Die Branchen der Offshore-Windenergie hoffen auf mehr Unterstützung aus Berlin, um die Offshore-Windkraftziele der Energiewende zu erreichen. Bildquelle: Vattenfall (Windpark Ormonde)

  Erneuerbare Energie

Nadelöhr: Logistik - Studie fordert „aktive Industriepolitik“ für die Offshore-Windkraft

Die Windkraft zur See bleibt das Sorgenkind der deutschen Energiewende. Das legt eine neue Studie der Stiftung Offshore-Windenergie nahe. Der Report untermauert ein Problem, das die Branche schon länger beschäftigt: Die Logistik erweist sich mehr und mehr zum Nadelöhr für den weiteren Ausbau der Offshore-Windkraft vor Deutschlands Küsten. Gebraucht wird vor allem zweierlei: Zum einen weitere Spezialschiffe, die in der Lage sind, Offshore-Fundamente und –Windturbinen im Meer zu errichten. zum anderen müssen die vorhandenen Seehäfen ausgebaut werden.

„Es geht um anspruchsvolle Schiffe und technische Anlagen, die über viele Jahre zuverlässig unter den harschen Bedingungen auf hoher See arbeiten“, so die Stiftung. Dies sowie der Einsatz leistungsstärkerer Turbinen mit fünf Megawatt (MW) Kapazität oder mehr seien Voraussetzung, um die Ziele der Bundesregierung bis 2020 und 2030 zu erreichen. Die Bundesregierung hat bislang das Ziel ausgegeben, bis 2020 10.000 MW Offshore-Windkraftleistung in Betrieb genommen zu haben und dies bis 2030 dann auf 25.000 MW auszubauen.


Die neue Studie „Herausarbeitung von Chancen und Herausforderungen für die Hafen- und Werftwirtschaft im Zuge der Offshore-Windenergieentwicklung“ stellt unter anderem die Szenario-Prognosen verschiedener Marktforscher gegenüber und zeigt, wie viele Offshore-Windkraft zur Erreichung der Prognosen im Durchschnitt jährlich nötig wäre. Um die Ziele der Bundesregierung zu erreichen, müssten demnach zwischen 2011 und 2020 jährlich im Durchschnitt 980 MW Offshore-Windkraftkapazität neu hinzukommen.

Ruf nach staatlichen Subventionen

Die benötigten spezialisierte Werften und Systemzulieferer fänden in der Offshore-Windenergie-Sparte ein Marktpotenzial im Milliardenbereich, allerdings nur wenn  die Projekte durchfinanziert seien, heißt es in der Studie. Besonders für den Ausbau der Häfen seien teils hohe dreistellige Millionenbeträge nötig, für die sich derzeit aufgrund der angespannten Marktlage und der wirtschaftlichen Unwägbarkeiten kaum Investoren finden ließen. „Die für den Ausbau verfügbaren Landesmittel erreichen ihre Grenzen und privatwirtschaftliche Akteure und Banken halten sich stark zurück“, so die Stiftung Offshore-Windenergie. Daher müsse der Staat mit einer „aktiven Industriepolitik“ und einem tragfähigen Gesamtkonzept gegensteuern, fordert die Stiftung.

„Die Bereitstellung öffentlicher Finanzierungsinstrumente ist unerlässlich, um Potential in Arbeitsplätze zu übersetzen“, stellt Reinhard Lüken klar, Hauptgeschäftsführer des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik. Zudem müssten einheitliche technische Standards und Regeln beim Schiffbau und bei der Logistik eingeführt werden anstelle von der bestehenden „inkonsistenten Sicherheits-, Umwelt- und Arbeitsschutzbestimmungen“. Auch müsse die Kooperation der verschiedenen involvierten Branchen weiter verbessert werden.

Worst-Case-Szenario: nur 5.600 MW bis 2020

Aktuell verfügt Deutschland über nicht einmal ein Gigawatt (1.000 MW) Offshore-Windkraft-Kapazität. Trotz dieser Faktenlage und auch trotz der deutlichen Forderungen, die die Stiftung Offshore Windenergie aus den Ergebnissen der neuen Untersuchung ableiten: die Studienautoren halten sie die 10.000-MW-Zielmarke bis 2020 zumindest theoretisch für erreichbar. Dies sei zwar „ambitioniert“, allerdings ermögliche „die Anzahl heute genehmigter Offshore-Windenergieanlagen einen Zubau in der Größenordnung von 10.000 MW bis 2020“, heißt es in der Studie. Zusammengenommen mit den Verzögerungen, die im Zusammenhang mit den Problemen bei der Genehmigung und Bereitstellung von Netzanschlüssen aufgetreten sind, könnte im ungünstigsten Fall die Offshore-Leistungskapazität in 2020 lediglich auf 5.600 MW anwachsen.

Für den Großteil der Netzanschlüsse der deutschen Offshore-Windprojekte ist der Netzbetreiber TenneT zuständig. Kürzlich ist eine von TenneT in Auftrag gegebene Studie erschienen, die stark bezweifelt, dass sich bis 2020 Windräder mit 10.000 MW in deutschen Gewässern drehen werden. Außerdem warnt diese Studie vor immensen zusätzlichen Kosten, die entstehen könnten, wenn die Ziele nicht erreicht werden (mehr dazu lesen Sie hier).
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