14.10.09 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Nachhaltige Investments in Australien – ein Markt für Entdecker



In Sachen Nachhaltigkeit hat der „fünfte Kontinent“ großen Nachholbedarf. Pro Kopf der Bevölkerung wird fast nirgends so viel Treibhausgas CO2 verursacht wie in Australien. In den elf Jahren unter der Regierung des Konservativen John Howard war die Wirtschaftspolitik stark auf die Kohleindustrie ausgerichtet. Selbst Labour-Chef Kevin Rudd, der Howard Ende 2007 ablöste und eine ehrgeizige Klimaschutz-Politik ankündigte, tut sich mit deren Umsetzung schwer. Zwar hat er schnell das Klimaschutzprotokoll von Kyoto unterschrieben, doch konkreten Maßnahmen stellt sich die mächtige Lobby der Energie- und Bergbaubranchen entgegen.

„Das Land ist wirtschaftlich stark abhängig vom Export seiner Rohstoffe“, erläutert John O’Brian, Geschäftsführer der auf Nachhaltiges Investment spezialisierten AusCleanTech, gegenüber ECOreporter.de.  Doch es gebe deutliche Hinweise darauf, dass sich etwas bewege. „Die öffentliche Meinung ist für mehr Klimaschutz“, so O’Brian. Zudem entdecke auch die australische Wirtschaft zunehmend die Vorteile, die Ressourcenschonung, Ökoeffizienz und Umwelttechnologien eröffnen.

So investiert zum Beispiel das Erdgasunternehmen Origin Energy, dessen Aktie zu den größten Titeln ASX zählt, dem australischen Pendant zum deutschen DAX, verstärkt in Erneuerbare Energie. Dazu zählt etwa ein 2009 ans Netz gebrachter Windpark mit 30 Megawatt (MW) Leistung in Cullerin Range. Über eine Tochtergesellschaft verfügt Origin Energy zudem über Wasser- und Geothermiekraftwerke im benachbarten Neuseeland.

Viele australische Unternehmen reagieren mittlerweile darauf, dass Investoren verstärkt auf Nachhaltigkeitsaspekte Acht geben. Ein Beispiel dafür ist der australische Eisenerzproduzent Fortescue, per se gewiss kein Nachhaltigkeitsunternehmen. Es bemüht sich aber mittlerweile nach eigenen Angaben darum, die Umweltschäden bei seinen Bergbauunternehmungen zu minimieren. Und es streicht sein soziales Engagement heraus. Denn gezielt werden laut Fortescue Aborigines ausgebildet und bei dem Unternehmen beschäftigt. Damit wolle man die stark von Arbeitslosigkeit betroffene Bevölkerungsgruppe unterstützen. Den Erfolg solcher Maßnahmen kann man aus der Ferne schwer beurteilen, doch spricht es Bände, dass der Eisenerzproduzent sich um ein nachhaltigeres Erscheinungsbild bemüht.

Aber in Australien gibt es auch viele Unternehmen, deren Aktien bereits eindeutig als Nachhaltigkeitswerte einzustufen sind. So etwa die ebenfalls börsennotierte Recycling-Spezialistin CMA Corporation Limited. Sie verfügt über 18 Produktionsstätten in Australien, 4 in Neuseeland und weitere 9 in asiatischen Staaten wie etwa Malaysia und in den USA. Dabei verfügt sie nach eigenen Angaben über besondere Qualifikationen in der Wiederaufbereitung von Metallen wie Silber, Zink und Amalgam.

Die neue australische Regierung hat das Ziel ausgegeben, bis 2020 den Anteil der regenerativen Energie an der Energieversorgung auf 20 Prozent zu vervielfachen. Sie will vor allem die einheimische Photovoltaik unterstützen und hat vor wenigen Monaten angekündigt, mit 1,6 Milliarden Australischen Dollar die Finanzierung von großen Solarparks unterstützen. Das sind umgerechnet rund 980 Millionen Euro. Viele Solarunternehmen aus dem Ausland haben sich bereits mit Tochtergesellschaften „down under“ niedergelassen. Dazu zählt unter anderem die Phoenix Solar AG aus dem bayrischen Sulzemoos. Deren Tochter Phoenix Solar mit Sitz in Adelaide im Bundesstaat South Australia soll das Geschäftsmodell der Muttergesellschaft mit den Geschäftssegmenten Kraftwerke sowie Fachgroßhandel für Solarsysteme, Solarmodule und Komponenten in Australien aufzubauen. Per Opens external link in new windowMausklick gelangen Sie zu dem Beitrag darüber, wie das Unternehmen den australischen Solarmarkt einschätzt.

