Deutsche Maschinenbauer spielen weltweit eine Schlüsselrolle für die Produktion von Solartechnik. / Quelle: Singulus Technologies AG

17.09.15 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Nachfrageschub beflügelt deutsche Solarausrüster

Die Aussichten für deutsche Solarausrüster hellen sich deutlich auf. Das verbessert die Perspektiven für die Aktien der börsennotierten Hersteller von Komponenten, Maschinen und Anlagen für die Photovoltaik: centrotherm photovoltaics AG, Manz AG, Pfeiffer Vacuum Technology AG und Singulus Technologies AG. Sie alle haben stark unter dem Auftragseinbruch seit 2011 gelitten, der durch hohe Überkapazitäten der Hersteller von Solartechnik ausgelöst worden war. Weil weit mehr Solartechnik produziert als weltweit nachgefragt wurde, investierten die Hersteller nur noch wenig in ihre Produktionsanlagen. Doch nach einer heftigen Marktbereinigung, in der viele Solarhersteller Pleite gingen, erfolgt nun offenbar die Trendwende. Wie der Branchenverband VDMA Photovoltaik-Produktionsmittel mitteilt, erreichte der Auftragseingang der deutschen Solarausrüster im zweiten Quartal erstmals wieder das Niveau von 2011.

Nach Angaben des VDMA Photovoltaik-Produktionsmittel hat sich das Auftragsvolumen im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum fast verdreifacht. Vor allem die Nachfrage von Solarherstellern aus Asien sei stark gewachsen. Sie sei in den vergangenen Quartalen stets rückläufig gewesen und habe im zweiten Quartal 2015 umso deutlicher zugelegt. „Zwar hängt uns die Verschärfung und Ausweitung der US-Schutzzölle auf chinesische und taiwanesische Solarprodukte Mitte letzten Jahres noch immer nach, unsere Kunden haben sich jedoch mittlerweile damit arrangiert. Sie haben in Produktionsverlagerungen und neue Produktionslinien außerhalb der betroffenen Regionen investiert“, erklärt dazu Dr. Peter Fath, Geschäftsführer der RCT Solutions GmbH und Vorsitzender des Vorstands von VDMA Photovoltaik-Produktionsmittel. Dr. Florian Wessendorf, Geschäftsführer von VDMA Photovoltaik-Produktionsmittel, geht davon aus, dass sich der Nachfrageschub fortsetzt: „Führende Hersteller investieren wieder in Technologie und Produktionslösungen. Folgerichtig erwarten wir in den nächsten Monaten einen weiteren Aufwärtstrend“, sagt er. Die Auftragsreichweite der Photovoltaik-Maschinenbauer erreichte Mitte des Jahres laut Erhebungen des Branchenverbandes 2015 6,0 Produktionsmonate und lag damit etwas über der des Gesamt-Maschinenbaus (5,8 Monate). Der VDMA Photovoltaik-Produktionsmittel gehört zum Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Die Aufträge kommen vor allem aus Asien

Die deutschen Solarausrüster sind von der Nachfrage aus dem Ausland extrem abhängig. Die Exportquote der Photovoltaik-Zulieferer aus der Bundesrepublik beziffert deren Branchenverband für das zweite Quartal mit knapp 88 Prozent. Der Anteil der einheimsichen Kunden am Auftragseingang habe sich auf 16 Prozent belaufen. Dafür dominieren die deutschen Photovoltaik-Zulieferer den Weltmarkt, verfügen dort dem VDMA Photovoltaik-Produktionsmittel zufolge über einen Anteil von über 50 Prozent. Hauptabsatzmarkt ist seit Jahren Asien, wo mehr als zwei Drittel der globalen Produktion von Solarkomponenten erfolgt. Wie der Branchenverband mitteilt, haben die deutschen Solarausrüster im zweiten Quartal 46 Prozent des Gesamtumsatzes mit Kunden aus Asien erwirtschaftet. Auf Asien entfallen ihm zufolge auch 41 Prozent des Auftragseinganges. Knapp 31 Prozent der Umsätze im zweiten Quartal wurden in den USA erzielt; von dort stammen 26 Prozent der Neuaufträge. Der Umsatzanteil von Geschäften in Europa inklusive Deutschland belief sich auf 24 Prozent, der Anteil an den Neubestellungen auf 33 Prozent.

