Denn die im Abwasser enthaltene Wärmeenergie kann mit Hilfe von Wärmepumpen entzogen und zurück gewonnen werden. Die bräunliche Brühe ist nämlich wertvoller, als viele denken. Etwa 120 Liter Abwasser schickt im Schnitt jeder Bundesbürger pro Tag auf den Weg zu den kommunalen Klärwerken. Die Flüssigkeit steht immer zur Verfügung und ist zwischen 10 und 20 Grad warm – und genau das macht sie so wertvoll. „Mehr als 10 Prozent der Gebäude in Deutschland können theoretisch mit der Energie im Abwasserkanal beheizt werden. Das belegen Studien des Umweltministeriums Nordrhein-Westfalen. Damit wäre dies das Rohöl der Großstadt!“ sagt Dipl.-Ing. Torsten Schulz Geschäftsführer des Fachzentrums Wärme aus Abwasser.   
Auch bei der ganzheitlichen Betrachtung von Projekten, die den Bereichen Wasserwirtschaft und Recycling zugeordnet werden können, sind Synergien offensichtlich. Dass Wasser selbst ein Rohstoff ist, der bei der Aufbereitung recycelt und zur Wiederverwendung bereitgestellt wird, ist einleuchtend. Mit geringem Aufwand und großem Nutzen können z.B. Toiletten und Waschmaschinen in Gebäuden ohne Komfortverlust mit Betriebswasser aus sog. Grauwasser- Recyclinganlagen betrieben werden.  

Im öffentlichen oder gewerblich-industriellen Bereich stehen noch weit mehr Möglichkeiten für die Wiederverwendung von Grauwasser zur Verfügung. Besonders in Ländern mit eingeschränkten Wasserressourcen bieten sich durch das Grauwasserrecycling erhebliche Einsparpotentiale. Doch auch andere Bereiche profitieren von den innovativen Produktentwicklungen der letzten Jahre. So ist es mittlerweile möglich, im Abwasser enthaltene Stoffe zu recyceln und wiederzuverwenden. Die Forschung beschäftigt sich derzeit verstärkt mit der Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm. Phosphor ist eben- so wie Wasser eines der wesentlichen lebensnotwendigen Elemente, ohne die in der Natur nichts geht. Die natürlichen Reserven schwinden, und die Preise steigen. Phosphorrecycling wird daher zunehmend interessanter.  

Zugleich werden aber auch immer mehr Abfälle aus Glas, Papier, Metall oder Kunststoff recycelt. Dabei wird in der Regel eine große Menge an Wasser benötigt, vorwiegend zum Waschen und Reinigen der Abfälle. Aber auch als Medium zum Trennen von Stoffgruppen spielt Wasser eine wichtige Rolle. Hier bestehen große Einsparungspotenziale durch die Anwendung entsprechender Technologien für einen der kostbarsten Rohstoffe unserer Zeit.  

Mit einer an Nachhaltigkeit orientierten Unternehmensstrategie bieten sich Chancen auf eine „Triple-win-Situation“ für Umwelt, Gesellschaft und Ökonomie. Durch die großartigen Potenziale der Cleantech-Branche kann die Spitzenstellung der deutschen Industrie in der Umwelttechnologie ausgebaut werden, immer mehr Länder (insbesondere die Entwicklungs- länder) erhalten saubere Technologien, und die globale Umweltsituation wird zum Wohle aller verbessert.  

Damit dieses Szenario jedoch eintritt, müssen unterschiedliche Ansatzpunkte innerhalb der Leitmärkte betrachtet werden. Ganzheitliche Konzepte, die sämtliche Technologien miteinander kombinieren, werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen und wirtschaftlich den größten Erfolg versprechen.

Dieser Text stammt aus einer Sonderpublikation des Emissionshauses Trendinvest Beratungs GmbH und wurde von deren Geschäftsführer  Dr. Christian Göbel verfasst. Per Opens external link in new windowMausklick gelangen Sie zu der Publikation.


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