Auf den Ständen der Messe Grünes Geld konnten sich Anleger umfassend über nachhaltige Geldanlagen informieren. / Foto: ECOreporter.de

23.11.15 Anleihen / AIF , Finanzdienstleister , Fonds / ETF

Messe Grünes Geld Köln brachte handfeste Tipps für Geldanlagen mit Sinn

Wie unterscheidet man riskante Geldanlagen von sicheren Investments? Welche Trends und Neuheiten bietet der Markt für nachhaltige Investments? Antworten auf solche Fragen gab es am vergangenen Samstag auf der Messe Grünes Geld im Gürzenich in der Kölner Innenstadt. ECOreporter.de hat sich bei Messebesuchern umgehört und erfahren: Viele Kleinanleger suchen derzeit gezielt nach sicheren und ethisch wie ökologisch einwandfreien Anlagemöglichkeiten. Die Rendite ist zwar wichtig, steht aber eher selten an erster Stelle.

Orientierung und handfeste Tipps zu Anlagestrategien in Zeiten niedriger Zinsen gab es vor allem bei der Podiumsdiskussion mit dem Titel „Schuldenkrise, niedrige Zinsen: Sind nachhaltige Geldanlagen der sichere Hafen?" Einmal mehr moderierte der ARD-Börsenspezialist Stefan Wolf die vierköpfige Expertenrunde. Es diskutierten ECOreporter.de-Chefredakteur Jörg Weber, Finanztest-Chefredakteur Heinz Landwehr, Thorsten Holstein von der GLS Bank sowie Markus Güntner, Nachhaltigkeitsexperte vom Schweizer Vermögensverwalter Swisscanto. „Nachhaltige Kapitalanlagen sind nach wie vor ein großer Wachstumsmarkt“, sagte Güntner mit Blick auf aktuelle Studien. Demnach seien 20 Prozent der Deutschen daran interessiert, ethisch-ökologisch einwandfrei zu investieren, aber nur zwei Prozent würden dies auch tatsächlich tun. Der Trend weise aber deutlich in Richtung des nachhaltigen Investments, betonte Güntner.

„Schon jetzt haben Großinvestoren Wind- und Solarparks als Geldanlagen entdeckt, weniger weil sie besonders nachhaltig investieren wollen, sondern weil es ein lohnendes Geschäft ist“, erläuterte ECOreporter.de-Chefredakteur Jörg Weber. Die gewachsene Konkurrenz um die guten Projekte und das seit 2013 geltende Kleinanlegerschutzgesetz hätten jedoch dazu beigetragen, dass mittlerweile für Privatanleger deutlich weniger neue Ökostrom-Direktinvestments auf den Markt kämen, als noch vor wenigen Jahren.

Foto: Die Experten bei der Podiumsdiskussion im Gürzenich. / Quelle: ECOreporter.de

„Null Prozent bei der Deutschen Bank und null Prozent bei einer Nachhaltigkeitsbank, das ist ein himmelweiter Unterschied“

„Riskante Geldanlagen kann man auf den ersten Blick erkennen“, stellte Thorsten Holstein von der GLS Bank klar. Entscheidender Risikoindikator sei die „Differenz zum risikofreien Zins“. Beim aktuellen Zinsniveau seien Angebote mit Renditeversprechen ab 5 Prozent Zinsen risikoreich, mahnte er. Zugleich sieht er im Umfeld extrem niedriger Zinsen eine Chance für Nachhaltigkeitsbanken: „Null Prozent bei der GLS Bank und null Prozent bei der Deutschen Bank, das ist ein himmelweiter Unterschied“, so Holstein. Rein finanziell seien „grüne Kapitalanlagen“ auf Augenhöhe mit konventionellen Investments. „Wer nachhaltig investiert gibt nichts ab“, sagte er.

