Das Dekanat München verspekulierte 5,5 Millionen Euro durch Investitionen in Anleihen von mittlerweile insolventen Unternehmen. Die S.A.G. Solarstrom AG (im Bild der Hauptsitz in Freiburg) ist einem amtlichen Bericht zufolge eines dieser Unternehmen. / Quelle: Unternehmen

  Anleihen / AIF

Mysterium gelöst - wie die evangelische Kirche Millionen verspekulierte

Das evangelisch-lutherschen Dekanat München könnte durch Fehlinvestitionen in Anleihen aus den Bereichen Erneuerbare-Energien und Recycling erheblich mehr Geld verlieren als bisher bekannt war. Statt 5,5 Millionen Euro, die bereits als verspekuliert gelten, könnte der Schaden auf bis zu 12,9 Millionen Euro anwachsen. Das geht aus einem Bericht des Rechnungsprüfungsamtes der Bayrischen Landeskirche (EKLKB) hervor, über den die Süddeutsche Zeitung berichtet.


Dass 5,5 Millionen Euro, die das Dekanat in Unternehmensanleihen gesteckt hatte, aufgrund von Firmenpleiten als so gut wie verloren gelten, hatte die mittlerweile suspendierte Stadtdekanin Barbara Kittelberger vor knapp zwei Wochen eingestanden (ECOreporter.de  berichtete). Ihr wird vorgeworfen, die Leitung der FInanzabteilung nicht ausreichend kontrolliert zu haben. Der EKLKB-Bericht fördert nun zu Tage  in welche vier Pleite-Unternehmen das Dekanat insgesamt 5,5 Millionen Euro investiert hatte. Dabei handelt es sich um die S.A.G. Solarstrom AG aus Freiburg (ECOreporter führte jüngst ein   ausführliches Interview mit dem S.A.G.-Vorstand zu Gegenwart und Zukunft des Unternehmens, das im Dezember Insolvenz beantragt hat)  die Meppener Solarsysteme-Spezialistin Solen AG (das Planinsolvenzverfahren der Solen AG startete im Sommer 2013, mehr dazu erfahren Sie  hier), den Müllverwerter FFK Envirornment  GmbH (hier  geht es zum Bericht über die Insolvenz im Oktober 2013) und den Online-Versandhandel Get Goods.

Dem Bericht zufolge verwaltet das Dekanat München insgesamt 32 Millionen Euro. Das EKLKB sei zu dem Ergebnis gekommen, dass weitere 7,4 Millionen Euro ausfallgefärdet sind, weil dieses Geld in „fünf ökologisch arbeitenden Firmen mit unguter Bilanz“ stecke. Welche dies sind, blieb weiter offen. Sollten diese Firmen pleite gehen, würde sich der durch Fehlinvestitionen entstandene Verlust also mehr als verdoppeln. Immerhin sind laut dem Bericht aus Sicht der EKLKB zwei Millionen Euro durch das rechtzeitige Abstoßen von Schrottpapieren gerettet worden. 16 Millionen stufe die EKLKB als „sicher angelegt“ ein und 1,1 Millionen Euro, die in Unternehmen investiert sind, als „derzeit nicht ausfallgefährdet“.


Wurde bei den Investitionen gegen Richtlinien verstoßen?

Zusätzlich brisant: Das Anleihen-Investment des Dekanats München verstieß offenbar gegen die Richtlinien der Finanzverwaltung der  Landeskirche: Die suspendierte Stadtdekanin Barbara Kittelberger soll dem Bericht zufolge erklärt haben, man habe eigentlich den Auftrag erhalten, eine „konservativ-nachhaltige Geldanlage mit zeitnaher Liquidität und höchstmöglicher Sicherheit“ zu tätigen. Zur Maßgabe gehörte demnach auch, dass maximal 28 bis 30 Prozent in Mittelstandsanleihen investiert werden sollten. In einem Radio-Interview habe Kittelberger jedoch eingeräumt, die Quote im Bereich Anleihen mittelständischer Unternehmen habe bei 50 Prozent gelegen.
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