22.02.13 Anleihen / AIF

„Mit unserem nachhaltigen Agrarfonds unterstützen wir kleine und mittelständische Landwirte“ – Wolfgang Wetzel, Nature Capital GmbH


ECOreporter.de: Wir schreiben das Jahr fünf der Finanzkrise. Was hat Sie bewogen, in solchen Zeiten ein neues Emissionshaus zu „grünen Anlagethemen“ ins Leben zu rufen und welche Erfahrungen bringen Sie mit?

Wolfgang Wetzel:
Bis zum Ende des vergangenen Jahres war ich beim Hamburger Emissionshaus Nordcapital tätig. Dort leitete ich als Geschäftsführer sechs Jahre lang die Nordcapital New Energy, also die Sparte für Erneuerbare-Energie-Fonds sowie Agrar- und Forstinvestments. Nordcapital entschied sich gegen Ende des letzen Jahres dazu, vorübergehend aus dem Fondsgeschäft auszusteigen. Daraufhin verließen mein Team und ich das Emissionshaus. Wir wollten die Gelegenheit nutzen, mit Nature Capital ein eigenes international aufgestelltes Finanz- und Emissionshaus für Agrar, Forsten und Erneuerbare Energien aufzustellen. Ich entschied mich gerade in der Zeit der Euro- und Finanzkrise ganz bewusst zu dieser Gründung, weil ich ein Emissionshaus ins Leben rufen wollte, dass nicht einfach nur mit hohen Renditen und Vertriebsmargen lockt. Stattdessen wollen wir Attribute wie Werterhalt, Sicherheit, Seriosität und Langfristigkeit in der Geldanlage verbinden. Um dieser Philosophie gerecht zu werden, planen wir zunächst ausschließlich geschlossene Beteiligungen.
Ich selbst bin seit 1998 im Bereich Erneuerbare Energien aktiv und habe neben Wind- und Solarfonds auch Biomasse- und Forstinvestments erfolgreich realisiert. Wir sind mit einem zehnköpfigen Team gestartet und haben für alle unsere Investmentthemen ausgewiesene Fachleute an Bord.

ECOreporter.de: Sie haben für die Nature Capital GmbH das Ziel ausgegeben, ein Bindeglied zwischen Klimaschutz und Kapitalmarkt zu werden. Was bedeutet das konkret?

Wetzel: Das gilt insofern, als dass Nature Capital es sich zur Aufgabe gemacht hat, Erneuerbare Energien weiter zu verbreiten und somit einen Beitrag zum weltweiten Klimaschutz zu leisten. Im Bereich Agrarinvestments stehen wir den Investoren nicht nur bei der Anlageentscheidung zur Seite, sondern sorgen zugleich dafür, dass die investierten Agrarflächen nachhaltig also sozialverträglich und umweltgerecht bewirtschaftet werden.

ECOreporter.de: Ihr erstes angekündigtes Beteiligungsangebot ist ein Agrarinvestment. Inwiefern setzen Sie dabei branchenspezifische und regionale Schwerpunkte?

Wetzel: Der „Natcap Agrarfonds Deutschland und Nordosteuropa“ in erster Linie in deutsche, aber auch in einige wenige ausgewählte nordosteuropäische Ackerflächen und Agrarbetriebe beispielsweise in Polen und im Baltikum investieren. Dazu haben wir uns in Deutschland und im Baltikum geeignete Flächen gesichert und auch einen ersten Agrarbetrieb mit 100 Hektar Eigenland als Initialportfolio gekauft. Wir planen, dieses landwirtschaftliche Finanzprodukt in drei Varianten auf den Markt zu bringen: erstens als geschlossenen Publikumsfonds, zweitens als Private Placements und drittens als institutionellen Fonds (SICAV-SIF).

ECOreporter.de: Inwiefern spielen sozialethische und ökologische Nachhaltigkeitsaspekte bei diesem Fonds eine Rolle?

