Die Bank J. Safra Sarasin in Basel. / Quelle: Unternehmen

29.10.13 Finanzdienstleister , Fonds / ETF

„Nachhaltigkeit bleibt Schwerpunkt in unserer Produktpalette.“ – Interview mit Jan Amrit Poser, Bank J. Safra Sarasin

Nach dem Eigentümerwechsel haben bei der Bank J. Safra Sarasin aus Basel etliche Führungskräfte das Unternehmen verlassen, nicht zuletzt Nachhaltigkeitsexperten wie Andreas Knörzer, der wie kein anderer für das Nachhaltigkeitsengagement des Unternehmens aus Basel stand. Welche Rolle wird das Nachhaltige Investment bei der ehemaligen Bank Sarasin fortan spielen? Darüber spricht ECOreporter.de im Interview mit Jan Amrit Poser, Chefökonom und Leiter Asset Management der Bank J. Safra Sarasin. Dabei geht er auch auf Investments in den Bereichen Wasser und Erneuerbare Energien ein.

ECOreporter.de: Die Bank J. Safra Sarasin hat neue Eigentümer, und einige ihrer Experten aus dem Bereich Nachhaltigkeit haben das Unternehmen verlassen. Ist Nachhaltigkeit weiterhin ein wichtiges Thema für die Bank?

Dr. Jan Amrit Poser:  Nachhaltigkeit ist – und bleibt – für uns und unsere Kunden von höchster Bedeutung, sowohl in der Unternehmensphilosophie als auch beim Anlageprozess. Nach vielen Jahren am Kapitalmarkt ist unsere Bank zu ihren Wurzeln zurückgekehrt und nun wieder fest in Familienhand. Die Eigentümerfamilien Safra und Sarasin gestalten ihre Bank aktiv mit und sind traditionell langfristig orientiert. Veränderungen haben auch stets eine positive Seite: Nur so können Gewohnheiten und verfestigte Strukturen kritisch hinterfragt und an die heutigen Gegebenheiten angepasst werden. Das ist gerade in der Vermögensanlage sehr wichtig. Ein besonders positives Zeichen war für uns, dass wir die freien Positionen umgehend wieder mit ausgewiesenen Experten aus dem Bereich der nachhaltigen Vermögensanlage besetzen konnten. Dies zeigt deutlich, dass die Philosophie unseres Hauses nicht nur für Kunden, sondern auch für Mitarbeiter weiterhin attraktiv ist und einen hohen Stellenwert hat.
Bildnachweis: Jan Amrit Poser, Chefökonom und Leiter Asset Management der Bank J. Safra Sarasin. / Quelle: Unternehmen


ECOreporter.de: Wird die Bank weiter ein eigenes Nachhaltigkeitsresearch betreiben?


Poser:  Unser hauseigenes Nachhaltigkeitsresearch wird weiterhin die zentrale Rolle in unserer Anlagepolitik spielen, kurzum: Die Bank J. Safra Sarasin bleibt der Nachhaltigkeit verpflichtet.

ECOreporter.de: Wird es Umschichtungen geben oder neue Produkte?

Poser:  Der Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit in unserer Produktpalette bleibt bestehen. Wir haben ausgezeichnete Fondsstrategien, auf die wir weiterhin setzen, und wir werden neue Investmentlösungen aufbauen. So sind beispielsweise die beiden Mischfonds Sarasin-FairInvest-Universal-Fonds und Sarasin Sustainable Portfolio-Balanced sehr erfolgreich und werden derzeit stark nachgefragt. Mehr als 400 Mio. Euro haben Anleger mittlerweile in diese beiden „Nachhaltigkeits-Dauerbrenner“ investiert. In Zukunft planen wir unsere nachhaltige Produktpalette weiter ausbauen.

ECOreporter.de: Wie hoch ist das nachhaltig verwaltete Vermögen der Bank?

Poser:  Das rein nachhaltig verwaltete Vermögen belief sich per Ende 2012 auf über 14 Milliarden Schweizer Franken. Inklusive der verantwortungsbewusst verwalteten Vermögen und dem sogenanntem Advisory beträgt das Anlagevolumen mehr als 23 Milliarden Franken.

