19.07.07

Nachhaltigkeit im Vierer-Pack – Das S-BOX Dr. Höller Dach-Zertifikat

Wer als Anleger von den Wachstumsschancen profitieren will, die sich Unternehmen durch eine zunehmende Nachhaltigkeit ihres Wirtschaftens eröffnen, hat viele Investmentmöglichkeiten zur Auswahl. So kann er unter anderem den Schwerpunkt auf Klimaschutztechnologien allgemein legen, auf alternative Energieerzeugung, auf Unternehmen, die Lösungen für die globale Wasserproblematik anbieten, oder auf Recyclingtechnologien und einen nachhaltigen Umgang mit Rohstoffen.

Das S-BOX Dr. Höller Dach-Zertifikat ist eine besonders breit streuende Investmentmöglichkeit. Denn wer das im Freiverkehr der Stuttgarter Börse gehandelte Wertpapier erwirbt, partizipiert an der Wertentwicklung von gleich vier verschiedenen Nachhaltigkeitszertifikaten mit jeweils unterschiedlichem Fokus der Titelauswahl. Auf diese Weise wird insgesamt in 60 globale investiert und das Anlagerisiko damit breit gestreut. Das Zertifikat ist im April 2007 von Sal. Oppenheim emittiert worden, zum Verkaufspreis von 100 Euro und mit 1 Prozent Agio. Das Bezugsverhältnis ist 1:1, die vier Baskets steuerten zum Festlegungstag, dem 4. April 2007 jeweils 25 Prozent zum S-BOX Dr. Höller Dach-Zertifikat bei. Die S-BOX Familie ist gemeinsam von der Börse Stuttgart und der Unternehmensgruppe ZertifikateJournal ins Leben gerufen worden. Die vier Baskets des S-BOX Dr. Höller Dach-Zertifikat setzten sich aus Zertifikaten der Dr. Höller Vermögensverwaltung und Anlageberatung AG zusammen. Diese Vermögensverwalterin aus Zürich in der Schweiz ist seit rund zehn Jahren auf ethische Investments spezialisiert. Sie wurde 2005 als selbständiger Vermögensverwalter in die Fortune-Gruppe integriert.

Wie Thilo Goodall von der Dr. Höller-Gruppe erläutert, wurden die Indices im November 2006 installiert. Die Auswahl der Titel nehme sein Unternehmen auf Basis des eigenen Nachhaltigkeitsresearchs vor. Dabei erfolge die Auswahl „extrem lösungsorientiert“. Es würden nicht die Anwender von Technologien ausgewählt, die als Lösungen der Problematik gelten, der sich der jeweilige Index widme. Für das jeweilige Anlageuniversum kämen stattdessen Unternehmen in Frage, die diese Lösungen auf den Markt bringen. Beim Thema Klimaschutz wäre das zum Beispiel der Windturbinenhersteller Vestas, aber nicht ein Energieversorger, der in Windparks investiere. Laut Goodall will Dr. Höller bei jedem Index das jeweilige Thema möglichst breit abdecken. Deswegen würden auch niedrig liquide Titel, also kleine Unternehmen (small caps) mit geringer Börsenkapitalisierung in die Auswahl einbezogen. Mit einer festgelegten Quote von sechs Titeln je Index sei ihr Anteil unter den jeweils fünfzehn ausgewählten Werten sogar bewusst der größte, so Goodall weiter. Sie würden mit fünf Prozent gewichtet. Fünf Titel würden aus der Gruppe der Unternehmen mit mittlerer Liquidität ausgewählt (mid caps), bei einer Gewichtung von sechs Prozent. Die vier Titel aus der Gruppe der Unternehmen mit hoher Liquidität (large caps) fließen je mit einem Anteil von 10 Prozent in den Index ein. „Aus jeder Gruppe wählen wir die Besten aus“, so Goodall. Im Halbjahresrhythmus werden die Unternehmen überprüft und deren Auswahl aktualisiert.

