Die Solarfonds von White Owl Capital (WOC) investieren in Italien, Spanien, Deutschland und Frankreich. Im Bild eine Freiflächenanlage von WOC. / Foto: Unternehmen

31.10.14 Anleihen / AIF

Mehr Strom, aber weniger Rendite: Italien- und Spanien-Solarfonds von WOC verfehlen Prognosen

Trotz überdurchschnittlicher Sonnenstromproduktion blieben viele Italien- und Spanien-Solarfonds zwischen 2010 und 2013 finanziell deutlich hinter den Fondsprognosen zurück. So auch drei Solarfonds des Berliner Emissionshauses White Owl Capital (WOC). Die im Zuge der Euroschuldenkrise veränderte Rechtslage in beiden Staaten macht die Ursprungsprognosen wohl auf Dauer unerreichbar.

Rund 6.000 Anleger haben zwischen 2008 und 2010 insgesamt 110 Millionen Euro in drei geschlossene Solarfonds von WOC investiert. Ein großer Teil der Anlagen in den Portfolios dieser drei Fonds steht in Spanien oder Italien. Eigentlich sollte 2011 noch ein vierter Italien-Solarfonds starten. Das Ziel war, weitere 15,8 Millionen Euro Anlegerkapital für Solarparks in Italien einzuwerben. Diese Beteiligung wurde jedoch kurz nach dem Start rückabgewickelt. Die Nachfrage nach Italien-Solarfonds habe angesichts der Euro-Schuldenkrise zu stark nachgelassen, erklärte WOC damals. Die Folgen der Krisenjahre bekommen allerdings auch die 6.000 Anleger der übrigen WOC-Solarfonds zu spüren. Denn alle drei Fonds lagen in den vergangenen Jahren oft deutlich unter den eigenen Ausschüttungsprognosen. Dies obwohl die durchschnittliche Stromproduktion die Prognoseerwartungen häufig weit übertraf. Das zeigen Leistungsbilanzen und Quartalsberichte zu den Beteiligungen. „Die Anlagen sind alle technisch einwandfrei und produzieren mehr Strom als prognostiziert“, unterstreicht auch Gunnar von Reden, Geschäftsführer  der White Owl Treuhand GmbH auf Nachfrage von ECOreporter.de.


WOC Solarfonds 01 hat die Ausschüttungen an seine Anleger ausgesetzt

Der Grund für die schwachen Einnahmen sind Eingriffe der Politik. Spanien und Italien reagierten unter anderem mit harten Einschnitten bei der Energiepolitik auf ihre jeweils prekäre finanzielle Lage. Spaniens Regierung verabschiedete sich nach mehreren harten und zudem rückwirkenden Einschnitten ganz von der staatlich garantierten Einspeisevergütung für Strom aus Erneuerbaren Energien (mehr dazu lesen Sie  hier). Die italienische Regierung hat ihr Vergütungssystem so reformiert, das einige Fonds ihre Ausschüttungen an die Anleger trotz reicher Sonnenernte vorübergehend eingestellen mussten  (hier  lesen Sie, wie beispielsweise die Emissionshäuser Leonidas Associates und  Chorus auf die jüngsten Reformen in Italien reagiert haben und  hier berichten wir über die Reform in Italien selbst).


