10.09.08 Fonds / ETF

Minen in nachhaltigen Depots?

Opfer der Minen sind in der Regel Zivilisten, jedes fünfte Mal ist es ein Kind, das getötet oder verstümmelt wird. Nicht nur in Kriegsgebieten, sondern auch in Regionen, in denen seit Jahren wieder Frieden herrscht. Denn die heimtückischen Waffen, zu zehntausenden verstreut, sind auch nach langer Zeit noch aktiv. Während die Panzer weiterziehen, bleiben die Minen liegen. Selbst wenn ab sofort keine Mine mehr eingesetzt würde, würde es Jahrzehnte dauern, bis alle unschädlich wären.

Seltsame Schurkenstaaten

Seit etwa zehn Jahren gilt das so genannte Ottawa-Abkommen zum Verbot von Antipersonen-Minen. Es geht zurück auf die Initiative der „Internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen“, die 1997 den Friedensnobelpreis erhielt. Die damit verbundene Öffentlichkeitswirkung war mit ein Grund dafür, dass bislang über 150 Staaten das Ottawa-Abkommen ratifizierten. Aber wichtige Staaten wie die USA, China und Russland blieben bisher ebenso außen vor wie europäische Länder wie Polen und Finnland. Anleihen - also Rentenpapiere - dieser Länder finden sich in Fonds, die als nachhaltig gelten. Das Ottawa-Abkommen ächtet allerdings nicht alle Landminen. So fallen Anti-Fahrzeug-Minen nicht darunter; absurde Begründung: Sie seien nicht explizit auf Personen ausgerichtet. Als ob Fahrzeuge im Krieg leer fahren könnten.

Nachhaltiges Geld in Rüstungsfirmen?

Immer noch können sich Militärs aus aller Welt mit Landminen eindecken. Hersteller von Minen und Minenkomponenten sind laut dem Aktionsbündnis Landmine etwa Honeywell Inc., Dynamit Nobel und die Junghans Feinwerktechnik GmbH.

Fließt auch Geld aus Nachhaltigkeitsfonds in die Unternehmen, die Landminen oder deren Bauteile herstellen? Die Frankfurter tumeco communications & consulting hat im Sommer 2007 nachhaltige Fonds analysiert und ihre Studie dazu kürzlich aktualisiert. Denis Tumbült von tumeco erläutert, nur ein einziger in Deutschland zum Vertrieb zugelassener Nachhaltigkeitsfonds weise das spezielle Ausschlusskriterium "Landminen" auf: der Dexia Sustainable Euro Corporate Bonds der belgischen Investmentgesellschaft Dexia Asset Management. Der Fonds investiert vor allem in Unternehmensanleihen. Tumbült verweist aber darauf, dass etwa 100 nachhaltige Fonds in Deutschland das Ausschlusskriterium "Rüstung bzw. Waffenproduktion" anwendeten. Diese Fonds würden nicht in die Produzenten von Landminen investieren.

„Selbst bei „der konsequenten Anwendung des Ausschlusskriteriums können Anleger nicht gänzlich ausschließen, über nachhaltige Fonds indirekt in die Produzenten von Landminen oder Minentechnologie zu investieren“, sagt Tumbült. So könnten laut Tumbült etwa Nachhaltigkeitsfonds in Unternehmen investiert sein, die zwar für sich selbst nachhaltige Kriterien erfüllen. Das könnten beispielsweise Finanzdienstleister wie Versicherungen oder Banken sein. Diese haben teilweise konventionelle Aktienfonds aufgelegt. Sie betreiben auch Vermögensverwaltung. Beide wiederum können auch Aktien von Unternehmen der Rüstungsbranche im Portfolio haben. Diese könnten Anteile an Landminen- oder Minentechnologieproduzenten besitzen.

Aus reinen Performance-Gesichtspunkten sei das bei herkömmlichen Fonds nachvollziehbar, so Tumbült. Denn ironischerweise gelten Rüstungsunternehmen ähnlich wie Versorgungs- oder Gesundheitsaktien als „defensives Investment“.
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