Einer der Körbe des Dach-Zertifikats ist das Klimazertifikat S-BOX Dr. Höller Cool Climate Index. Er umfasst insgesamt fünfzehn Unternehmen, die Produktionsweisen, Technologien oder Dienstleistungen entwickeln und einsetzen, die den Ausstoß von Treibhausgasen verhindern oder eindämmen helfen. Nach den Berichten des Weltklimarates der UN und des ehemaligen Chefökonomen der Weltbank, Nicholas Stern, über die mit dem Klimawandel verbundenen ökonomischen Risiken und Chancen, schreiben viele Experten solchen Unternehmen gute Entwicklungschancen zu. Für das Klimazertifikat S-BOX Dr. Höller Cool Climate Index wurden folgende Unternehmen ausgewählt: Zu rund zehn Prozent der Katalysatoren-Hersteller Johnson Matthey, der französische Alstom-Konzern sowie die auch im Bereich CO2-bindender Technologie aktive Statoil aus Norwegen und die japanische Sojitz. Zu sechs Prozent ist unter anderem der belgische Chemie- und Pharmakonzern Solvay in dem Index enthalten, zu fünf Prozent unter anderem die niederländische Klimabörse Climate Exchange Plc. und die Syntroleum aus den USA, die karbonhaltige Gase umwandelt. Seit Jahresbeginn hat der S-BOX Dr. Höller Cool Climate Index knapp 20 Prozent an Wert gewonnen.

Der gleichfalls zum Basket des Dachzertifikats gehörende S-BOX Dr. Höller Clean Energy Index setzt ausschließlich auf Akteure im Bereich der Erneuerbaren Energien. Die Emittentin verweist darauf, dass mit dem Abbau und der Förderung fossiler Rohstoffe eine enorme Umweltbelastung verbunden ist und die zunehmend knapperen Ressourcen bei wachsender Nachfrage steigende Energiepreise verursachen werden. Schon im Jahr 2020 werde die Erdölfördermenge voraussichtlich ihr Maximum erreichen (über drohende Engpässe bei den nicht erneuerbaren Energieträgern berichteten wir ausführlich im ECOreporter.de-Beitrag vom Oktober 2006). Daher sei es dringend erforderlich, verstärkt auf Erneuerbare Energien zu setzen. Schon heute leisten Windenergie, Sonnenenergie, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie einen wichtigen Beitrag zur sauberen Energiegewinnung. Für diesen Index wurden ebenfalls fünfzehn Unternehmen ausgewählt und dabei die Bereiche Windkraft, Wasserkraft, Solarenergie und Geothermie berücksichtigt. Zu jeweils rund zehn Prozent sind in dem Index enthalten: der deutsche Solarkonzern SolarWorld AG, die chinesische Solarzellenherstellerin Suntech, die ebenfalls im Solargeschäft aktive Energy Conversion Devices Inc. aus den USA und die Energie aus Wasserkraft erzeugende Fortum aus Finnland. Zu den Werten mit einem Anteil von sechs Prozent zählen unter anderem die Berliner Solon AG und das US-amerikanische Geothermieunternehmen Ormat. Zu den Titeln mit einem Anteil von fünf Prozent gehören etwa die deutschen Erneuerbare-Energie-Unternehmen Sunways AG, Schmack Biogas AG, CropEnergies AG, Verbio Vereinigte BioEnergie AG und Aleo Solar AG. Seit Jahresbeginn hat der S-BOX Dr. Höller Clean Energy Index über 30 Prozent an Wert gewonnen.

Einen ganz anderen Fokus hat der Index, auf den das dritte Zertifikat im S-BOX Dr. Höller Dach-Zertifikat beruht. Der S-BOX Dr. Höller Pure Water Index bildet die Kursentwicklung von fünfzehn internationalen Unternehmen ab, die Technologien, Produkte oder Dienstleistungen für die Wasserreinigung und Wassermanagement entwickeln. Wasserversorger werden nur aufgenommen, wenn sie auch innovative Zukunftstechnologien einsetzen oder entwickeln. Experten trauen Unternehmen aus diesem Sektor gute Wachstumschancen unter anderem deshalb zu, weil es in den Schwellen- und Entwicklungsländern einen weiter zunehmenden Bedarf an sauberem Trinkwasser und an einer nachhaltigen Abwasserentsorgung gibt. So investiert zum Beispiel China große Summen in diesen Bereich. Zum anderen muss die bestehende Wasserinfrastruktur in Europa und Nordamerika zu einem großen Teil erneuert werden. Die Weltbank geht für den Zeitraum bis 2015 hier von einem Investitionsbedarf in Höhe von 600 Milliarden Euro aus. Auch in diesem Index entfallen auf vier Titel mit jeweils rund zehn Prozent Gewichtung 40 Prozent des Index. Es sind dies die US-amerikanischen Unternehmen Pall, Millipore, Danaher und ITT. Die britische Pentair zählt ebenso wie der japanische Wasseraufbereiter Kurita zu den Titeln mit sechsprozentigem Anteil. Zu den kleinen Titeln mit fünf Prozent Gewichtung gehört zum Beispiel die im Bereich Wasser-Management aktive US-Firma Tetra Tech. Seit Jahresbeginn hat der S-BOX Dr. Höller Clean Energy Index über 20 Prozent an Wert gewonnen.

