Die MT-Energie ist auf den Bau von Biogasanlagen spezialisert. Dabei will das Unternehmen verstärkt auf das Auslandsgeschäft setzen. / Quelle: Unternehmen

  Anleihen / AIF

MT-Energie GmbH zieht Anleihe-Gläubiger auf ihre Seite – Hoffnung auf Trendwende in 2014?

Die Anleihe-Gläubiger der MT-Energie GmbH sind bereit dazu, auf ihre Sonderkündigungsrechte zu verzichten. Das ist ein Ergebnis der jüngsten Gläubigerversammlung der Zevener Spezialistin für Biogasanlagenbau.

Die Anleger wählten die Beratungsgesellschaft One Square Advisory Services GmbH zur Vertreterin ihrer gemeinsamen Interessen und ermächtigten diese dazu, auf Sonderkündigungsrechte zu verzichten, die in den Anleihebedingungen festgeschrieben sind. Zum einen geht es um das Recht, die Anleihe zu kündigen, wenn die Eigenkapitalquote unter 20 Prozent fällt. Zum anderen um das Kündigungsrecht im Falle eines Kontrollwechsels, also wenn ein externer Investor die MT-Energie GmbH mehrheitlich oder ganz übernimmt. Diese Beschlüsse entsprechen dem vom Unternehmen im Vorfeld vorgeschlagenen Kurs. Sie waren aufgrund von mangelnder Beteiligung bei einer ersten Versammlung erst im zweiten Anlauf zustande gekommen, dann aber von 85 Prozent der anwesenden Anleger getragen worden. Sie verschaffen der MT-Energie GmbH weiteren Spielraum für die laufende Restrukturierung.

Allerdings räumt das Unternehmen den Anleihe-Gläubigern im Gegenzug das Recht auf eine Art Strafgebühr ein. Fällig würde diese Gebühr, wenn das Eigenkapital tatsächlich unter die Marke von 20 Prozent fällt. Kommt es so, soll die darauf folgende Zinsausschüttung ein Prozent höher ausfallen als üblich. Dieser Zuschlag nennt sich Waiver-Fee. In Bankenkreisen ist diese Gebühr schon länger üblich, im Segment der Mittelstandsanleihen ist sie hingegen neu. Das Wertpapier um das es geht, ist mit 8,25 Prozent verzinst und 2017 zur Rückzahlung fällig. Über diese Anleihe (ISIN DE000A1MLRM7)  hat die MT-Energie GmbH insgesamt 13,6 Millionen Euro eingeworben.

Der von Juristen geführte Anlegerschutzverein Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hatte die Anleger im Vorfeld der Abstimmung über das Maßnahmenpaket eindringlich vor dem  Verzicht auf das Kündigungsrecht im Fall der Verletzung der Mindestkapitalquote von 20 Prozent gewarnt. Im Falle einer Insolvenz, so die Argumentation des SdK, seien die Anleihegläubiger mit dem Verzicht schlechter gestellt (ECOreporter.de  berichtete).

Tiefrote vorläufige Zahlen
Die Führung der MT-Energie GmbH geht davon aus, die Restrukturierung aus eigener Kraft zu schaffen. Für einen Verzicht auf das Sonderkündigungsrecht auf Grund eines Kontrollwechsels bestehe derzeit kein Handlungsbedarf, betont das Unternehmen.  Allerdings, könne die Unternehmensführung nicht ausschließen, dass der Aufwand für die Restrukturierung die Eigenkapitalquote vorrübergehend unter die 20-Prozent-Marke bringt.  Laut aktueller vorläufiger Berechnungen kalkuliert der MT-Energie-Konzern 2013 mit 117,6 Millionen Euro Gesamtleistung (darin sind der Umsatz, Bestandsveränderungen und weitere Eigenleistungen zusammengefasst). Das wäre auf Jahressicht ein Rückgang um 41,2 Prozent. Laut dem im Dezember 2013 aufgestellten Sanierungsgutachten geht das Unternehmen für 2013 im Ergebnis vor Steuern und Zinsen von einem Verlust von 16,1 Millionen Euro aus. Das Geschäftsjahr 2012 hatte MT-Energie noch mit 600.000 Euro EBIT-Gewinn beschlossen. Die testierte Bilanz für 2013 werde voraussichtlich Mitte Juni 2014“ veröffentlicht, so die MT-Energie GmbH.

Auslands- uns Servicegeschäft sollen die Wende bringen

Allerdings peilt die Geschäftsführung schon für das laufende Jahr die Rückkehr in die schwarzen Zahlen an. Die Gesamtleistung 2014 soll auf 131 Millionen Euro ansteigen und das EBIT auf 2,9 Millionen Euro klettern. Um das zu schaffen will die MT-Energie GmbH das Auslandsgeschäft im Segment Anlagebau weiter verstärken. Insbesondere in Großbritannien und Frankreich gebe es aktuell eine große Nachfrage nach Biogasanlagen, erklärt das Unternehmen auf Nachfrage von ECOreporter.de.  In der Heimat werde der Fokus indes auf das Servicegeschäft gelegt. „In diesem Bereich haben wir aktuell weit über 1.000 Kunden“, so das Unternehmen.  Das  Geschäftsfeld umfasse neben Wartungs- und Reparaturarbeiten auch die Modernisierung sowie Um- und Nachrüstung bestehender Biogasanlagen in Deutschland, so die  MT-Energie GmbH weiter.

Düstere Prognose für den heimischen Biogasmarkt

Der Fachverband Biogas hat vor dem Hintergrund der anstehenden Novelle des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetzes unlängst Alarm geschlagen: „Die Lage der Biogasbranche in Deutschland ist sehr ernst“, so Dr. Claudius da Costa Gomez, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands. Überdies sei die allgemeine Stimmungslage in der Deutschen Biogasbranche einer aktuellen Umfrage zufolge „sehr  schlecht.“ Derzeit sei damit zu rechnen, dass deutschlandweit in 2014 lediglich 100 neue Biogasanlagen mit zusammen 40 Megawatt Leistungskapazität neu ans Stromnetz angeschlossen werden. Zum Vergleich: 2013 lag die in Deutschland neu installierte Biogasleistung bei mehr als 200 MW, 2012 waren Biogasanlagen mit 340 MW neu in Betrieb gegangen und im Rekordjahr 2011 waren es Biogasanlagen mit 1.270 MW Leistungskapazität. Stand Ende 2013 verfügte Deutschland nach Angaben des Branchenverbands über 3.750 MW Stromproduktionskapazität aus 7.900 Anlagen.
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