22.02.12 Fonds / ETF

Mit Nachhaltigkeitsstrategien durch die Krise? - wie Anbieter von Nachhaltigkeitsfonds deren schwache Jahresbilanz erklären

Das vergangene Jahr war kein gutes für nachhaltige Investmentfonds. Viele von ihnen verloren zweistellig an Wert, das Gesamtvolumen ging um satte zwölf Prozent zurück. Nicht wenige Produkte wurden vom Markt genommen (wir Opens external link in new windowberichteten). Was sagen die Anbieter dazu? Wie erklären sie diese Entwicklung, wird der Negativtrend nach ihrer Einschätzung anhalten, was spricht für eine Aufwärtsbewegung? ECOreporter.de hat nachgefragt und nennt die Nachhaltigkeitsfonds, die 2011 die beste Wertentwicklung gezeigt haben.

„Die nachhaltigen Investmentfonds haben nur kurzzeitig von Fukushima und der Debatte um die Energiewende in Deutschland profitiert, das war ein Strohfeuer“, sagt Markus Güntner, Nachhaltigkeitsexperte der Swisscanto Asset Management AG aus Zürich. Danach habe die Euro-Schuldenkrise die Entwicklung der Nachhaltigkeitsfonds überschattet. Auf breiter Front seien die Aktienkurse eingebrochen und hätten die Wertentwicklung auch der nachhaltigen Fonds verhagelt. Der Preisverfall bei den Beteiligungen habe letztlich auch zu dem Verfall des Volumens nachhaltiger Fonds geführt, so Güntner, nicht etwa ein Mittelabfluss. Die Anleger seien den nachhaltigen Fonds treu und die Anzahl der Fondsanteile im Wesentlichen konstant geblieben.

„Der Trend an den Kapitalmärkten bestimmt auch die Entwicklung der nachhaltigen Investmentfonds“, stellt auch Gerhard Tometschek fest, Mitglied der Geschäftsführung beim Bankhaus Schelhammer & Schattera aus Wien. In Deutschland sind mehrere Nachhaltigkeitsfonds der Österreicher auf dem Markt (Opens external link in new windowhier gelangen Sie zu einem Beitrag von ECOreporter.de, der einen nachhaltigen Mischfonds des Unternehmens näher vorstellt). „Kurzfristig werden nachhaltige Investmentfonds die gleiche Reaktion auf Entwicklungen an den Kapitalmärkten aufweisen wie ihre konventionellen Pendants“, so Tometschek weiter.

Ein weiteres Problem ist, dass der immer noch recht junge Markt der nachhaltigen Investmentfonds stark auf Aktien ausgerichtet ist, da sich die Nachhaltigkeitsanalyse von staatlichen Rentenpapieren erst in den letzten Jahren etabliert hat. „Etwa 60 Prozent des Gesamtvolumens der nachhaltigen Investmentfonds dürften auf Aktienbeteiligungen entfallen“, sagt dazu Erol Bilecen von der Bank Sarasin aus Basel. Daher habe sich der Abschwung an den Aktienmärkten im Segment der Nachhaltigkeitsfonds deutlich niedergeschlagen.

Bildhinweis: Erol Bilecen / Quelle: Bank Sarasin

In der Tat zeigten 2011 nur wenige Aktienfonds eine positive Wertentwicklung. Obwohl diese Produkte – reine Aktienfonds,  börsennotierte Indexfonds (englisch: Exchange Traded Funds, kurz ETF) und Erneuerbare-Energien-Aktienfonds – weit mehr als die Hälfte aller Nachhaltigkeitsfonds stellen, erwirtschaftete lediglich ein Dutzend davon ein Plus. Mit dem DnB NOR ECO Absolute Return schaffte nur ein Aktienfonds einen zweistelligen Wertzuwachs. Das gelang diesem Erneuerbare-Energien-Aktienfonds vor allem durch den starken Anlagefokus auf Investments in US-Aktien (mehr zu dem Fonds erfahren Sie Opens external link in new windowhier). Denn während die Aktien in Europa, bedingt die Euro-Schuldenkrise, auf breiter Front nachgaben und der deutsche DAX zum Beispiel im Jahresverlauf über 16 Prozent verlor, ging es für die US-amerikanische Anteilsscheine insgesamt aufwärts. So schloss der Dow Jones im Jahr 2011 mit sechs Prozent im Plus ab.

