Bau einer Biogasanlage. / Quelle: Fotolia

30.04.15 Anleihen / AIF

Neue Nachrangdarlehen der Grüne Werte Energie GmbH investieren in Biogas- und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen

Eine neue Reihe von Nachrangdarlehen zu Biogas- und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) hat die Grüne Werte Energie GmbH gestartet. Sie stellt dabei eine Verzinsung von bis zu 7,5 pro Jahr in Aussicht. Über ihre fünf Angebote können Anleger in deutsche Projekte investieren sowie in Italien, Lettland und Kroatien. Welche Konditionen bieten die Angebote? Bergen die Auslandsinvestments zusätzliche Risiken? ECOreporter.de hat bei dem Unternehmen aus Grünwald bei München nachgefragt.

Die Grüne Werte Energie GmbH hatte bislang ganz herkömmlich Nachrangdarlehen angeboten. Neuerdings setzt sie mit einer eigenen Crowdfunding-Plattform auch auf Schwarmfinanzierung.  Sie hat unter dem Titel „bürgerzins“ eine eigene Internetseite gestartet, auf der Crowdfunding-Kampagnen laufen. Betreiber ist mit der Bürgerzins GmbH eine 100%ige Tochter der Grüne Werte Energie GmbH. Die erste Kampagne der im April gestarteten Plattform betrifft das Nachrangdarlehen „Pellet Bonus 1“. Dieses Darlehen soll bis zu 135.000 Euro für eine Anlage zur Verfüllung von Pellets in Säcke zusammenbringen. Projektpartner ist nach Unternehmensangaben der in der Eifel ansässige Energieholzhersteller MegaPellet GmbH. Crowdfunding unterscheidet sich von weniger digitalen Investmentangeboten vor allem durch vergleichsweise niedrige Einstiegsschwellen für Anleger. Für „Pellet Bonus 1“ liegt diese bei 250 Euro. Nach drei Jahren, für 30. Juni 2018, erfolgt die Rückzahlung an die Investoren. Den Anlegern wird eine Verzinsung von 4,5 Prozent in Aussicht gestellt. Investoren, die zudem Kunden der MegaPellet sind, erhalten zusätzlich einen Preisnachlass von 4,5 Prozent auf ihren nächsten Pellet-Kauf, wenn sie mindestens 3.000 Euro in das Nachrangdarlehen anlegen.

Anleger erhalten zwischen 4,0 und 7,5 Prozent Zinsen

Außerdem setzt die Grüne Werte Energie GmbH ihre Reihe konventionell vertriebener Nachrangdarlehen mit vier weiteren Neuauflagen fort. Es handelt sich um die Geldanlagen „Wertzins Plan 1“, „Wertzins Plus 2“, „Wertzins Fest 3“ und „Wertzins Klassik 3“. Über zwei dieser Angebote will die Grüne Werte Energie GmbH drei Millionen Euro einwerben. Über die anderen beiden sollen jeweils 3,5 Millionen Euro eingeworben werden. Für alle Angebote hält sich die Grüne Werte Energie GmbH Erweiterungsoptionen offen, das angestrebte Anlagekapital jeweils zu verdoppeln. Das heißt: die Grüne Werte Energie GmbH hat das Ziel, zwischen 13 und 26 Millionen Euro für Biomasse- und Energieholzvorhaben bei Anlegern einzusammeln.

Diese vier Nachrangdarlehen unterscheiden in Sachen Laufzeiten, bei der jeweiligen Verzinsung und – in einem Fall – bei der Einstiegsschwelle. Bei den drei Angeboten  „Wertzins Plus 2“, „Wertzins Fest 3“ und „Wertzins Klassik 3“ können Anleger sich ab 5.000 Euro beteiligen. Beim „Wertzins Plan 1“ liegt die Einstiegsschwelle bei 20.000 Euro. Die Laufzeiten für drei dieser Nachrangdarlehen sind wählbar. Das gilt für „Wertzins Plan 1“, „Wertzins Plus 2“ und „Wertzins Fest 3“, nicht aber für das Angebot „Wertzins Klassik 3“, bei dem eine jährliche Kündigungsoption bei einer Maximal-Laufzeit bis 2026 besteht. Bei den anderen Angeboten reicht die Laufzeit maximal bis 2027. Die kürzeste Anlagedauer bieten die Nachrangdarlehen der „Wertzins Plus 2“. Hier kann man als Anleger die Auszahlung bereits für Ende 2017 festlegen. Für das Angebot „Wertzins Fest 3“ veranschlagt die Grüne Werte Energie GmbH eine Mindestlaufzeit bis Ende 2018, für „Wertzins Plan 1“ bis zum 30. November 2021. Stets gilt: Wer sein Geld länger zur Verfügung stellt, erhält höhere Zinsen. Die vereinbarten Zinsen der verschiedenen Varianten bewegen sich zwischen 4,0 und 7,5 Prozent.  

