15.04.11 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Neue Führung bei Colexon reißt das Ruder herum – Unternehmenssprecher erläutert die neue Strategie des Solarkonzerns



Eine abrupte Wende hatte der Solarkonzern vor drei Jahren schon einmal vollzogen. Damals hatte er sich nicht nur umbenannt, von Reinecke + Pohl Sun Energy AG in Colexon Energy AG. Es wurde ein Schlussstrich unter eine wenig rühmliche Vergangenheit gezogen. Die Gesellschaft war 2006 durch einen Bilanzskandal belastet worden und hatte dann 2007 in die Restrukturierung mehr Mittel investieren müssen als geplant. Zwei Jahre nacheinander war die eigene Prognose verfehlt worden. Die alte Unternehmensführung zog sich zurück. Thorsten Preugschas, Geschäftsführer der Tochtergesellschaft Maaß Regenerative Energien GmbH in Wesel, rückte in den Vorstand der Gesellschaft auf. Er rief dann Anfang 2008 eine neue Strategie der Internationalisierung der Geschäfte ausgerufen. Die hat letztlich nicht gefruchtet.

Das Vertrauen der Börsianer in das Unternehmen ist seit 2008 trotz eines kurzen Zwischenhochs weiter geschwunden. Vor 2008 war sein Aktienkurs meist zweistellig gewesen, immer war die Aktie über fünf Euro notiert. Ab 2009 fiel sie dann aber auch unter dieser Marke, inzwischen droht sie unter den Wert von einem Euro zu sinken. Dabei hat Colexon stets einen deutlichen operativen Gewinn erwirtschaftet und den Jahresumsatz ausgebaut. Doch offenbar gelang es nicht, die Börsianer von der auf große Photovoltaikprojekte ausgerichteten Strategie zu überzeugen. Durch die Fusion mit der dänischen Renewagy A/S in 2009 war diese Strategie noch forciert worden, hatte das Auslandsgeschäft deutlich an Bedeutung gewonnen.

Doch eben dieser Schritt führte letztlich in eine neue Abwärtsspirale. Denn das Unternehmen wurde von den starken Einschnitten bei den Solarstromtarifen in wichtigen europäischen Märkten kalt erwischt. Aufgrund sinkender Einspeisevergütungssätze für Solarstrom war die Renewagy A/S schon im Herbst 2010 bei weitem nicht mehr so viel wert wie ursprünglich angenommen. Deshalb musste Colexon eine Abschreibung von 63,4 Millionen Euro vornehmen. Aber auch ohne diese Abschreibung konnte der Vorstand um Thorsten Preugschas seine Jahresprognose nicht erfüllen. Noch im November 2010 stellte er einen operativen Gewinn (EBIT) von 13 bis 15 Millionen Euro für das Geschäftsjahr in Aussicht. Doch im Februar musste Colexon dann in einer Gewinnwarnung mitteilen, dass wohl nur ein EBIT von 9 bis 11 Millionen Euro erreicht wird. Diese neuen Zahlen hat Preugschas schon nicht mehr vorgestellt. Er gab seinen Posten Anfang 2011 auf, kurz nach der Gewinnwarnung verließ auch Finanzvorstand Henrik Christiansen das Unternehmen.

Das wird nun von Volker Hars geführt, der seit Februar 2010 dem Vorstand angehört. Er verantwortet nun den aktuellen Strategiewechsel. Der Schwerpunkt von Colexon soll nun auf dem Handel mit Solarmodulen und Komponenten liegen. Das von Großprojekten getragene Projektgeschäft der Gruppe wird zurückgefahren, auf ausgewählte Projekte primär im Dachbereich beschränkt. Projektbezogene Dienstleistungen will Colexon weiter anbieten.


„Das Handelssegment hat sich in den letzten Jahren extrem positiv entwickelt und sich gegenüber 2005 um das Fünfzehnfache auf 127,8 Millionen Euro Umsatz in 2009 erhöht“, erklärte dazu auf Anfrage von ECOreporter.de Unternehmenssprecher Jan Hutterer. Er verwies auf „enge und langjährige Beziehungen zu führenden Modulherstellern wie First Solar, Hyundai, Moser Baer und LDK“. Im Projektbereich führte er die „langjährigen Erfahrungen“ des Unternehmens bei Planung und Bau von Solarkraftwerken als Pluspunkte an.

Angesprochen auf die angekündigten Einschnitte beim bislang auf Großprojekte ausgerichteten Projektgeschäft gab Hutterer an, dass sich der Photovoltaikmarkt sich in den letzten Monaten stark gewandelt habe. Die Rahmenbedingungen in den für Colexon wichtigsten europäischen Auslandsmärkten wie Italien, Frankreich und Großbritannien hätten sich durch außerplanmäßige Reduzierung der staatlich garantierten Einspeisevergütungen gravierend verschlechtert. „In diesen Ländern hat Colexon einen Projektzugang von rund 50 Megawatt peak (MWp), der in diesem Umfang nicht mehr realisiert werden kann“, so der Unternehmenssprecher.


Das Unternehmen verfügt nach seinen Angaben in Deutschland über neun Solarkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 33,4 MWp. Darüber hinaus würden fünf Solarkraftwerke in Italien mit einer Größe von je 1 MWp gehalten. Die Gesellschaft plane einen Teilverkauf der Anlagen, „um die Effizienz des Portfolios weiter zu erhöhen und die Liquidität von Colexon zu stärken“. Welche Solarkraftwerke dies genau betrifft, könne Colexon zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht angeben.

Bildhinweis: Colexon ist auch außerhalb von Europa aktiv, wie dieses Projekt in Südkorea zeigt. / Quelle: Unternehmen


ECOreporter.de wollte von Hutterer erfahren, wie ist es um die Liquidität des Unternehmens konkret bestellt ist und welchem Umfang Colexon mit Verpflichtungen belastet ist. „Die langfristigen Schulden betrugen im letzten Quartalsbericht zum 30. September 2010 148,1 Millionen Euro“, sagte der Unternehmenssprecher dazu. „Mit 137,9 Millionen Euro betrifft der Großteil dieser Verbindlichkeiten die Finanzierung unserer eigenen Solarparks, die ohne Durchgriffshaftung gegenüber dem Mutterkonzern finanziert sind.“ Das künftige Geschäftsmodell solle sich unter anderem durch eine deutlich verringerte Kapitalintensität auszeichnen.

Die Börsianer reagierten bislang skeptisch auf die Pläne. Die Aktie von Colexon verlor gestern in Frankfurt nach deren Bekanntgabe 15 Prozent an Wert.

Colexon Energy AG: ISIN DE0005250708 / WKN 525070

Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x