Das umsatzstärkste Segment für den deutschen Photovoltaik-Maschinenbau waren im zweiten Quartal 2015 erneut Lieferungen für die Fertigung von Solarzellen mit einem Anteil von 60 Prozent. Mit deutlichem Abstand folgten Anlagen zur Silizium-, Ingot- und Waferfertigung mit 19 Prozent vor Technik für die Dünnschicht-Photovoltaik (13 Prozent). Bestellungen für die Produktion herkömmlicher Solarmodule auf Siliziumbasis machten lediglich acht Prozent aus. Zur Erläuterung: Die Produktion herkömmlicher Solarmodule erfolgt in mehreren Schritten: der Rohstoff Silizium wird in längliche Ingots gebrannt, die man in Wafer schneidet, um daraus Solarzellen zu fertigen und sie dann zu Solarmodulen zu bündeln. Bei den weniger leistungsfähigen Dünnschicht-Solarmodulen muss kein Silizium aufbereitet werden. Es wird lediglich eine Halbleiterschicht, etwa aus Cadmiumtellurid (CdTe), mit einer Glasplatte bedeckt.

Einige börsennotierte Solarausrüster bereits im Aufwind

Den Solarausrüster centrotherm photovoltaics AG aus Blaubeuren hat das verbesserte Marktumfeld schon in der ersten Jahreshälfte 2015 so stark beflügelt, dass ihm die Rückkehr in die Gewinnzone gelang (wir haben darüber  berichtet). Die Aktie hat sich heute bis 10 Uhr um fast fünf Prozent auf 4,2 Prozent verteuert, notiert auf Jahressicht aber noch knapp 30 Prozent im Minus.

Auch die Pfeiffer Vacuum Technology AG hat im August eine starke Zwischenbilanz mit deutlichem Gewinnsprung und erhöhtem Auftragseingang veröffentlicht (hier erfahren Sie mehr). Ihre Aktie befindet sich schon länger auf einem Höhenflug und hat auf Jahressicht bereits um 45 Prozent auf 95,9 Prozent zugelegt.

Die Manz AG aus Reutlingen musste zwar einen Gewinneinbruch im ersten Halbjahr 2015 melden. Doch der Maschinenbauer erklärte dies mit Misserfolgen in anderen Unternehmenssegmenten als dem Solargeschäft. Eine Auftragsstornierung im Bereich Electronics und Auftragsverzögerungen im Geschäftsbereich Energy Storage hatten im die Halbjahresbilanz verhagelt. Der Solar-Bereich steigerte er dagegen im ersten Halbjahr den Umsatz deutlich, von 6,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf rund 10,5 Millionen Euro (wir haben die Meldung von Manz mit der Zwischenbilanz adhoc  veröffentlicht). Aber das Vertrauen der Börsianer in die Manz-Aktie scheint wieder zu steigen. Sie verbesserte sich in dem Monat seit der Zwischenbilanz um sechs Prozent auf 65,6 Euro. Ihr Kurs liegt aber noch rund zehn Prozent niedriger als vor einem Jahr.

Der Anteilsschein der Singulus Technologies AG verharrt mit nur noch 0,63 Euro weiter im Kurskeller. Er hat in den letzten zwölf Monaten rund 62 Prozent an Wert eingebüßt. Immerhin hat das Unternehmen im zweiten Quartal die Umsätze deutlich gesteigert und die Verluste fast halbiert. Doch noch ist offen, ob der Vorstand sein Rettungskonzept mit Erfolg umsetzen kann (lesen Sie dazu unseren  Bericht vom 16. September).

centrotherm photovoltaics AG: ISIN DE000A1TNMM9 / WKN A1TNMM
Manz AG: ISIN DE000A0JQ5U3 / WKN A0JQ5U
Pfeiffer Vacuum (Börsenkürzel PFV, ISIN DE0006916604)
Singulus Techologies AG: ISIN DE0007238909 / WKN 723890
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