Laut Eurosif kann sich das Marktwachstum nachhaltiger Geldanlagen in Europa sehen lassen. / Quelle: Fotolia

13.10.14 Fonds / ETF

Nachhaltiges Investment in Europa auf Wachstumskurs

Das nachhaltige Investment ist europaweit auf der Erfolgsspur. Das nachhaltig investierte Anlagekapital hat zwischen 2011 und 2013 zweistellige Wachstumsraten erreicht und ist damit schneller gewachsen als der gesamte europäische Investmentmarkt. Das geht aus einer Marktanalyse hervor, die der europäische Dachverband für Nachhaltige Geldanlagen EUROSIF (European Forum for Sustainable Investment) veröffentlicht hat. Es handelt sich dabei um die sechste Studie zu Nachhaltigen Geldanlagen, die der Verband seit 2003 vorgelegt hat. Die neue Untersuchung greift laut EUROSIF überwiegend auf Selbstauskünfte von Asset Managern und institutionellen Investoren aus 13 europäischen Ländern zurück.

Die Autoren der Studie zeichnen die Entwicklungen von Geldanlagen mit verschiedenen nachhaltigen Anlagestrategien nach. Dabei haben sie unterschiedliche Wachstumsraten ermittelt. Diese reichen von 22,6 Prozent bei nachhaltigen Themenfonds, die besipielsweise auf Wasserinvestments oder Erneuerbare-Energien-Unternehmen begrenzt sind, bis zu 132 Prozent. Letztere Entwicklung stellten die Studienautoren für Impact Investment fest, also für Anlagen, die auf einen ganz konkreten nachhaltigen Nutzen abzielen. Ein Beispiel sind Mikrofinanzfonds, deren Zielsetzung die Bekämpfung von Armut in Schwellen- und Entwicklungsländern ist. Diese Wachstumsraten lagen laut der Studie stets deutlich über den geschätzten 21,7 Prozent im europäischen Gesamtmarkt.

EUROSIF-Geschäftsführer Francois Passant merkt zu den Studienergebnissen an: „Das kontinuierliche Wachstum von nachhaltigen Anlagestrategien in Europa signalisiert einen positiven Sinneswandel hin zu mehr Produktverantwortung und der Wesentlichkeit von Umwelt-, Sozial- und Governance-Belangen. Die Diskussion verlagert sich von der Frage, ob nachhaltige Geldanlagen von einem Rendite-Standpunkt aus sinnvoll sind, dahin, wie deren konkrete Wirkung gemessen werden kann. Investoren und andere Akteure der Finanzindustrie werden den Markt zunehmend in diese Richtung vorantreiben und damit zu neuer Reife führen.“

Foto: / Francois Passant. / Quelle: EUROSIF

Sieben nachhaltigen Anlagestrategien von blass- bis dunkelgrün

Insgesamt unterscheidet die EUROSIF-Studie zwischen sieben verschiedenen nachhaltigen Anlagestrategien. Dabei spielen die sogenannten Impact Investments mit einem Anlagevolumen von insgesamt rund 21 Millionen Euro die geringste Rolle, während das meiste Anlagekapital in Europa über den Einsatz von Ausschlusskrtierien verwaltet wird. Hierfür hat die Untersuchung ein Volumen von insgesamt 6,854 Milliarden Euro ermittelt und ein Wachstum zwischen 2011 und 2013 von über 91 Prozent. Vor allem nachhaltiges Anlegerkapital aus der Schweiz und aus den Niederlanden mit jeweils über einer Milliarde Euro wird mit dieser Strategie verwaltet. Freiwillige Ausschlüsse von Streumunition und Anti-Personen-Minen sind demnach am gebräuchlichsten.

Aufgelistiet nach Anlagekapital folgt die Anlagestrategie der so genannten Integration auf dem zweiten Rang. Insgesamt 5,232 Milliarden Euro werden so verwaltet. Das bedeutet, dass Nachhaltigkeitsaspekte systematisch in die Analyse der in Frage kommenden Investments einfließen. Diese recht schwammige Definition hat dazu geführt, dass vor allem große Vermögensbestände aus Frankreich, Großbritannien und Italien nun für EUROSIF als nachhaltig investiert gelten und das in der Studie als nachhaltig eingestufte Anlagevolumen insgesamt aufgepumpt haben.
Weil dem Verband hierzu aber nur Daten aus acht Ländern vorlagen und er überdies die Definition dessen, was als systematische Integration von Nachhaltigkeitsaspekten zu verstehen, seit der letzten EUROSIF-Studie strenger gefasst hat, verzichtet die aktuelle Studie auf Angaben zur Entwicklung seit 2011.

Mit einem Gesamtvolumen von je über drei Milliarden Euro im Mittelfeld liegen  die Anlagestrategien „Engagement“ und die normen-basierte Auswahl von Investments. Engagement bedeutet, dass Großinvestoren wie Investmentfonds  aktiv versuchen, Wertpapier-Emittenten zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen, etwa durch direkte Kontaktaufnahme mit Konzernspitzen. Die normen-basierte Investment-Auswahl wendet keine Nachhaltigkeitskriterien an, sondern überprüft lediglich, ob Wertpapier-Emittenten nicht gegen internationale Normen wie etwa die des UN Global Compact oder die Richtlinein der ILO (Internationale Arbeitsorganisation) für den fairen Umgang mit Mitarbeitern verstoßen. Das mit diesen Anlagestrategien verwaltete Vermögen in Europa ist laut der Studie nach 2011 um 70,4 Prozent beziehungsweise 85,9 Prozent (Engagement) gewachsen.

Im europäischen Kontext spielt der so genannte Best-in-class-Ansatz nur eine untergeordnete Rolle. Der Studie zufolge werden nur rund 352 Millionen Euro nach diesem Prinzip verwaltet, davon etwa die Hälfte in Frankreich. Das von EUROSIF ermittelte Wachstum seit 2011 lag mit knapp 25 Prozent nur wenig über dem des Schlusslichts Themenfonds, die mit einem Gesamtvolumen von 59 Millionen Euro den vorletzten Platz einnehmen, vor dem Impact Investment.

Institutionelle Investoren dominieren das nachhaltige Investment in Europa


Wie die Studie ferner ermittelt hat, ist das nachhaltige Investment in Europa wieder viel stärker in Aktien angelegt als vor zwei Jahren. Der Aktienanteil klettere seither voneinem Drittel auf die Hälfte des Gesamtvolumens. Dagegen ging der Anteil der Anleihen von 51 auf 40 Prozent zurück. Dabei bevozugten die Investoren Unternehmensanleihen, die einen Anteil von 21 Prozent erreichten.

Zu beachten ist, dass das von EUROSIF analysierte nachhaltige Investment überwiegend von Institutionellen Investoren stammt. Deren Anteil am Gesamtvolumen beziffert die Studie für Europa insgesamt auf durchschnittlich 96,6 Prozent. Dabei gibt es allerdings beträchtliche Unterschiede zwischen den einzelnen Märkten. So erreicht der Anteil des Kapitals, dass von Investoren in der Schweiz und in Frankreich nachhaltig angelegt wird, jeweils rund 40 Prozent, in Deutschland und Belgien rund 25 Prozent, während  instituitionelle Investoren in Polen noch gar keine Rolle spielen.
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