Die Greenpeace-Grafik zeigt, wie Windgas erzeugt wird / Grafik: Carsten Raffel / Greenpeace Energy eG

  Erneuerbare Energie

Moderne Windgas-Anlage: Greenpeace Energy und Haßfurt starten Testbetrieb des Elektrolyseurs

Es ist eine Technik, die für die Energiewende von großem Nutzen sein kann: Die Städtischen Betriebe Haßfurt und der Hamburger Ökoenergieanbieter Greenpeace Energy haben den Testbetrieb eines neuartigen Windgas-Elektrolyseurs gestart. Es handelt sich um eine hochmoderne Anlage am Mainhafen, die überschüssigen Strom in erneuerbaren Wasserstoff umwandelt. Der Strom kommt unter anderem aus dem nahen Bürgerwindpark Sailershäuser Wald. Pro Jahr soll der containergroße Elektrolyseur eine Million Kilowattstunden des Öko-Gases für 14.000 Kunden von Greenpeace Energy ins Netz einspeisen.

"Die Windgas-Technologie ist ein zentraler Baustein für das Gelingen der Energiewende“, sagt Greenpeace-Energy-Vorstand Nils Müller, "deshalb wollen wir mit den Erkenntnissen aus dem Betrieb unserer Anlage dazu beitragen, dieses Verfahren noch wirtschaftlicher zu machen und ihm so im großen Stil zum Durchbruch zu verhelfen.“

Strom-Überschüsse werden als Wasserstoff gespeichert

Mit Windgas (auch Power-to-Gas genannt) wird Wind- und Sonnenstrom speicherbar: Wenn mehr erneuerbarer Strom produziert als verbraucht wird, kann er dazu verwendet werden, um per Elektrolyse Wasser in Sauerstoff und klimafreundlichen Wasserstoff aufzuspalten. Statt erneuerbare Kraftwerke wie bisher abzuschalten, wenn das Netz deren Energie nicht aufnehmen kann, können die Überschüsse künftig als erneuerbare Gase gespeichert werden – in Form von Wasserstoff oder Methan.

Im Zuge der Energiewende werden die Stromüberschüsse aus Windkraft- und Solaranlagen stark anwachsen, belegen Studien. Mit Windgas lassen sich selbst in einem vollständig erneuerbaren Energiesystem längere windstille und sonnenarme Phasen von bis zu drei Monaten überbrücken. Die notwendige Kapazität für Versorgungssicherheit bei solchen „Dunkelflauten“ bietet in Deutschland einzig die Windgas-Technologie, die das normale Gasnetz samt seinen unterirdischen Lagern als Speicher nutzt. „Nur so lassen sich die deutschen Klimaziele erreichen und zugleich eine sichere Energieversorgung auch bei 100 Prozent Ökostrom realisieren“, betont Nils Müller. „Mit unserem Haßfurter Partner zeigen wir, wie sich dieses Prinzip erfolgreich in die Tat umsetzen lässt.“

Der in der fränkischen 14.000-Einwohner-Stadt eingesetzte 1,25-Megawatt-Elektrolyseur gehört laut Greenpeace zur neuesten Generation: Die reaktionsschnelle PEM-Anlage (PEM = polymer electrolyte membrane) produziere nicht nur Wasserstoff, sondern verhindere auch Ausfälle im lokalen Stromnetz, wo Erzeugung und Verbrauch immer im Gleichgewicht bleiben müssen. Auch dieses "Regelleistungsangebot" wird jetzt am Main erprobt.

Den neuen Elektrolyseur betreiben der Kommunalversorger und der bundesweit aktive Ökoenergieanbieter Greenpeace Energy über die gemeinsame „Windgas Haßfurt GmbH & Co. KG“. Dabei testen die Partner unter anderem, wie hoch der Wasserstoffanteil im Gasnetz sein kann. Technische Regeln beschränken ihn bislang auf fünf Prozent. Die nahe Mälzerei Weyermann erprobt in ihrem firmeneigenen Blockheizkraftwerk nun ein Gasgemisch mit zehn Prozent Wasserstoff und erzeugt daraus Strom und Wärme.

Studien zeigten, dass Windgas unverzichtbar sei, um in Zukunft auch im Verkehrssektor, in der Wärmeversorgung oder in der Chemieindustrie die CO2-Emissionen drastisch zu senken. „Dort hinkt Deutschland den Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen noch weiter hinterher als im Strombereich“, sagt der Greenpeace-Energy-Vorstand.
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