30.03.06 ECOanlagecheck

MTV III BioEnergie GmbH&Co. KG baut mit sieben Millionen Euro sieben Biogasanlagen südlich von Bremen - Ein gutes Angebot für Investoren?

In sieben Biogasanlagen auf Bauernhöfen südlich von Bremen soll der geschlossene Fonds MTV III BioEnergie GmbH&Co. KG investieren. Die dezentrale Kraftwerken werden laut den Initiatoren des Fonds aus rund 28.000 Tonnen nachwachsender Rohstoffe Strom und Wärme erzeugen. "Planmäßig" würden in den Anlagen jährlich 12,32 Millionen Kilowattstunden elektrischer Energie gewonnen, so der Emissionsprospekt. Der Ertrag aus dem Stromverkauf belaufe sich auf 2,35 Millionen Euro im Jahr. Anleger können sich ab einer Mindestsumme von 5000 Euro an dem Fonds beteiligen, zuzüglich einem fünfprozentigen Agio. Ob es sich lohnt zu investieren, erfahren Sie in unserem Anlagecheck.

Anbieter des Biogasfonds ist die MTV Capital Invest AG aus Frankfurt am Main. Die prognostizierte Nachsteuerrendite nach dem Internen Zinsfuss liegt nach Angaben der Emittentin bei 7,09 Prozent. Für die Ausschüttungen werden 304 Prozent über die 21-jährige Laufzeit angegeben, das sind 14,5 Prozent pro Jahr. Das Investitionsvolumen beläuft sich laut der Initiatorin bei vollständiger Platzierung des Fonds auf sieben Millionen Euro. 3,4 Millionen Euro Eigenkapital sollen eingeworben werden. Die planmäßige Eigenkapitalquote liegt laut dem Emissionsprospekt bei 48 Prozent.

Erfahrungen im Bereich Biogas kann MTV nicht vorweisen. Der Frankfurter Finanzdienstleister bietet derzeit auf seiner Homepage neben dem Biogasprojekt nur einen britischen Lebensversicherungsfonds (MTV II British Life GmbH & Co.KG) an. Zur Anlagephilosophie heißt es: "Geschlossene Fonds u.a. mit gebrauchten britischen und deutschen Kapital-Lebensversicherungen." Eine Leistungsbilanz findet sich auf der MTV-Homepage nicht. Das Unternehmen wird von den beiden Juristen Uwe Hauck und Horst Harald Vieth geleitet, es besteht seit dem 24. März 2005.


Technische Finessen und Referenzstandorte - kein Soll-Ist-Vergleich
Die Technik und Steuerung für die Biogaskraftwerke liefern dem Prospekt zufolge die Firmen Archea und Eisenmann. Die Eisenmann Maschinenbau GmbH&Co. KG habe ihren Sitz in Böblingen, heißt es; Eisenmann liefere die "Hardware" für das Projekt. Archea aus Hessisch Oldendorf beschäftigt sich den Angaben zufolge mit der Planung und dem Bau von Biogasanlagen. Das Unternehmen habe die "ThermeDes"-Technik entwickelt, mit deren Hilfe sich die Effizienz von Biogasanlagen steigern lasse. Die Referenzliste der Archea umfasst mehr als 20 Biogasanlagen überwiegend im norddeutschen Raum. Es werden jedoch lediglich die Standorte und Leistungsdaten der Kraftwerke aufgeführt, einen Soll-Ist-Vergleich, der die Wirtschaftlichkeit der Anlagen zeigen würde, gibt es nicht.

Auf die Biogasanlagen entfallen laut dem Investitionsplan der Kommanditgesellschaft für das Projekt 5,6 Millionen Euro. Die Firma Eisenmann werde die Anlagen zum Festpreis liefern, so der Emissionsprospekt. Baubeginn sei voraussichtlich der März 2006, fertig werden sollen die Anlagen bis Mai 2006.


Hohe Weichkosten - geringe Auskunftsfreude
Als "Weichkosten" werden die Aufwendungen für ein Projekt bezeichnet, die nicht unmittelbar dem jeweiligen Investitionsvorhaben zugerechnet werden können. Dazu gehören beispielsweise die Kosten für den Vertrieb des Fonds, die Gründungs- und die Finanzierungskosten. Bei dem Angebot der Frankfurter MTV errechnet sich eine Weichkostenquote im Verhältnis zum Eigenkapital in Höhe von cirka 23 Prozent. Das bedeutet: Von 1000 Euro, die ein Investor in den Fonds einzahlt, kommen fast 250 nicht direkt dem Investitionsobjekt zugute. 465.000 Euro kostet allein der Vertrieb der Fondsanteile, die Vertriebskostenquote vom Eigenkapital beträgt nach Berechnung von ECOreporter.de 13,68 Prozent.
ECOreporter.de forderte MTV schriftlich auf, die Berechnungen zur Kostenstruktur des Fonds zu bestätigen. Daniel Kroos, Vertriebs- und Fondsmanager Bioenergie, des Finanzdienstleisters erklärte dazu: "Es wurden Vertraulichkeitsvereinbarungen mit der finanzierenden Bank und dem Vertrieb geschlossen, die es uns verbieten, detaillierte Informationen zu veröffentlichen."

