Für diesen Solarpark in Cornwall hat hep Capital mit einem Solarfonds Anlegerkapital eingesammelt. / Foto: Unternehmen

29.06.16 Anleihen / AIF

Nachhaltige Direktbeteiligungen: Was bedeutet der Brexit für Investoren von Solar- und Windkraftprojekten in Großbritannien?

Aquila Solar, Energiekontor und hep capital betreiben Solarkraftwerke und Windparks in Großbritannien. Sie haben bei Anlegern Kapital für Ökostromanlagen eingesammelt. Welche Folgen hat der Brexit für diese Unternehmen und ihre Direktbeteiligungen?

ECOreporter hat bei Anbietern von nachhaltigen Direktbeteiligungen nachgefragt, die in Großbritannien aktiv sind. Dazu zählt die hep capital AG aus Heilbronn. Über ihren 2011 aufgelegten Solarfonds „HEP - Solar England 1“ konnten Anleger in einen Solarpark in Cornwall in Südengland investieren. Dieser Fonds läuft noch. Weitere Fonds, die in Projektentwicklungen in Großbritannien investierten, sind laut hep Capital bereits aufgelöst, „mit großem Erfolg für die Anleger“, so das Unternehmen.
 
Wir hatten den Solarfonds „HEP - Solar England 1“ in der Angebotsphase in einem  ECOanlagecheck  ausführlich analysiert. In dem Test wiesen wir auf das Wechselkursrisiko hin. Wir schrieben dazu: „Der Fonds erzielt seine Einnahmen in Britischen Pfund (GBP). Die Darlehen werden aber in Euro aufgenommen. Da auch die Zins- und Tilgungszahlungen in Euro erfolgen, besteht grundsätzlich ein erhebliches Wechselkursänderungsrisiko für den Fonds.“

hep Capital: Anleger des Solarfonds profitierten bislang von günstigen Wechselkursen

Wie hep Capital erläutert, fließen die Ausschüttungen den Anlegern des Solarfonds  direkt in Pfund Sterling oder in Euro zu - je nach gewählter Alternative, in Euro  entsprechend dem aktuellen Umrechnungskurses eine Woche vor der jeweiligen Ausschüttung. Die Anleger des „HEP - Solar England 1“ hätten bisher von dem über lange Zeit zum einen von einem günstigen Wechselkurs profitiert, zum anderen von einer Stromproduktion „über Plan“, so das Unternehmen. Die Energieerzeugung des Solarparks habe „im vergangenen Jahr um elf Prozent über dem angenommenen Wert“ gelegen. Die nächste Ausschüttung für den Fonds erfolge zum 30. September. „Wir gehen auch diesmal von einer attraktiven Ausschüttung für die Anleger aus“, so die hep Capital. Aber: „Zu der Wechselkursentwicklung lassen sich natürlich zum aktuellen Zeitpunkt noch keine Aussagen treffen.“

Energiekontor hat sich gegen Währungsschwankungen abgesichert

Seit die Mehrheitsentscheidung der Briten gegen eine weitere Mitgliedschaft in der EU bekannt wurde, hat das  Britische Pfund stark an Wert verloren. In nicht einmal einer Woche verbilligte es sich gegenüber dem Euro um rund zehn Prozent und auf Jahressicht verlor es rund 15 Prozent an Wert. Seit November 2013 war es nicht mehr so billig. Setzt sich dieser Negativtrend fort, dürfte das auch Unternehmen und Projekte belasten, die selbst in Euro kalkulieren, aber In Großbritannien Ökostromkraftwerke betreiben oder finanziert haben. Denn die Einnahmen daraus werden in Britischen Pfund abgerechnet. Das räumt auch die Energiekontor AG aus Bremen ein.

Windpark von Energiekontor. Das Unternehmen betreibt auch in Großbritannien Windfarmen. / Foto: Energiekontor

Das börsennotierte Unternehmen besitzt und betreibt Windparks in mehreren europäischen Ländern (Sie erfahren mehr über Energiekontor in diesem  Kurzportrait (Link entfernt)). Es hat dafür über StufenzinsAnleihen Kapital bei Anlegern eingeworben (lesen Sie dazu unserem letzten  ECOanlagecheck, der eine Energiekontor-Anleihe analysiert hat). Energiekontor betonte jedoch gegenüber ECOreporter.de, dass man sich gegen Währungsschwankungen abgesichert habe. Daher habe die Brexit-Entscheidung zunächst kaum Auswirkungen auf Energiekontor und ihre Windparks in Großbritannien.

Allerdings bestehe die Gefahr, dass die Kosten für solche Absicherungen ansteigen, wenn künftig der Wert des Britischen Pfund stärker schwanke als bislang. Grundsätzlich könne Energiekontor die Einnahmen durch Windparks in Großbritannien aber weiter gut kalkulieren, so das Unternehmen. Es setze vor allem auf Abnahmeverträge zu Festpreisen für den Strom aus seinen Windparks.

Keine Stellungnahme von Aquila Capital
 
Auch Aquila Capital aus Hamburg ist in Großbritannien aktiv. Sie besitzt einen Solarpark bei Bristol und hat den Windfonds Aquila WindpowerInvest II mit vier Windenergieanlagen in der nordenglischen Grafschaft Cumbria auf den Markt gebracht. Dennoch wollte sich das Unternehmen nicht zu möglichen Auswirkungen des Brexit auf Aquila Capital und ihre Investments äußern.
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