Einblick in die Produktion von Solarmodulen bei JA Solar in China. Derzeit steigen die Preise für Solartechnik in Asien. / Foto: Unternehmen

23.06.15 Erneuerbare Energie

Mindestpreise für Solarmodule belasten Nachfrage in Europa

Die Preise für Solarmodule sind auf den wichtigen Märkten dieser Welt teils deutlich gestiegen - einzige Ausnahme: Europa. Hier blieb das Preisniveau auch im Mai 2015 konstant bei 60 Cent pro Watt Leistungskapazität. Am teuersten ist Solartechnik derzeit in Japan und Korea. Dort stiegen die Preise im Mai um 1,6 Prozent auf 65 Cent pro Watt Leistungskapazität. Seit Jahresbeginn verteuerten sich Solarmodule auf diesem Markt damit um 6,6 Prozent. Die übrigen maßgeblichen Märkte Asiens liegen mit ihren Modulpreisen noch deutlich unter denen in Europa; sie nähern sich jedoch an.

In China kosteten Solarmodule im Mai 2015 56 Cent pro Watt Leistungskapazität. Das entspricht einem Preisanstieg um 1,8 Prozent gegenüber dem Vormonat. Im Verlauf von 2015 wurden Module in China damit 3,7 Prozent teurer. Den auf Monatssicht größten Preissprung gab es am Modulmarkt in Südostasien und Taiwan. Hier verteuerten sich Solarmodule auf Monatssicht um 2,1 Prozent auf umgerechnet 49 Cent pro Watt Leistungskapazität. Zu Jahresbeginn 2015 hatte der Preis dort noch 6,5 Prozent unter dem aktuellen Niveau gelegen. Das teilt die Photovoltaikhandelsplattform pvXchange mit.

In Kooperation mit dem Partner pvXchange berichtet ECOreporter.de monatlich über die Entwicklung der Preise auf dem Markt für Solarmodule. pvXchange stellt dafür ein „Preisbarometer“ zur Verfügung. Dieses soll einen schnellen Überblick auf die Trends im Solarmarkt ermöglichen.

Marktkommentar von pvXchange für Mai 2015

Keine Trendwende – das ist die bittere Erkenntnis bei der Betrachtung der Photovoltaik-Marktentwicklung auch im Mai. Während die Preise von Modulen aus allen asiatischen Regionen erneut um ein bis zwei Prozentpunkte stiegen, hielten die Preise für deutsche und europäische Module ihr Niveau konstant. Dass sich die Preise lokaler Hersteller nun bereits seit Oktober 2014 – abgesehen von leichten Schwankungen – bei durchschnittlich 60 Cent pro Watt-peak halten können, ist sicherlich ein Ergebnis der Anti-Dumping-Maßnahmen der EU-Kommission. Dieser Marke gleichen sich die Module aus anderen Herkunftsregionen nun offenbar immer mehr an – aber um welchen Preis für die Solarbranche?

Diese Entwicklung ist nämlich vor dem Hintergrund des schleichenden Rückgangs der Installationen innerhalb der Europäischen Union alles andere als erfreulich. Nachdem der Zubau von neuen Photovoltaikanlagen in Deutschland im April 2015 laut Angaben der Bundesnetzagentur bereits zum dritten Mal unter der 100-Megawatt-Marke lag und aufgrund der anhaltend steigenden Preise kein echtes Marktwachstum erkennbar ist, dürften die Zahlen für Mai und Juni ähnlich katastrophal ausfallen. Auch in anderen europäischen Ländern sieht es kaum besser aus. Das aufkeimende Interesse aus Märkten wie Polen und Griechenland reicht bei Weitem nicht aus, die schwache Nachfrage aus den klassischen Photovoltaik-Märkten aufzufangen.
Dabei sind die künstlich auf hohem Niveau gehaltenen Modulpreise gar nicht zwingend nötig, um europäische Hersteller vor der Konkurrenz aus China zu schützen. Gerade deutsche Hersteller fühlen sich mittlerweile dank moderner, hochautomatisierter Fertigung durchaus imstande, ihre Module zu Preisen deutlich unter dem aktuellen Mindestimportpreis anzubieten, ohne dabei Verluste zu machen. Die Mehrheit der lokalen Produzenten greift dabei allerdings auf Zellen zum Beispiel aus Taiwan zurück, da die europäischen Zellkapazitäten zu gering sind, um mit den Modulkapazitäten mithalten zu können. So können sie momentan mit ihren Preisen gut mitschwimmen im Becken, das durch Herrn Asbeck [Frank Asbeck ist Vorstandschef der SolarWorld AG. Er setzt sich stark für internationale Anti-Dumping-Maßnahmen gegen Hersteller aus China ein. – Anm. der ECOreporter.de-Redaktion] und die EU-Kommissare zunehmend von chinesischen ‚Haien‘ gesäubert wird.

Der Versuch, chinesische Firmen systematisch aus dem europäischen Markt zu drängen, nimmt mittlerweile beinahe absurde Formen an. Selbst wenn sie Fertigungsstätten innerhalb der EU betreiben, zwingt man sie zur Einhaltung der Mindestpreise. Die Begründung der EU-Beamten dafür ist, man könne nicht unterscheiden, ob die im Markt auftauchenden Module nun aus chinesischer oder europäischer Produktion kommen, solange sie ähnliche Spezifikationen und das gleiche Markenzeichen besitzen. Die Konsequenz daraus ist eine Schließung der Fertigungsstätten aufgrund fehlender Attraktivität der Produkte, sowie ein vollständiger Rückzug aus der EU-Zone. So gehen erst recht Arbeitsplätze verloren!