Auch bei Fragen zur Herkunft des Fremdkapitals für den Fonds hält sich MTV bedeckt. Weshalb wurden nicht, wie sonst bei derartigen Vorhaben gang und gebe, KfW-Mittel in Anspruch genommen? "Das Projekt wurde über eine Bank an uns herangetragen, die auch die Finanzierung zur Verfügung stellt. Ein Kredit über die KfW wäre nicht günstiger", so der Sprecher. Um welche Bank es sich handelt, will er nicht verraten.

Und so geht es weiter: Gibt es eine Platzierungsgarantie für den Fonds? Kroos erklärt, dass eine Garantie vorliege, über Einzelheiten sei jedoch "Stillschweigen vereinbart". Was aber ist eine Garantie wert, deren Seriosität der Anleger überhaupt nicht nachvollziehen kann? Welche Rendite erzielen Anleger, die die Möglichkeit zur vorzeitigen Kündigung nach 10 Jahren nutzen, auf die im Emissionsprospekt schon im Vorwort hingewiesen wird? Zitat: "(....) besteht bereits nach überschaubaren zehn Jahren die Möglichkeit der ordentlichen Kündigung". Der Sprecher bezeichnet den vorzeitigen Ausstieg als "wirtschaftlich nicht sinnvoll", dann verlegt er sich aufs Allgemeine: "Das hängt im Wesentlichen von der Leistungsfähigkeit und Einspeisungsvolumen der Bioenergieanlagen ab." Wir haben nachgerechnet: die Rendite nach dem Internen Zinsfuß vor Steuern bei vorzeitiger Kündigung läge bei 5,73 Prozent. Schade, dass MTV uns keine eigene Zahl dazu geliefert hat.


Selbstbedienung ohne Risiko
Die beiden Juristen im Vorstand der MTV AG haben sich etwas einfallen lassen, um ihr Geld entspannt zu verdienen. Per Gesellschaftsvertrag entkoppelten sie die Vergütung, die die MTV für die laufende Verwaltung des Biogasfonds erhält, vom wirtschaftlichen Erfolg des Projekts. Paragraph 14 des Vertrages regelt in Abs. 2, dass der MTV für die Verwaltung eine jährliche Vergütung zusteht. Diese richtet sich jedoch nicht wie in der Branche üblich nach den tatsächlichen Einspeiseerlösen. Sie ist durch den Vertrag an das Gesamtinvestitionsvolumen gebunden (voraussichtlich sieben Millionen Euro). Das setzt sich laut Emissionsprospekt aus dem Kaufpreis der Anlage inklusive aller Nebenkosten, der Liquiditätsreserve und den gesamten Weichkosten zusammen. Als jährliche Vergütung fallen 0,84 Prozent zuzüglich Umsatzsteuer an, wenn der Fonds voll einbezahlt wird, sind das mehr als 50.000 Euro pro Jahr.
Die Initiatorin des Fonds entzieht der Kommanditgesellschaft Kapital, das Risiko tragen die Anleger. In einem schlechten Betriebsjahr kann diese Regelung dazu führen, dass sich die MTV mit ihrer fixierten Vergütung bedient und der Anleger eine reduzierte Ausschüttung erhält, weil die Liquidität nicht ausreicht, um wie prospektiert auszuschütten.


Fazit
Die Beteiligung an der MTV III Bio-Energie GmbH&Co. KG kann nicht empfohlen werden. Neben den für den Anleger unvorteilhaften Regelungen des Gesellschaftsvertrags spricht dafür die Informationspolitik der MTV AG, die das Vertrauen der Anleger nicht verdient hat. Zudem ist die vom Anbieter prognostizierte Nachsteuerrendite nach dem Internen Zinsfuß von 7,09 Prozent für die Kommanditisten bescheiden; ganz im Gegensatz zu den anfallenden Weichkosten und Verwaltungsaufwendungen.



Das Angebot im Überblick (Angaben der Emittentin)

Anbieter des Fonds: MTV Capital Invest AG
Name des Fonds: MTV III Bio-Energie GmbH&Co. KG
Gesamtinvestition: 7 - 9 Millionen Euro
Eigenkapital: 3,4 bis 4,37 Millionen Euro
Mindestbeteiligung der Anleger: 5.000 Euro
Gesellschaftsform: GmbH & Co. KG
Agio: 5 Prozent
Laufzeit: 21 Jahre
Unabhängige Mittelverwendungskontrolle? Ja
Platzierungsgarantie? Ja
Standard IDWE S 4 eingehalten? Ja
Erfahrung des Anbieters im Biogasbereich: Nein
Wie viele Biogasfonds hat der Anbieter bisher angeboten? 0
Haben Gesellschafter eigene Auskunfts-, Einsichts- und Kontrollrechte nach HGB? Ja


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