Auch auf die nachhaltigen Rentenfonds wirkte sich die Euro-Krise belastend aus. Die konnten zwar in 2011 überwiegend an Wert zulegen, doch meist nur in geringem Umfang. An der Spitze lag mit einem Plus von über neun Prozent ein Fonds, der ausschließlich in kanadische Anleihen investiert und somit nicht von der Euro-Krise betroffen ist (mehr zu diesem Fonds erfahren Sie Opens external link in new windowhier ). Immerhin: von den knapp 50 Nachhaltigkeitsfonds, die 2011 einen Wertzuwachs erzielten, handelte es sich bei der Hälfte um die nachhaltigen Rentenfonds. Sie stellen auch die meisten Nachhaltigkeitsfonds, die in 2011 die beste Wertentwicklung gezeigt haben (siehe Tabelle unten). Im Hinblick auf das Gesamtvolumen der nachhaltigen Fonds haben sie jedoch aufgrund ihres meist eher geringen Volumens deutlich weniger Auswirkung als die nachhaltigen Aktienfonds.

Die zehn besten Nachhaltigkeitsfonds im Gesamtjahr 2011


Name

ISIN

Fondsart

Entwicklung
in 2011
in %

 

DnB NOR ECO Absolute Return

LU0547714286

Aktienfonds

17,42

 

KBC RENTA CANARENTA

LU0054025654

Rentenfonds

9,32

 

Dexia Sustainable North America

BE0173901779

Aktienfonds

8,69

 

LGT Sustainable Impact Global Bond Fund (EUR) B

LI0106892909

Rentenfonds

8,48

 

Postbank Dynamik Klima Garant                    

LU0279145436

Garantiefonds

7,69

 

Dexia Sustainable World Bonds

BE0945478197

Rentenfonds

7,06

 

Kepler Ethik Rentenfonds

AT0000642632

Rentenfonds

5,14

 

MEAG FairReturn A

DE000A0RFJ25

Mischfonds

4.84

 

Blue Value Ethic Fund

LI0019265276

Rentenfonds

4,41

 

Dexia Bonds Sustainable Euro Government

LU0012089420

Rentenfonds

4,09

 


Gerhard Tometschek vom Bankhaus Schelhammer & Schattera rechnet für die Zukunft mit einer guten Weiterentwicklung nachhaltiger Investmentfonds: „Langfristig werden gesellschaftliche und umweltpolitische Megatrends, wie z.B. der  Klimawandel und die gesellschaftlichen Auswirkungen auf globaler Ebene, Wachstumsantreiber für nachhaltige Investments bleiben und sich dementsprechend positiv auf die Wertentwicklung auswirken“, meint er. Tometschek weiter: „Mit jeder Krise werde der Fokus auf langfristige, nachhaltige Anlagestrategien an Bedeutung gewinnen. Es wird sich in Zukunft noch stärker zeigen, dass die Unternehmen mit einer integrierten Nachhaltigkeitsstrategie besser auf eine sich verändernde Gesellschaft, eine sich verändernde Umwelt und Umweltgesetzgebung und auf die sich abzeichnenden Veränderungen an den Märkten für Rohstoffe und Energie vorbereitet sind.“

Erol Bilecen von der Bank Sarasin aus Basel geht davon aus, dass nachhaltige Anleger bewusst auf diese Anlagestrategien setzen. „Wer in Nachhaltigkeitsfonds investiert, trifft eine grundsätzliche Entscheidung. Solchen Anlegern geht es nicht vorrangig um eine schnelle Rendite. Ihnen ist es wichtig, dass ihr Geld in Anlagen fließt, die mit ihren Überzeugungen in Einklang stehen. Und Ihnen ist bewusst, dass nachhaltige Anlagestrategien auf einen längeren Anlagehorizont ausgerichtet sind, auf sieben Jahre und mehr“, so Bilecen. Ein Fonds, der bei der Titelauswahl auf den effizienten Einsatz von Energie und Ressourcen Wert lege sowie auf soziale Nachhaltigkeit in den Zulieferketten und auf wirksame Antikorruptionsmechanismen, der erziele langfriste Vorteile, etwa durch die Verringerung von Anlagerisiken. Das Verständnis hierfür gehe der Entscheidung für einen Nachhaltigkeitsfonds voraus, so Bilecen weiter.
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