Als vierter Index fließt der S-BOX Dr. Höller New Materials Index in das S-BOX Dr. Höller Dach-Zertifikat ein. Die fünfzehn darin enthaltenen Unternehmen zeichnen sich aus Nachhaltigkeitssicht durch die effiziente und schonende Materialnutzung, die Rückführung verbrauchter Materialien, Innovationen beim effizienten Einsatz von Rohstoffen sowie die Forschung und Entwicklung neuer Materialien aus. Sie entwickeln Produkte, Materialien oder Technologien bzw. setzen sie ein, die Alternativen zu den nicht erneuerbaren Energien darstellen oder nicht erneuerbare Rohstoffe wiedergewinnen. Auch betreiben sie die Wiederverwertung von Materialien. Das schont Ressourcen und spart Energie. Zu den in diesem Index mit jeweils rund zehn Prozent gewichteten vier Titeln gehören Umicore aus Belgien, die japanische Shova Denko sowie PPG Industries und Covanta Holding aus den USA. Die japanische Asahi Pretec und der Hersteller von Pfandrücknahmeautomaten Tomra aus Norwegen sind Beispiele für Titel mit fünfprozentiger Gewichtung. Die beiden in den USA ansässigen Symyx Technologies und American Superconductor sind Vertreter der im Index enthaltenen Unternehmen mit geringer Börsenkapitalisierung und einem Anteil von vier Prozent. Die Performance des S-BOX Dr. Höller New Materials Index liegt bislang deutlich unter der der übrigen drei Indices, seit Jahresbeginn hat er etwas über zehn Prozent an Wert zugelegt.


Fazit:
Die Performance des S-BOX Dr. Höller Dach-Zertifikat seit der Emission im April kann insgesamt überzeugen. Nach den ersten drei Monaten liegt der Wertzuwachs bereits über zehn Prozent. Dies ist insbesondere deshalb bemerkenswert, weil das Investment sehr breit gestreut und daher verhältnismäßig sicher ist. Der Anleger profitiert direkt von der guten Wertentwicklung.
Ein Nachteil des Angebots: der Anleger besitzt keine Kapitalgarantie, auftretende Verluste werden nicht begrenzt. Ein Vorteil ist dagegen die endlose Laufzeit des Wertpapiers. Schwächeperioden kann man als Investor aussitzen, muss nicht durch ein unglücklich datiertes Laufzeitende Renditeeinbußen hinnehmen. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass die Emittentin das Angebot kündigen kann, und zwar jeweils am dritten Freitag der Monate März, Juni, September und Dezember. Dies sind die Bewertungstage des Dach-Zertifikats. Zu diesen Terminen kann auch der Anleger die Zertifikate einlösen.
Der Nachhaltigkeitsansatz des Angebots überzeugt, die Dr. Höller-Gruppe hat sich über Jahre als Expertin für die Titelauswahl nach ethisch-ökologischen Kriterien profiliert. Dies ist ein Plus im Vergleich zu vielen anderen Zertifikaten, die als „nachhaltig“ firmieren, bei denen die Emittenten aber kein intensiveres Nachhaltigkeitsresearch einfließen lassen.
Insgesamt ist das Dach-Zertifkat ein Investment mit vielversprechender Renditechance bei begrenzte Risiko und zumindest als Beimischung zu empfehlen.

WKN: SCL999
ISIN: DE000SCL9996

Bildhinweise:
Thilo Goodall / Quelle: Unternehmen;
Biogaskraftwerk der Schmack Biogas AG / Quelle: Unternehmen;
Rücknahmeautomat von Tomra Systems / Quelle: Unternehmen
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