Nach einer Übernahme gehören auch die Fahrräder der Marke Steppenwolf zur Mitteldeutschen Fahrradwerke AG. Im Bild ein Rad aus diesem Sortiment. / Quelle: Unternehmen

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MIFA schafft sich Luft für Sanierung – Vorstandschef geht

Durch den Verkauf des eigenen Betriebsgrundstücks hat sich der finanziell angeschlagene Fahrradhersteller Mitteldeutsche Fahrradwerke (MIFA) Luft für die anstehenden Sanierungsanstrengungen verschafft. Der Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen Anhalt werde das Grundstück für 5,7 Millionen Euro übernehmen und es MIFA im Rahmen einer Sale-and-Lease-Back-Vereinbarung vermieten. Kurz zuvor hatte der Landkreis ein Maßnahmenpaket beschlossen, um dem Fahrradhersteller aus Sangershausen kurzfristig finanziell unter die Arme greifen zu können. Neben der Gewährung einer möglichen Bürgschaft für 5 Millionen Euro waren auch Aktienkäufe als Option in dem Paket enthalten (ECOreporter.de  berichtete).

Sanierungsexperten sollen MIFA in die Spur zurückbringen

Angespannt ist die Finanzlage von MIFA auch, weil der Fahrradhersteller über die mit 7,5 Prozent verzinste  Anleihe 25 Millionen Euro bei Großinvestoren eingeworben hat, die 2018 zur Rückzahlung fällig. Der Sanierungsprozess von MIFA, den das Unternehmen mit der Berufung eines externen Experten in den Vorstand startet, beginnt mit einem Paukenschlag: Denn Vorstandschef und Großaktionär Peter Wicht hat sich mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgezogen. Als Motiv für den Rückzug gibt die MIFA AG: „gesundheitliche Gründe“ an. Die Geschicke des Unternehmens werden nun bis auf Weiteres von einem Duo verantwortet. Zum einen ist dies der erst Mitte März 2014 berufene Finanzvorstand Hans-Peter Barth. Zum anderen der neue Verantwortliche für Reorganisation und Sanierung  Dr. Stefan Weniger. MIFA zufolge ist der heute berufene Dr. Weniger Rechtsanwalt und Betriebswirt und als Geschäftsführer der hww Unternehmensberater GmbH tätig. hww ist auf Sanierungen spezialisiert. Um die Schieflage in den Griff zu bekommen, will MIFA neben dem neuen Vorstandsmitglied noch die Beratungsgesellschaft EY Ernst & Young hinzuziehen. Die Berater sollen „im Laufe des zweiten Quartals“ für MIFA ein Sanierungsgutachten erstellen, auf dessen Grundlage die nächsten Schritte geplant und vollzogen werden sollen.

„Geschäftsbetrieb nicht betroffen“

Der laufende Geschäftsbetrieb mit derzeit 770 Mitarbeitern sei vom Sanierungsbedarf nicht betroffen, so MIFA weiter. Mit wesentlichen Partnern wie Kreditgebern und Lieferanten   und Gesellschaftern seien Vereinbarungen getroffen worden , „die zur weiteren Finanzierung des laufenden Geschäfts beitragen“, hieß es. Auch die Gespräche mit dem indischen Fahrradhersteller HERO Cycles Ltd. über eine Finanzspritze in Höhe von 15 Millionen Euro liefen „vielversprechend“, erklärte das Unternehmen. Für das zweite Quartal hofft der Fahrradhersteller auf die gewohnte saisonal bedingte Geschäftsbelebung.  Eine Entscheidung dazu erwartet MIFA in den kommenden Wochen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Lage werde sich die Lage der MIFA AG jedoch wohl erst  2015 „deutlich verbessern“, hieß es. Die Bilanz für 2013 werde voraussichtlich im Juni des laufenden Jahres veröffentlicht. Die finanzielle Schieflage von MIFA liegt in einem Fehler in der Buchhaltung begründet, der erst im Vorfeld der Erstellung dieser Bilanz aufgefallen war. Deshalb war die Veröffentlichung verschoben worden.

Die Börse nahm die Nachrichten aus Sangershausen zunächst positiv auf. Die MIFA-Aktie  verbuchte heute an der Deutschen Börse bis 11:52 Uhr 3,5 Prozent Kurszuwachs auf 3,42 Euro. Damit logiert das Wertpapier allerdings immer noch 48 Prozent unter dem Wert vor vier Wochen und 53 Prozent unter dem vor einem Jahr.

MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG: ISIN DE000A0B95Y8 / WKN A0B95Y
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