Kohlebagger im Tagebau: Großinvestoren werden sensibler dafür, dass Kohleinvestments nicht nur zum Raubbau an der Natur beitragen, sondern auch steigende Renditerisiken bergen, weil die Weltgemeinschaft den Klimawandel stärker bekämpfen und dafür die Verbrennung von Kohle eindämen will. / Quelle: Fotolia

27.05.16 Erneuerbare Energie

Nachhaltigkeit und Klimaschutz für Großinvestoren immer wichtiger

Großinvestoren aus Deutschland setzen überwiegend auf nachhaltiges Investment. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Klimaschutz. Die Politik hinkt ihnen noch hinterher. So zählt die Bundesrepublik weiterhin zu den größten staatlichen Geldgebern für Kohlekraftwerke und Kohlebergbau in der industrialisierten Welt. Das geht aus aktuellen Studien hervor.

Im Auftrag von Union Investment wurden im Frühjahr 2016 institutionelle Investoren in Deutschland dazu befragt, wie zur nachhaltigen Kapitalanlage im Allgemeinen und zum Klimaschutz im Besonderen stehen. Wie die Auswertung dieser Umfrage bei Großinvestoren mit einem Anlagevermögen von insgesamt rund 3,5 Billionen Euro zeigt, bekannte sich mit 60 Prozent die Mehrheit dieser Investoren zur nachhaltigen Kapitalanlage. 43 Prozent der nachhaltig agierenden Großanlager sind laut dieser Studie von Union Investment mit ihrer Kapitalanlage zufrieden bzw. außerordentlich zufrieden. Mehr als drei Viertel (76 Prozent) von ihnen können sich einen Ausstieg aus der Nachhaltigkeit nicht mehr vorstellen. Insgesamt wird ein Drittel ihrer Anlagen derzeit nachhaltig verwaltet. Das Gros davon macht mit 36 Prozent die Anlageklasse Renten aus, gefolgt von Immobilien mit 25 Prozent und Aktien mit 23 Prozent. Bei 74 Prozent der nachhaltig orientierten Investoren finden sich Nachhaltigkeitskriterien in den Anlagerichtlinien.

Die Mehrheit der Großinvestoren hat beim Klimaaschutz noch Nachholbedarf

Eine Mehrheit befragten institutionellen Investoren rechnet damit, dass sich die Klimaschutzverpflichtungen, die im Dezember 2015 auf dem Weltklimagipfel in Paris beschlossen wurden auf die Entwicklung der Kapitalmärkte auswirken werden. Das betreffe vor allem Energieversorger sowie auf die Gas- und Ölindustrie. Aber auch die Automobil- und Flugzeughersteller hätten negative Konsequenzen zu befürchten.

Laut der Studie von Union Investment berücksichtigt derzeit mehr als ein Fünftel (21 Prozent) der Großanleger Klimaschutzaspekte in den Anlagerichtlinien. Dies gilt vor allem für Versicherungen, Stiftungen und Kirchen, von denen 35 bzw. 34 Prozent bereits entsprechende Vorgaben aufgenommen haben. Im Vordergrund stehen dabei der Ausschluss bestimmter Branchen sowie verstärkte Investments in erneuerbare Energien. 24 Prozent der Investoren, die entsprechende Vorgaben bisher noch nicht in ihren Anlagerichtlinien berücksichtigen, wollen dies in den kommenden fünf Jahren nachholen. Von Vermögensverwaltern erwarten die Investoren, dass sie Klimaschutzaspekte sowohl bei der Beratung als auch im Investmentprozess und Reporting berücksichtigen. Zudem wünschen sie, dass die Vermögensverwalter verstärkt Lösungsangebote zur Reduktion des CO2-Fußabdrucks in den Portfolios anbieten.

Norwegischer Pensionsfonds gibt mit Ausstieg aus Kohleaktien den Trend vor

ECOreporter.de hatte in der Vergangenheit häufiger über den Trend von Großinvestoren hin zum Ausstieg aus klimaschädlichen Investitionen berichtet. Lesen Sie dazu zum Beispiel unseren  Beitrag vom März 2016 mit dem Titel „Wie Anleger Klimarisiken im Portfolio verringern können“. Manche Großinvestoren folgen zum Beispiel dem Vorbild des Norwegischen Pensionsfonds, mit einem Gesamtvolumen von rund 825 Milliarden US-Dollar als der weltweit größte Staatsfonds. Er stieß vor kurzem  Beteiligungen an über 50 Energie- und Bergbauunternehmen ab, weil bei ihnen das Geschäft mit Kohle mehr als 30 Prozent am Umsatz ausmacht. Die Verbrenung von Kohle gilt als Klimakiller Nummer 1.

Studie: Deutschland finanziert Klimakiller Kohle mit vielen Milliarden

Die Regierungen der größten industriestaaten setzen aber weiterhin auf die Finanzierung von fossilen Krftwerken. Das geht aus einer Studie hervor, die Nicht-Regierungsorganisationen aus Anlass des aktuellen G7-Gipfels veröffentlicht haben, der am heutigen 27. Mai in Japan zuende geht. Den Bericht "Swept Under the Rug: How G7 Nations Conceal Public Financing for Coal Around the World“ haben die Organisationen Natural Resources Defense Council, Oil Change International und World Wide Fund for Nature (WWF) veröffentlicht. Die deutsche NGO urgewald stellt den Report  hier  frei zugänglich zur Verfügung. Ihm zufolge haben die G7-Staaten von 2007 bis 2015 in Form von Direktfinanzierung, Garantien, technischen Hilfen und Entwicklungshilfen mehr als 42 Milliarden US-Dollar für Kohlekraftwerke, Kohlebergbau sowie damit verbundene Projekte zur Verfügung gestellt. Mit 22 Milliarden Dollar stellte Japan davon den Löwenanteil. Deutschland stellte davon neun Milliarden Dollar zur Verfügung.

Sebastien Godinot, Ökonom in der politischen Europazentrale von WWF, kommentiert: „Es ist empörend, dass Japan und Deutschland nach wie vor massiv den Export von Kohlekraftwerken mit öffentlichen Geldern fördern, obwohl die wissenschaftlichen Fakten belegen, dass ein Mehr an Kohle nicht vereinbar ist mit Strategien für einen Welttemperaturanstieg von maximal 1,5 - 2,0 Grad Celsius. Die G7-Staaten müssen ihre Verpflichtungen von Paris umsetzen und unverzüglich jede öffentliche Unterstützung für die Kohle beenden."

Regine Richter, bei urgewald Expertin für multilaterale Finanzinstitutionen, ergänzt: „Im vergangenen Jahr ist die deutsche Unterstützung für Kohleprojekte weltweit im Verhältnis zum untersuchten Gesamtzeitraum sehr gering ausgefallen. Dies bedeutet allerdings keine Kehrtwende, denn allein im Bereich Kohlekraftwerke und Kohlebergbau prüft die deutsche Kreditabsicherungsagentur Euler Hermes laut einer Anfrage der Grünen von März 2016 aktuell Projekte im Wert von fast 650 Mio. Euro. Darunter befindet sich ein Antrag über 246 Millionen Euro für das geplante Kohlekraftwerk Plomin C in Kroatien. Der Neubau würde auf Jahrzehnte die Dekarbonisierung Kroatiens verhindern.
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