Dass sich an diesem Trend nun kurzfristig etwas ändert, ist angesichts der Ankündigung von weiteren Untersuchungen seitens der EU-Kommission, dieses Mal in Richtung von Importen aus Taiwan und Malaysia, nicht zu erwarten – im Gegenteil. Weniger Auswahl, längere Wartezeiten, höhere Preise – das wird die traurige Bilanz der kommenden Monate sein, womit eine dringend benötigte allgemeine Marktbelebung in Europa weitestgehend ausgeschlossen sein dürfte. Allein aus Großbritannien sind nach wie vor positive Meldungen zu vernehmen – es gab wieder mehr als 1,6 Gigawatt Leistungskapazität Zubau im ersten Quartal 2015. Um jedoch in Gesamteuropa zu einem fairen Wettbewerb und dadurch zu einer erfreulichen Entwicklung zurückkehren zu können, muss der vermeintliche Protektionismus durch Marktbeschränkungen aufgegeben werden. Der Schuss ist nach hinten losgegangen.



Hinweise zur Darstellung:

1. Es werden nur Netto-Preise für Photovoltaik-Module angezeigt.
2. Die Preise sind keine Endkundenpreise. Für eine durchschnittliche schlüsselfertige Solaranlage muss der Wert in Deutschland etwa mit dem Faktor 2 - 3 multipliziert werden.
3. Die Preise stellen die durchschnittlichen Angebotspreise auf dem europäischen Spotmarkt dar (verzollte Ware).

Erläuterung zur Grafik:

Die bunten Pfeile veranschaulichen die Entwicklung, der Bezug zum Vormonat oder zum Anfang des Jahr es verdeutlicht auftretende Schwankungen auf dem Markt. Das Barometer zeigt ausschließlich die Nettopreise pro Watt-Leistung für den gewerblichen Handel mit Photovoltaik-Modulen, Endkundenpreise werden nicht genannt. Als Faustregel gilt dennoch: Für eine durchschnittliche schlüsselfertige Solaranlage mit kristallinen Modulen muss der Wert in Deutschland etwa mit 1,8 multipliziert werden. Das Barometer zeigt immer den arithmetischen Mittelwert eines gesamten Monats für Module einer Technologie sowie der Herstellerregion an.

Die Angaben für Europa enthalten nach Angaben von pvXchange fast ausschließlich die Module von deutschen Firmen. Die wenigen spanischen, italienischen und skandinavischen Angebote seien statistisch nicht mehr relevant. Daher sei das Barometer zum 1. Januar 2011 entsprechend angepasst worden. Japan und China sind zwei weitere wichtige Herstellernationen. Sie werden getrennt aufgezählt, da die PV-Preise der beiden asiatischen Länder in der Regel in Europa sehr unterschiedlich sind. Wie pvXchange erläutert, werden die Daten nicht über Hochrechnungen oder Umfragen erhoben. Die Preise würden stattdessen hunderte von realen Angeboten widerspiegeln, die jeden Monat auf dem internationalen Spotmarkt für Photovoltaik-Module, pvXchange, veröffentlicht werden. Zur möglichst exakten Darstellung der Preisstruktur eines Monats würden nur die Offerten hinzugezogen, bei dem die Module in dem entsprechenden Monat ausgeliefert werden. Die Preise würden sich zudem nur auf gehandelte Modulkontingente zwischen 5 und max. 999 kWp beziehen, da größere Abnahme-Mengen die Preise für gebräuchliche Anlagen verfälschen.

Bis September 2013 erfasste der Preisbarometer auch ähnliche Dünnschicht-Solarmodule. Dabei waren ähnliche Technologien zusammengefasst dargestellt. Die Preiserhebung für Dünnschichtmodule wurde jedoch eingestellt. Mangels verfügbarer Produkte ist eine repräsentative Erhebung für pvXchange in diesem Bereich nicht mehr möglich. Um der Entwicklung am asiatischen Markt gerecht zu werden, hat pvXchange einen neuen Preispunkt mit dem Titel „Südostasien“ eingeführt. Dazu zählen unter anderem Thailand, Indonesien und - geografisch gesehen nicht ganz korrekt - Indien. Aus wirtschaftlicher Sicht macht die Umstellung laut pvXchange Sinn. Denn den für diese Gruppe angegebenen durchschnittlichen Marktpreis kann man pvXchange zufolge für chinesische Module ansetzen, die nicht in die EU eingeführt werden müssen – er bildet also den Weltmarktpreis für asiatische Ware allgemein ab. Die bisherige Preiskurve für chinesische Module wird repräsentativ für EU-Importe weitergeführt.
Die Daten werden mit freundlicher Unterstützung von pvXchange zur Verfügung gestellt. pvXchange wurde 2004 gegründet und ist eigenen Angaben zufolge der weltweit größte markenunabhängige Marktplatz für Solarmodule und Wechselrichter im Geschäftskundenbereich.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x