Der Hauptsitz der GLS Bank in Bochum. / Quelle: Unternehmen

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Nachhaltige GLS Bank als Hans Dampf in allen Gassen

Die Bochumer GLS Bank setzt verstärkt darauf, auch im Ausland nachhaltige projekte mit Kapital anzustoßen. So hat das Unternehmen mit Hauptsitz in Bochum jetzt eine Anleihe platziert, mit der Klimaschutzkredite durch Banken in Südosteuropa und in der Kaukasusregion finanziert werden. Die Zeichnungsfrist für das Investmentangebot mit dem Titel „Green For Growth Fund Southeast Europe“ endete nach Angaben der GLS Bank am 11. März 2015. Diese Anleihe wurde nur Institutionellen Investoren angeboten, so genannten „Well Informed Investors“. Sie konnten diese Inhaberschuldverschreibung ab 200.000 Euro zeichnen. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre, der Zinssatz liegt bei 1,8Prozent plus 6-Monats-EURIBOR.

Der Green For Growth Fund Southeast Europe ist eine öffentlich-private Partnerschaft, die 2009 von der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) und der Europäischen Investitionsbank initiiert wurde. Seither konnte der Fonds eine Vielzahl unterschiedlicher öffentlicher Geber und privater Investoren gewinnen. Private Investitionen wie die der GLS Bank ermöglichen es ihm, seine Wirkung zu erhöhen. Wie Thomas Goldfuß erläutert, Leiter des GLS Vermögensmanagements, ermöglicht die Anleihe die Ausgabe von Krediten an Privathaushalte in den genannten Regionen, damit diese Kapital etwa für Wärmedämmung erhalten, oder an Unternehmen, damit diese etwa Energieeffizienz und in Erneuerbare Energien-Projekte für investieren können. Bedingung sei, dass jede einzelne der finanzierten Maßnahmen mindestens 20 Prozent CO2-Reduktion bzw. 20 Prozent Energieeinsparung erbringen muss.

Fonds soll nachhaltige Banken stärken


Ebenfalls nur für Institutionelle Investoren kommt der Einstieg beim Sustainability | Finance | Real Economies Fonds (SFRE, „Saphir“) in Frage. Dieser Fonds stellt nachhaltigkeitsorientierten Finanzinstitutionen langfristiges Eigenkapital zur Verfügung. Hierbei handelt es sich um ein Investitionsinstrument der Global Alliance for Banking on Values (GABV), einer internationalen Vereinigung nachhaltiger Banken, zu denen auch die GLS Bank gehört. Die GABV-Mitglieder bedienen nach Angaben der GLS Bank weltweit 20 Millionen Kunden und verwalten ein Gesamtvermögen von bis zu 100 Milliarden US-Dollar. Laut GLS Vorstandssprecher und GABV Vorstand Thomas Jorberg gibt es etwa 2.000 Banken mit nachhaltiger Ausrichtung. Der Saphir trage dazu bei, deren Arbeit langfristig zu stärken. Zudem solle dieser Fonds Investoren wie etwa Stiftungen die Möglichkeit eröffnen, auch in nichtbörsennotierte nachhaltige Finanzinstitute zu investieren.

Harsche Kritik am geplanten Kleinanlegerschutzgesetz

Daneben nahm die GLS Bank jetzt auch Stellung zum geplanten Kleinanlegerschutzgesetz - auf Einladung des Finanzausschusses des Deutschen Bundestages. Mit dem Kleinanlegerschutzgesetz will die Bundesregierung den Schutz von Kleinanlegern verbessern. ECOreporter.de hat über den Entwurf des Gesetzes  berichtet  und über die möglichen negativen Auswirkungen auf Bürgerenergieprojekte. „Falls der vorgelegte Entwurf eines Kleinanlegerschutzgesetzes Gesetzeskraft erlangt, wird die Bürgerbeteiligung an sozialen und ökologischen Vorhaben im Kern gefährdet und in weiten Teilen nahezu unmöglich gemacht. Entwicklungen wie die Energiewende, die zunächst maßgeblich durch Bürger getragen wurde, wären dann alleine von Großinvestoren abhängig“, stellte dazu jetzt die GLS Bank fest. Der Entwurf habe bevormundende Ansätze und unterstelle, dass alle Anleger vor sich selbst beschützt werden müssen. „Das würde für soziale und ökologische Initiativen den Zugang  zu Kapital noch weiter erschweren und diese damit substanziell gefährden“, stellt die Bank in ihrer Stellungnahme klar.  Sollte das Kleinanlegerschutzgesetz dennoch weiter verfolgt werden, schlägt die GLS Bank vor, zumindest Mitgliedsorganisationen davon  auszunehmen.
Die GLS Bank kritisiert „den Ansatz des kollektiven Verbraucherschutzes, durch den der Anschein entsteht, dass Finanzangebote  sicher seien, wenn diese der Finanzaufsicht unterliegen“. Dies sei aber nicht der Fall, wie etwa das Beispiel möglicher Kursverluste an den beaufsichtigten Wertpapierbörsen zeige. „Die Erfahrung der GLS Bank dagegen ist, dass Urteilsvermögen, Vertrauen und Verantwortung entstehen, insofern Menschen als mündig  angesprochen werden. Das bewusste Bereitstellen von Risikokapital ist dabei immer wieder eine wichtige Basis für gesellschaftliche Entwicklung.  Das staatliche Handeln sollte entsprechend die Partizipation und Aufklärung stärken. Der aktuelle Entwurf hingegen stellt die Mündigkeit der Anleger in  Frage und damit auch die Grundlagen unserer demokratisch verfassten Gesellschaften".  

Per Mausklick gelangen Sie zu einem  Kurzportrait der GLS Bank (Link entfernt).
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