Genauso geht es derzeit den Anlegern des geschlossenen Spanien-Solarfonds WOC Nachhaltigkeitsfonds 01, die 20 Millionen Euro in ein Portfolio aus elf Photovoltaikanlagen mit 10,6 Megawatt (MW) Leistungskapazität investiert haben. „Beim WOC 01 sind derzeit keine Ausschüttungen möglich. Der Fonds hat bisher 11,75 Prozent ausgezahlt“, erklärt der Geschäftsführer der White Owl Capital Treuhand GmbH. Der Fonds war 2008 gestartet, läuft noch bis 2034 und sollte ab 2010 Ausschüttungen an seine 1.098 Anleger leisten - beginnend bei 9,0 Prozent.
Das Fondsmanagement ergriff Gegenmaßnahmen: „Der WOC NF01 hat gleich nach bekannt werden der Tarifkürzungen sich frühzeitig, nämlich bereits 2010 einer internationalen Klagegruppe angeschlossen und eine Klage vor dem internationalem Schiedsgericht in Den Haag anhängig gemacht“, erklärt von Reden. Das Verfahren kostet allerdings viel Zeit: „Die Klage zieht sich weiter hin, und in diesem Jahr werden die Richter wohl eine Entscheidung zur Zulässigkeit der Klage treffen“, so von Reden weiter. „Soweit die Klage als zulässig erachtet wird, würden sich die Richter auch endlich materiell zur Klage einlassen. Bei vollem Erfolg müsste der spanische Staat Kompensationszahlungen und Schadensersatz für die Verluste der Investoren leisten“, sagt von Reden.

In Italien hat sich WOC noch nicht an die Justiz gewendet. Aber: auch vor dem Hintergrund der Reformen in Spanien und Italien nach 2010 prüfe die White Owl Treuhand GmbH weitere rechtliche Schritte gegen beide Staaten, so der Geschäftsführer der White Owl Treuhand GmbH weiter. Zum Schutz der Rentabilität der Beteiligungen justierten die WOC-Fonds auch an anderer Stelle nach. So wurden Wartungsverträge neu verhandelt. „Hier kommt es zu Einsparungen von rund 25 Prozent“, erklärt von Reden.


Nachfolgefonds verfehlen ihre Ausschüttungsprognosen

Der WOC Nachhaltigkeitsfonds 02 startete 2009. Die Solaranlagen des Fonds mit 39,4 MW Gesamtkapazität verteilen sich auf Standorte in Spanien, Italien und Deutschland. Hier sind 3.475 Anleger mit zusammengenommen 57 Millionen Euro Eigenkapital beteiligt. Der Fonds begann bereits 2010 vorzeitig mit einer Ausschüttung in Höhe von 1,5 Prozent. Für die drei Folgejahre sollten die Investoren laut der ursprünglichen Prognose jeweils 9,6 Prozent auf ihr eingebrachtes Kapital erhalten. Für 2011 wurden es 6,0 Prozent, für 2012 bekamen die Anleger noch 4,5 Prozent. So geht es aus Quartalsberichten des Fonds hervor.  Und für 2013 lag die Ausschüttung noch bei 3,0 Prozent – insgesamt also 13,5 Prozent. Das bestätigte White-Owl-Treuhand-Geschäftsführer Gunnar von Reden.  


Der WOC Nachhaltigkeitsfonds 03 startete 2011. Er investiert dem Emissionshaus zufolge in 13 Solaranlagen in Italien (3 Kraftwerke), Frankreich (8) und  Deutschland  (2) mit 47,3 MW Gesamtkapazität Rund 1700 Investoren legten 33 Millionen Euro an. Rückflüsse an die Anleger leistet der Fonds planmäßig seit 2012. Prognostiziert waren hier zunächst jährlich jeweils 8,6 Prozent für 2012 und 2013. Diese Prognose erreichte auch dieser Fonds nicht:  „Der WOC 03 hat insgesamt 11 Prozent ausgezahlt“, erklärt von Reden. Im Fondsprospekt waren für die 2012 und 2013 zusammen Ausschüttungen in Höhe von 17,2 Prozent prognostiziert.

Anleger sitzen am kürzeren Hebel

Die Fondsinvestoren haben in der Regel kaum Handlungsmöglichkeiten, wenn ihre Fonds die Ausschüttungen reduzieren oder vorrübergehend aussetzen müssen. Denn je nachdem wie die Verträge mit den jeweiligen Banken als Fremdkapitalgeber der Fonds ausgestaltet sind, kann auch eine Bank dafür sorgen, dass die Anleger vorübergehend kein Geld bekommen (mehr dazu lesen Sie  hier).

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