ECOreporter.de: Die beiden auf Erneuerbare Energien ausgerichteten Aktienfonds Sarasin New Energy Fund (ISIN LU0121747215) und Sarasin New Power Fund - B (ISIN LU0288930869) haben in den letzten fünf Jahren stark an Wert verloren. Ist der Wertverlust aufholbar?

Poser: Die Performance aller Fonds, die ausschließlich in erneuerbare Energien investiert haben, war in den vergangenen Jahren leider schwach. Trotzdem sind erneuerbare Energien ein Megatrend – und damit ein Thema, das unumgänglich bleiben wird. Vor allem Energieeffizienz hat einen hohen Stellenwert, und hier sind unsere Fonds stark investiert. Somit ist dieses Investment auch weiterhin für mittel- und langfristig orientierte Anleger geeignet. Darüber hinaus können sich unsere Anleger auch in schwierigen Zeiten darauf verlassen, dass wir gemäß unserer nachhaltigen Anlagestrategie investieren.

ECOreporter.de: Sehr gut hat sich zum Beispiel der auf Wasseraktien ausgerichtete Sarasin Sustainable Water Fund (LU0333595436) entwickelt. Über die letzten fünf Jahre hinweg zählt er mit einem Plus von über 123 Prozent zu den nachhaltigen Fonds, die ihren Wert am stärksten verbessern konnten. Was macht diesen Fonds nachhaltig?

Poser: Die herausragende Wertentwicklung des Sarasin Sustainable Water Fund ist ein schönes Beispiel für den Erfolg einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie. Auch in diesem Fonds setzen wir zu einhundert Prozent auf Nachhaltigkeit – und das zahlt sich aus. So wird gemäß unserem Nachhaltigkeitsansatz beispielsweise nicht in Unternehmen der Lebensmittelbranche (Mineralwasser) investiert, da hier durch Aufbereitung und Transport unverhältnismäßig hohe Abfallprodukte entstehen. Dafür setzt der Fonds verstärkt auf Technologien, die zu einem sparsamen Umgang mit der Ressource Wasser beitragen.

ECOreporter.de: Bei Ausschlusskriterien wie Atomkraft, Rüstungsgütern oder Chlor- und Agrochemie beanspruchen ihre Nachhaltigkeitsfonds eine Toleranz von fünf Prozent. Warum dieser Spielraum?

Poser: Aktivitäten mit einem entsprechend kleinen Umsatzanteil sind im Rahmen der Geschäftsstrategie in den allermeisten Fällen als nicht signifikant einzustufen. Bei einigen Ausschlusskriterien haben wir aber zusätzliche Hürden eingebaut, zum Beispiel werden bei Atomenergie Unternehmen unabhängig vom Umsatzanteil ausgeschlossen, wenn sie weltweit zu den fünf größten Anbietern in diesem Bereich gehört. Bei der ausbeuterischen Kinderarbeit bzw. bei der Verletzung der ILO-Kernkonventionen arbeiten wir nicht mit einer Umsatzschwelle, da es hier keinen Umsatzzusammenhang gibt.

ECOreporter.de: In Deutschland sind Nachhaltigkeitsfonds in den letzten Jahren weniger gewachsen. Sehen Sie eine Erklärung?

Poser: Während bei institutionellen Investoren Nachhaltigkeit auch bei der Investitionsstrategie weiter an Bedeutung gewinnt, haben sich Privatkunden in den letzten Jahren etwas zurückgezogen. Das kann einerseits mit dem Misstrauen gegenüber Geldanlagen nach Ausbruch der Finanzkrise zusammenhängen. Andererseits ist das Bewusstsein für Nachhaltigkeit aber generell gestiegen, beispielsweise beim Lebensmitteleinkauf. Wir denken, dass sich dies auch auf die Geldanlage übertragen wird; und das aus gutem Grund: gerade durch diese Art der Geldanlage haben die Menschen eine große Chance, etwas zu bewirken.

ECOreporter: Herr Poser, vielen Dank für das Gespräch!
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