Doch es gibt auch einheimische Solarunternehmen. An der seit August 2005 börsennotierten Dyesol Corporation aus Queanbeyan nahe der Hauptstadt Canberra sind auch deutsche Investoren beteiligt. Das erklärt Geschäftsführerin Sylvia Tulloch für das Unternehmen, dass vor allem auf Solarzellen der so genannten dritten Generation setzt. Dabei gelten herkömmliche Zellen auf Siliziumbasis als erste und Produkte auf Basis der Dünnschichttechnologie als zweite Generation. Dyesol entwickelt, produziert und vermarktet eine Vielzahl von Produktionsmitteln und Materialien rund um das Thema Farbstoffsolarzellen.

Dabei ahmen die Farbstoffsolarzellen die Natur mit Hilfe künstlicher Photosynthese nach. Diese funktionieren nach angaben von Tulloch bei wechselhaften und schwachen Lichtverhältnissen besser als Zellen der ersten Generation. Sie können zum Beispiel auch in Innenräumen eingesetzt werden,  zum Beispiel in Innenwände integriert. Gute Geschäfte erhofft sich Dyesol insbesondere durch den Einsatz ihrer Solartechnologie im Baugewerbe, etwa über mit Solarbeschichtungen besetztem Stahl oder Glas. Mit Corus, einem der größten Stahlproduzenten der Welt, kooperieren die Australier bereits. Gemeinsam zielen die Unternehmen auf Stahlkonstruktionen ab, die Strom erzeugen. Das Geschäftsjahr 2008/2009 hat Dyesol mit einem operativen Ergebnis von rund 3,4 Millionen Dollar abgeschlossen.

Neben solchen Umwelttechnologieunternehmen werben auch kleine börsennotierte Gesellschaften mit teils ungewöhnlichen Geschäftsmodellen um nachhaltige Investoren. So hat sich Tissue Therapies aus Brisbane auf die Wundbehandlung von Diabetikern, Patienten mit Venenerkrankungen und Bettlägerigen spezialisiert. Mit ihren Produkten will sie Amputationen verhindern, wie sie insbesondere bei Diabetikern häufig vorgenommen werden müssen. Wohl nur etwas für sehr spekulativ ausgerichtete Anleger ist die Aktie der EcoQuest Ltd. aus Melbourne. Sie setzt auf zu 90 Prozent biologisch abbaubare Babywindeln. Das Unternehmen ist zwar seit Ende 2007 börsennotiert, doch die Marktkapitalisierung liegt unter sechs Millionen Euro. Zudem produziert sie bislang lediglich Windeln, die zu 70 Prozent biologisch abbaubar sind. Wie Chairman Leon Davies gegenüber ECOreporter.de einräumt, werden solche Produkte auch von starken Wettbewerbern angeboten. Die wolle man mit der angestrebten höheren Abbaubarkeit übertrumpfen. Er hofft, dass EcoQuest bald mit der Produktion beginnen kann.

Die australische Finanzbranche hat das Potential nachhaltiger Investments in dem Land bislang kaum genutzt. Laut der Responsible Investment Association Australasia (RIAA) kamen in Australien zugelassene nachhaltige Fonds in 2008 zusammen lediglich auf ein Anlagevolumen von umgerechnet rund zehn Milliarden Euro. John O’Brian von AusCleanTech rechnet aber mit einer Belebung dieses Marktes. Nachhaltige Investments würden aufgrund der Erschütterungen durch die Finanzkrise mit ihrer hohen Transparenz zusätzliches Vertrauen gewinnen. Zudem wachse das Interesse der Bevölkerung an nachhaltigen Themen, wenn auch im Vergleich mit anderen westlich geprägten Ländern „mit Verspätung“. AusCleanTech hat den ACT Australien CleanTech Index aufgelegt, laut O’Brian der erste seiner Art in Australien. Er umfasst 60 Umwelttechnologie-Unternehmen aus Bereichen wie alternative Energien, Recycling, Energieeffizienz und Kraftfahrzeugtechnologie. Einer der Titel in dem Index ist zum Beispiel Dyesol. Zusammen kommen sie nach seinen Angaben auf eine Marktkapitalisierung von umgerechnet rund sieben Milliarden Euro.

Bildhinweis: Farblich beschichtete Solarzellen von Dyesol. / Quelle: Unternehmen
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x