Solarproduktion bei Suntech im chinesischen Wuxi: Die Pleite des einstmals größten Solarkonzerns der Welt hat Anleger viel Geld gekostet. / Quelle: Unternehmen

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Nach dem Strohfeuer – Solaraktien aus China bleiben riskant

Nachdem der Chef der Nationalen Energiebehörde von China das hohe Ausbauziel für Photovoltaik in der Volksrepublik öffentlich bekräftigt hat, haben viele chinesische Solaraktien gestern Kurssprünge gezeigt. Heute allerdings ist bereits wieder Ernüchterung eingekehrt. Der Aufwärtstrend setzte sich nicht fort, etliche Solarwerte aus China wie JA Solar, Trina Solar oder Yingli Green Energy verzeichneten bis zum Mittag sogar wieder Kursverluste. Die Aktie von Yingli aus Boadeng hat in Frankfurt in nur fünf Monaten 50 Prozent auf 2,3 Euro an Wert verloren, auf Jahressicht liegt sie gar 17 Prozent im Minus. Der Anteilsschein von Trina Solar aus Changzhou verbilligte sich in diesem Zeitraum von über 12 auf unter neun Euro, der von JA Solar aus Shanghai von rund acht auf rund sechs Euro.

ECOreporter.de hatte bereits vor drei Wochen darüber  berichtet (Link entfernt), dass der enorme Zubau der chinesischen Solarstromkapazität ins Stocken geraten ist. Im ersten Halbjahr wurden lediglich neue Solarstromanlagen mit einer Gesamtkapazität von drei Gigawatt (GW) ans Netz gebracht. Das entspricht zwar fast der Menge der in Deutschland im Gesamtjahr 2013 aufgestellten Solarstromkapazität. Der chinesische Zubau blieb aber weit unter der offiziellen Zielvorgabe. Denn die liegt für das Gesamtjahr bei mindestens zehn GW und möglichst 14 GW. Zum Vergleich: In 2013 hatte die Volksrepublik einen Zubau von zwölf GW erreicht und damit weltweit unangefochten den Spitzenplatz eingenommen.

In diesem Jahr sollten Photovoltaik-Dachanlagen auf Gewerbeimmobilien mit anvisierten acht GW eigentlich den größten Teil zum Zubau von bis zu 14 GW insgesamt beitragen. Doch in diesem Segment wurden bis zur Jahresmitte weniger als zwei GW neu errichtet. Dies wurde unter anderem mit schlechten Witterungsbedingungen und der oft zu schwachen Statik vieler Gewerbeimmobilien in China begründet, vor allem aber mit einem unzureichenden Kreditangebot für solche Aufdach-Photovoltaikprojekte.

Weitere Kursrückschläge sind wahrscheinlich

Wu Xinxiong, der Chef der Nationalen Energiebehörde, erklärte nun Anfang der Woche auf einer Konferenz in China, dass diese für 2014 mit einem Solarzubau von 13 GW rechne. Das erschien auf den ersten Blick als eine gute Nachricht für die einheimischen Solarhersteller, die bei einer starken Nachfrage aus China ihre Produktion stark auslasten und Aussichten auf eine Verbesserung ihrer Profitabilität haben. Und das macht es plausibel, dass es zu den Kurssprüngen kam. Auf den zweiten Blick jedoch, und die heutige schwache Entwicklung der Solaraktien aus China spiegelt das, haben die Behörden damit erste Abstriche an der Prognose gemacht und noch nichts Konkretes dazu mitgeteilt, mit welchen Maßnahmen sie den erforderlichen Solarboom in der zweiten Jahreshälfte anstoßen wollen. Zumal diese Maßnahmen kaum von einem Tag zum anderen wirken werden, sondern wohl erst im Laufe von Monaten. Es wäre wohl schon ein Erfolg, wenn das Mindestziel von zehn GW erreicht würde. Doch damit würde der Zubau der Solarstromleistung von China zum ersten Mal unter der des Vorjahres liegen. Börsianer reagieren auf solche Entwicklungen sehr empfindlich, weshalb weitere Kursrückschläge sehr wahrscheinlich sind.

Hinzu kommt, dass die Solarhersteller aus China weiter nicht auf eine Erholung der Nachfrage aus Europa hoffen können, wo der Solarzubau seit Jahren stagniert, weil die Politik in einstmals führenden Solarmärkten wie Deutschland, Italien und Spanien die Förderung der Photovoltaik stark zurück gefahren hat. Und in den USA gibt es zwar weiter eine stark steigende Nachfrage für Soalrtechnik. Doch Solarimporte aus China werden hier weiter mit hohen Strafzöllen belegt. Dies weil die US-Regierung die staatliche Unterstützung der chinesischen Soalrhersteller, etwa durch die staatlichen Banken, als Foulspiel im internationalen Wettbewerb betrachtet und obwohl die Welthandelsorganisation diese Praxis kürzlich als nicht ausreichend legitimiert kritisiert hat (hier  erfahren Sie mehr darüber). Und in Japan, dem Solarmarkt mit dem zuletzt nach China und vor den USA zweitstärksten Wachstum weltweit, droht eine Abschwächung der Nachfrage für Solarprodukte aus der Volksrepublik, weil die Regierung in Tokio die Solarförderung immer weiter drosselt und wieder stärker auf Kernkraft setzen will. Die Regierung, die 2012 die festen Einspeisetarife für Solarstrom eingeführt hat, ist schon längst nicht mehr im Amt.

Hohe Schulden als zusätzliches Risiko


Vor allem aber schleppen die börsenotierten Solarkonzerne aus China eine enorme Schuldenlast, die sich teilweise auf Milliarden Dollar summiert. Suntech aus Wuxi, der einstmals größte Solarkonzern der Welt, wurde in 2013 zerschlagen, wohl auch als Warnsignal an andere Hersteller der Volksrepublik, sich nicht zu sehr auf die Geduld der staatlichen Gläubiger zu verlassen. Und mit LDK Solar aus Xinyu steht bereits ein weiterer Großkonzern wegen zu hoher Schulden auf der Kippe. Nur wenige chinesische Solarunternehmen haben wie etwa Trina oder JA Solar in 2014 mit positiven Zwischenbilanzen bewiesen, dass sie inzwischen profitabel arbeiten. Entwickelt sich die Nachfrage in China schwächer als noch zum Jahresbeginn erhofft, dürften viele diesen Beleg weiter schuldig bleiben, andere zurück in die roten Zahlen sinken. Gewinnwarnungen könnten die Folge sein und die Kurse nach unten drücken.

JA Solar Holdings: ISIN US4660902069 / WKN A1J87E
Trina Solar Co. Ltd: ISIN US89628E1047 / WKN A0LF3P
Yingli Green Energy: ISIN US98584B1035 / WKN A0MR90

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