26.03.13 Nachhaltige Aktien , Meldungen , Finanzdienstleister

Nachhaltigkeitsrating-Agentur bewertet die Nachhaltigkeit von Bankanleihen

Die Nachhaltigkeitsperformance von deutschen und internationalen Finanzinstituten hat sich verbessert. Doch man muss genau hinschauen: auch die besten Banken tätigen kontroverse Investments und vergeben Kredite, z.B. an Rüstungsunternehmen. Dies ist ein Ergebnis der Untersuchung, in der die unabhängige Nachhaltigkeitsrating-Agentur imug aktuell 127 Bankanleihen bewertet hat.

Die Nachhaltigkeitsrating-Agentur hat das Nachhaltigkeitsmanagement der Banken selbst untersucht, aber auch deren Aktivitäten in den Bereichen Investment, Kredite und Immobilien. Zudem hat imug zwischen 2011 und 2012 die Ratingkriterien verschärft , mit dem Ergebnis, dass weniger Banken die Bestbewertungen erhalten haben und eher als „neutral“ eingestuft wurden.

Dennoch stellt Silke Stremlau, Partnerin im imug, Fortschritte bei der Nachhaltigekit im Bankensektor fest: „Banken, die jahrelang die sozialen und ökologischen Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeiten negiert haben, beginnen, sich ernsthaft mit den Anforderungen des nachhaltigen Kapitalmarktes auseinanderzusetzen. Wir erleben hier einen deutlichen Trend hin zu mehr Verantwortungsübernahme. Dennoch bleibt noch viel Luft nach oben.“

Zu den besten der 127 bewerteten Banken gehört neben vielen australische Banken - wie die Westpac Banking Corporation und die Australia and New Zealand Banking Group - auch die deutsche Kreditanstalt für Wiederauf-bau Bankengruppe (KfW). Rund ein Drittel der bewerteten Banken (34 Prozent) schneidet mit der zweitbesten Bewertung „positiv“ ab, aber nur ein Prozent erhält die Bestbewertung „sehr positiv“. Der Großteil, 44 Prozent, wird lediglich mit „neutral“ bewertet. 21 Prozent der Banken schnitten in der imug-Analyse „negativ“ ab und gelten damit für nachhaltig orientierte Investoren als nicht akzeptabel.

Die Nachhaltigkeitsrating-Agentur stellte fest, dass kontroverse Projektfinanzierungen, z.B. bei großen Staudämmen, im Vergleich zu anderen kritischen Geschäftsaktivitäten nur einen kleinen Teil ausmachen: knapp 20 Prozent der untersuchten Banken fielen hier negativ auf. Auf mindestens 55 Prozent der Banken trafen aber laut imug aber Aspekte wie Marktmanipulation, Insiderhandel, Untreue oder Falschberatung zu.

Ein weiterer Fokus den Analyse war die Frage: Wie engagiert sind die Banken beim Thema Schattenfinanzplätze und Steuervermeidung? Das Ergebnis: Lediglich 23 Prozent aller betrachteten Banken beschäftigen sich proaktiv mit diesem Thema, z.B. in Form einer Richtlinie oder eines Managementsystems. Der Großteil (57 Prozent) ist dagegen in Steuervermeidungspraktiken involviert, an Schattenfinanzplätzen aktiv oder sogar wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt worden.

Silke Stremlau dazu: „Wir haben keine Bank identifiziert, die im Umgang mit Schattenfinanzplätzen Best-Practice ist. Daher werden wir dieses Thema auch in 2013 weiter verfolgen, denn: für nachhaltige Investoren ist es volkswirtschaftlich hoch relevant – gerade auch vor dem Hintergrund der Zypern-Diskussion.“
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