Wetzel: Mit Grundbesitz alleine verdient kein Landwirt Geld. Die Bauern wollen und müssen die Böden bewirtschaften, um Geld zu verdienen. Im globalen Wettbewerb wird dies durch steigende Saat-, Dünger- und Dieselpreise immer schwieriger. Dennoch brauchen wir unsere lokalen europäischen Landwirte zur Sicherung unserer bezahlbaren lokalen Nahrungsmittel. Wir wollen kleinen und mittelständischen Landwirten durch die Übernahme der Betriebe oder Ackerflächen das Überleben sicherstellen. Das Kapital soll beispielsweise dazu dienen, in effizientere Landmaschinen zu investieren oder überfällige Modernisierungen durchzuführen. Um die ökologische Nachhaltigkeit der Nature-Capital-Beteiligungsangebote in diesem Bereich sicherzustellen, wollen wir die Pächter unserer Flächen dazu verpflichten, das Land nach den Regeln der ökologischen Landwirtschaft zu bewirtschaften. Öko-Bauern haben klares Vorrecht bei der Pacht von Betrieben und Flächen.

Bildnachweis: Wolfgang Wetzel ist Geschäftsführer und Eigentümer der Nature Capital GmbH aus Aumühle in Schleswig-Holstein. Der 43-jährige Diplomkaufmann und Bundeswehroffizier a.D. ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Bevor er die Nature Capital GmbH gründete, leitete er sechs Jahre lang die New-Energy-Sparte des Hamburger Emissionshauses Nordcapital.
/ Quelle: Unternehmen


ECOreporter.de: Wann soll Ihr erstes Beteiligungsangebot starten und welche Ausschüttungen werden Investoren zu erwarten haben, die sich an Ihrem Agrar-Investment beteiligen?


Wetzel: Starten soll der Fonds Anfang April 2013. Der Fonds wird auf zunächst zwölf Jahre angelegt sein. Danach soll das Ackerflächen- und Betriebsportfolio verkauft werden. Die angestrebte jährliche Auszahlung liegt zwar nur bei rund 2 bis maximal 4 Prozent jährlich, weil deutsche Bauern üblicherweise nur 2,5 bis 4 Prozent Pacht pro Jahr zahlen können. Aufgrund der steigenden Nachfrage nach Ackerland wird sich jedoch sicherlich eine Wertsteigerung der Flächen über die geplante Fondslaufzeit von zwölf Jahren ergeben. Hierbei gehen wir von einer jährlichen Wertsteigerung von rund 3,5 bis 6 Prozent aus. In Summe muss sich unser Fonds sicherlich bei sicherlich hoher Wertstabilität auch hinsichtlich seiner Rentabilität nicht verstecken.

ECOreporter.de: Erneuerbare Energie ist eine Anlageklasse der sich Nature Capital ebenfalls zuwenden will. Inwiefern wollen Sie sich hier auf bestimmte Anlagesegmente konzentrieren?

Wetzel: Als zweites Beteiligungsangebot ist ein Solarfonds geplant. Dieser wird in einen deutschen Solarpark investieren, der bereits gebaut und seit 2011 am Netz ist. Auch bei diesem Projekt profitiert das Team von seiner Erfahrung aus der Vergangenheit. Alle Solarfonds, die unser Team noch für Nordcapital realisierte, wie beispielsweise den Nordcapital-Solarfonds Straßkirchen mit 51 Megawatt, liegen innerhalb ihrer Ertragsprognosen oder in Teilen sogar deutlich darüber. Auch die Themen Wind und Bioenergie sowie Wasser stehen auf unserer Agenda. Zukünftig wird Nature Capital darüber hinaus auch das Thema Waldfonds aufgreifen. Hier blicken wir auf zwei erfolgreich aufgesetzte Waldfonds mit zusammen rund 100 Millionen Euro Volumen zurück, die in Mischwälder in Rumänien investierten.

ECOreporter.de: Die Auflage von Geldanlageprodukten ist das Kerngeschäft der Nature Capital GmbH. Inwiefern es weitere Geschäftsfelder auf denen Sie aktiv werden wollen?

Wetzel: Die Nature Capital GmbH wird neben dem Kerngeschäft mit Fonds auch Investoren und anderen Fondsinitiatoren als Berater und Assetmanager in den Bereichen Erneuerbare-Energien sowie Forst- und Agrarinvestments zur Verfügung stehen. In diesem Zusammenhang bleiben wir insbesondere auch der Nordcapital-Gruppe weiterhin eng verbunden.

ECOreporter.de: Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Wetzel.
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