Nahe der Schwarzwaldgemeinde Gersbach entsteht der höchste und südlichst gelegene Windpark Deutschlands. Ein Werk der Stromrebellen. / Foto: EWS, © Erich Meyer

22.11.17 Anleihen / AIF

Mit Nachhaltigkeitspionier 3,5 Prozent Dividende erreichen

Sie sitzen in einem sonnenreichen Tal, an den Bergen rings umher Wald und Weiden. Idylle. Hier sind die Stromrebellen zu Hause. Warum sind diese Rebellen so erfolgreich, dass ihr Unternehmen reihenweise Preise einheimst? Weil sie wussten, was sein muss - früher als andere.

Die "Stromrebellen aus dem Schwarzwald" haben eine lange Geschichte. Die Einwohner der kleinen Stadt Schönau gründeten nach der Tschernobyl-Katastrophe die Netzkauf Elektrizitätswerke Schönau eG und übernahmen 1997 das Stromnetz in ihrem Ort. Heute bietet die EWS bundesweit Grünstrom und grünes Gas an und betreibt eigene Erneuerbare-Energien-Kraftwerke.

Aktuell ist die EWS Elektrizitätswerke Schönau eG mit über 5.000 Mitgliedern die größte Energiegenossenschaft Baden-Württembergs. "Als genossenschaftlicher Energieversorger sind wir überzeugt, dass Klimaschutz und Energiewende nur gelingen können, wenn möglichst viele Menschen daran teilhaben und aktiv mitgestalten können", sagt Sebastian Sladek, Vorstand der EWS.

Mitglied werden und Energiewende unterstützen

Eine Mitgliedschaft ist bei der EWS bereits ab einer Zeichnung von fünf Anteilen zu je 100 Euro möglich. Es können derzeit bis zu zehn Anteile gezeichnet werden. Mit ihren Tochter- und Beteiligungsunternehmen setzt sich die Genossenschaft für eine vollständige und effiziente Energieversorgung auf Basis Erneuerbarer Energien ein.

"Bei den EWS werden die Anteile verzinst", erklärte Sebastian Sladek gegenüber ECOreporter.de. Im Gegensatz zu Aktiengesellschaften gehört es bei Genossenschaften zu den souveränen Rechten der Generalversammlung, über die Ausschüttung zu entscheiden. "In den vergangenen Jahren ist die Generalversammlung aber immer dem Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat gefolgt und hat für eine Ausschüttung von 3,5 Prozent gestimmt", so Sladek.

Niedriger Stromverbrauch der EWS-Kunden

Zum Jahresbeginn 2018 führen die EWS außerdem einen ermäßigten Stromtarif für ihre Mitglieder ein. Im Mitgliedertarif ist der Grundpreis im Stromtarif um einen Euro brutto pro Monat gesenkt und beträgt 7,95 anstelle 8,95 Euro für Nicht-Mitglieder. Der Verbrauchspreis liegt bei 25,95 Cent pro Kilowattstunde (kWh). 

EWS-Kunden verbrauchen im Durchschnitt etwa 2.330 kWh pro Jahr - der durchschnittliche Stromverbrauch eines Musterhaushalts beträgt circa 3.500 kWh pro Jahr. Auf ihren niedrigen Verbrauch können die EWS-Kunden stolz sein - sie gehören damit zu den sparsamsten Stromkunden in Deutschland.

Ein Blick in die Geschäftszahlen

Die Anzahl der Genossenschaftsmitglieder belief sich zum Jahreswechsel auf 5.135, heißt es im Geschäftsbericht der EWS. Diese Mitglieder hielten Ende 2016 insgesamt 385.486 Geschäftsanteile, das entspreche einem Geschäftsguthaben von rund 38,55 Millionen Euro. Damit wuchs die Genossenschaft in 2016 um 340 Köpfe und 12.532 Anteile.

Zum  Jahreswechsel bezogen mehr als 164.000 Kunden bei der EWS ihren Strom - das ist ein Plus von rund 4.200 gegenüber dem Vorjahr. "Damit blieb der Zuwachs hinter dem vergangener Jahre zurück, kann aber angesichts einer zunehmenden politisch-medialen Diffamierung der Energiewende, eines überaus harten Verdrängungswettbewerbs und einer weiterhin hohen Anzahl an Neugründungen von Energievertrieben als zufriedenstellend betrachtet werden", heißt es im Geschäftsbericht.

"Die Erzeuger des von uns gekauften Stroms haben keine Kapitalbeteiligungen von Kohle- und/oder Atomkraftwerksbetreibern oder deren Tochterunternehmen, und der Strom stammt mindestens zu 70 Prozent aus Neuanlagen", so die EWS. Die Einhaltung dieser beiden Kriterien, die jährlich durch den TÜV Nord überprüft werde, könne durch den deutschen Erzeugermarkt nicht gewährleistet werden. Weder könne Strom aus Neuanlagen beschafft werden - deutsche Neuanlagen werden in der Regel über das Erneuerbare-Energien-Gesetz vergütet -, noch seien ausreichend Kapazitäten im Eigentum unabhängiger Betreiber vorhanden.

Grünstrom aus Skandinavien

Beides sei jedoch für den skandinavischen Erzeugermarkt gegeben. Entsprechend erfolgte wie in den Vorjahren auch im Jahr 2016 der Strombezug aus Laufwasserkraftwerken oder Kraftwerken mit Naturspeichern in Skandinavien. Zudem habe die EWS weitere Beschaffungskanäle in Deutschland und Österreich erschlossen, die ihren strengen Beschaffungskriterien entsprechen. Im Geschäftsjahr 2016 enthielt der Strommix etwa 40 Millionen kWh Windstrom aus Deutschland und Österreich.

Bei den skandinavischen Kraftwerken handelte es sich zum Großteil um Neuanlagen, die zum Startteitpunkt der Belieferung nicht älter als sechs Jahre und entsprechend effizient sind. So werde das Stromprodukt mit einem echten ökologischen Zusatznutzen versehen, hieß es. Mit einem garantierten Anteil von Neuanlagen - der bereits in der Vergangenheit immer wieder teils deutlich übertroffen wurde - habe die EWS einen Neuanlagenanteil in ihrem Stommix, der wesentlich höher sei als bei anderen Anbietern.

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