Markus Güntner von Swisscanto ging noch weiter. „Ich behaupte, nachhaltige Geldanlagen sind immer die bessere Wahl, sagte Güntner mit Blick auf die soziale und ökologische Rendite. „Wir verändern die Welt“, so Güntner. Als Beispiel führte der die Swisscanto Aktienfonds an. „Im Vergleich zu dem herkömmlichen MSCI World sparen wir mit unseren Investments 42 Prozent CO2 ein“, führte Günter aus. Seine Faustformel für die richtige Aktienquote im persönlichen Portfolio: „100 minus das eigene Lebensalter“ Allerdings sei bei Geldanlagen grundsätzlich Geduld gefragt. Zusätzlich hilfreich für Erfolg am Kapitalmarkt seien klar definierte Ziele.

„Schließe nichts ab, wenn Du das Geschäftsmodell nicht verstehst“, brachte Finanztest-Chefredakteur Heinz Landwehr eine weitere Faustregel auf den Punkt. Wichtig sei zudem, das Anlagekapital auf verschiedene Geldanlagetypen und Anlageklassen zu verteilen, um Verlustrisiken möglichst klein zu halten, erklärte Landwehr. Die passende Geldanlage müsse individuell auf die Lebenssituation und die Risikobereitschaft der Anleger abgestimmt werden, erläuterte Landwehr. Sich in der gewachsenen Vielfalt der nachhaltigen Kapitalanlagen zurecht zu finden, sei „schwierig, aber nicht unmöglich“, so der Experte weiter.

„Viele tiefgreifende Gespräche“

Wie groß die Vielfalt mittlerweile ist, zeigte die Messe selbst auf: Mitsamt des Anlegercheckpoints, wo die Besucher sich unabhängig zum Thema informieren konnten, präsentierten sich 33 Aussteller dem interessierten Publikum. Crowdinvestment-Anbieter waren auf der Messe ebenso vertreten wie Emissionshäuser, Aktienfondsanbieter, Banken und Energiegenossenschaften. Grünes Geld Köln zeigte einmal mehr die gesamte Bandbreite des nachhaltigen Kapitalmarkts.

„Wir hatten viele gute Gespräche und sind dementsprechend zufrieden“, resümierte Javier Garcia, Kundenbetreuer der Triodos Bank, den Messetag. Grünes Geld sei eine gute Gelegenheit, um die Bekanntheit seiner nachhaltigen Bank in Deutschland weiter zu steigern. Das Publikum der Messe Grünes Geld bringe viel Vorwissen mit und sei „ sehr aufgeschlossen“, lobte Garcia. Ähnlich sah das Roland Räcker, Vertriebsbeauftragter der Concordia Oeco Lebensversicherung AG. „Die Publikumsresonanz an unserem Stand war diesmal deutlich größer als bei der ersten Messe Grünes Geld Köln vor zwei Jahren, so Räcker. Als Lebensversicherer sei Concodia Oeco dem einen oder anderen  Besucher unter all den anderen Geldanlage-Anbietern zwar etwas „exotisch“ vorgekommen, so Räcker. „Das konnten wir aber sehr gut als Anknüpfungspunkt für viele intensive Gespräche nutzen.“ Viele „inhaltlich anspruchsvolle Gespräche mit gut vorinformierten und sehr versierten Anlegern“ hatte auch das Messeteam der Wiesbadener Windparkbetreiberin ABO Invest AG um Natalie Hahner, wie sie erklärte.

Abgerundet wurde Grünes Geld Köln vom gut besuchten Vortragsprogramm rund um nachhaltige Geldanlagen. Das und eine geräumige Spiel- und Bastelecke für kleine Besucher sorgten dafür, dass sich die Besucher - beinahe den gesamten Samstag Zeit nahmen um sich ausgiebig zu informieren  - auch mit Kind und Kegel im Schlepptau.

Die Messereihe Grünes Geld wird 2016 fortgesetzt. Sie startet am 14. und 15. April in Stuttgart mit einer Neuerung. Dort läuft Grünes Geld im Rahmen der Messe „Invest“. Außerdem gastiert Grünes Geld am 4. Juni 2016 in Hamburg sowie am 24. September in München und am 12. November in Freiburg. Mehr lesen Sie  hier.
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