Hauptsitz von Meyer Burger in Thun (Schweiz): Der Solarzulieferer will die Produktion an dem Standort einstellen. / Foto: Unternehmen

02.11.17 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Meyer Burger legt Sparprogramm auf: Solar-Aktie fällt

Die Meyer Burger Technology AG muss sparen: Der Solarausrüster teilte mit, dass er ein Kosteneffizienzprogramm eingeleitet habe. Damit will Meyer Burger seine Produktionskosten senken und das Produktportfolio "straffen". Der Standort im schweizerischen Thun, an dem das Unternehmen derzeit unter anderem Fertigungsanlagen für Solarmodule produziert, werde "reorganisiert", hieß es. Sämtliche Produktionsaktivitäten in Thun würden voraussichtlich bis Ende 2018 eingestellt.

Die Entscheidung sei nicht leicht gefallen, sagte dazu Hans Brändle, Chief Executive Officer (CEO) von Meyer Burger: "Insbesondere weil es auch viele langjährige Mitarbeitende von Meyer Burger trifft. Diese Transformation und Reorganisation ist jedoch unvermeidbar und notwendig, um die operative Effizienz der Gruppe und die Zukunft von Meyer Burger zu sichern. Wir werden die Personalmaßnahmen fair und möglichst sozialverträglich umsetzen." Es sind bis zu 180 Stellen hauptsächlich in Produktion, Logistik, Einkauf und Produktionsplanung in Thun über die nächsten 15 Monate betroffen.

Teile der Produktion gehen nach China

Weil 85 Prozent der Solarwafer in Asien und hier hauptsächlich in China hergestellt werden, will Meyer Burger die Produktion von Diamantdrahtsägen im Verlauf des Jahres 2018 von Thun nach China verlagern. Dadurch könnten flexiblere Kostenstrukturen, eine Reduktion der Lieferzeiten und -kosten und eine noch stärkere Kundennähe erreicht werden.

Im Bereich Solarmodule will sich das Unternehmen auf die Weiterentwicklung seiner sogenannten SmartWire Connection Technologie (SWCT) für hocheffiziente Module konzentrieren. Im Bereich Solarsysteme, wo Meyer Burger speziell den Schweizer Markt mit gebäudeintegrierter PV-Technik abdecke, werden "strategische Alternativen geprüft". Die Solarpanel-Produktion in Thun werde während 2018 ebenfalls eingestellt. Am Hauptstandort will Meyer Burger künftig noch die Bereiche Global Sales und Marketing, Services sowie Forschung und Entwicklung erhalten.

Die Gesellschaft plant ebenfalls in 2018 eine Reorganisation seiner Niederlassung in Eindhoven in den Niederlanden.

Positiver Einfluss auf das Ergebnis erwartet

Durch das Sparprogram erwartet Meyer Burger einen positiven Einfluss auf das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) von rund 10 Millionen Schweizer Franken (CHF) im Jahr, und zwar ab dem Geschäftsjahr 2019.
 
Das Programm führe zu einmaligen außerordentlichen Aufwendungen von rund 10 Millionen CHF für Produktetransfers und Personalkosten. Rund die Hälfte davon werde der Jahresrechnung 2017, die andere Hälfte der Jahresrechnung 2018 belastet. Zudem fielen einmalige Aufwendungen von rund 40 Millionen CHF an, unter anderem für Wertberichtigungen sowie Abschreibungen von immateriellen Anlagen.

Meyer Burger muss die Prognose anpassen

Während der Umsatz 2017 wie erwartet bei 440 bis 460 Millionen CHF bleiben soll (dies entspricht dem Vorjahresniveau), wirken sich die Aufwendungen auf den Gewinn aus. Meyer Burger muss die bisherige EBITDA-Prognose für das Gesamtjahr 2017 auf ein Niveau von 5 bis 15 Millionen CHF anpassen - bisher hatte der Solarzulieferer rund 30 bis 45 Millionen CHF erwartet.

Kursrückgang bei der Solar-Aktie

Die Aktie von Meyer Burger hatte zuletzt zugelegt,  was unter anderem an einem Großauftrag aus Italien lag. Nach Bekanntgabe des Sparprogramms fiel der Kurs an der Swiss Exchange aber um fast 4 Prozent auf 1,77 Schweizer Franken (CHF, umgerechnet 1,54 Euro, 2. November, 10:41 Uhr).  Lesen Sie hier, weshalb wir von dem Investment in Meyer Burger abraten.  

Meyer Burger Technology AG: ISIN CH0108503795 / WKN A0YJZX
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