Neustart des Angebotes nach Wechsel in der Geschäftsführung

Die Grüne Werte Energie GmbH brachte diese neuen Produkte auf den Markt, nachdem sie aufgrund eines Wechsels in der Geschäftsführung Ende Januar vorzeitig alle bislang angebotenen offenen Geldanlagen geschlossen hatte. Marion Engmann betreut die Anleger des Unternehmens. Sie erklärte gegenüber ECOreporter.de, was zu diesem Schritt führte: „Aufgrund des Weggangs von Philipp Freisem, lange Zeit neben Ulrich Zemke Geschäftsführer der Grüne Werte Energie GmbH, war es erforderlich, die laufenden Angebote vorzeitig zu schließen und die Neuauflage vorzubereiten“, sagt sie. Dies sei dann in nur wenigen Wochen umgesetzt worden. Ohnehin sei die Konzeption der Geldanlagen bereits im vergangenen Jahr maßgeblich von ihr selbst und ihrem Kollegen Christian Böttcher verantwortet worden. In der etwas mehr als zweijährigen Unternehmensgeschichte haben nach ihren Angaben bislang rund 1.350 Anleger der Grüne Werte Energie GmbH rund 23,5 Millionen Euro anvertraut. Stets seien alle Zinszahlungen der bis dato aufgelegten Geldanlagen termingerecht und vereinbarungsgemäß geleistet worden.
Neuer Geschäftsführer und damit Nachfolger von  Freisem ist Thomas Priermeier. „Wir sind zukunftsorientiert aufgestellt und bestens vorbereitet, um auf Herausforderungen am Markt reagieren zu können. Dies umfasst auch die Anforderungen weiterer gesetzlicher Änderungen, die in den nächsten Monaten auf uns zukommen können“, sagte er  gegenüber ECOreporter.de.

Geschäftsführer sieht bei den Auslandsgeschäften keinen Grund für Bedenken

Das Kapital, das Anleger in die vier neuen Nachrangdarlehen der Grüne Werte Energie GmbH investieren, soll in den Bau beziehungsweise die Erweiterung mehrerer Biogas- und KWK-Anlagen in Italien, Lettland und Kroatien fließen. In Lettland sei zusätzlich zu einer bereits bestehenden Biogasanlage der Bau eines Pelletwerkes geplant, erläuterte dazu Geschäftsführer Ulrich Zemke. Die Erschließung weiterer neuer Standorte für Biomassekraftwerke in anderen Ländern sei hingingen in den kommenden zwei Jahren nicht vorgesehen, erklärt er. Bedenken, dass insbesondere Lettland als ehemalige Sowjetrepublik mit der Ukraine-Krise ein unsicherer Standort für Investments sein könnte, trat Zemke entgegen. Das Land habe seinen Haushalt in den vergangenen Jahren stabilisiert. Das gesamte Baltikum erhalte Geld von der EU für den wirtschaftlichen Aufschwung. Zudem beabsichtige die lettische Regierung, sich weiter von der energiepolitischen Abhängigkeit von Russland zu lösen, so der Geschäftsführer der Grüne Werte Energie GmbH. 

Bildhinweis: Biogasanlagen erzeugen erneuerbare Energie. / Quelle: Fotolia

Italien hat im Verlauf der Euroschuldenkrise massive Einschnitte bei der Einspeisevergütung des Stroms aus Erneuerbaren Energien vorgenommen. Doch weder das laufende Biomassekraftwerk des Unternehmens in San Rocco noch ein geplantes in San Martino sei von diesen Einschnitten betroffen, betonte Zemke gegenüber ECOreporter.de. „Mit der Entscheidung in Italien nicht in klassische Biomasse wie Mais oder Holz zu investieren, sondern in Biomasseanlagen die ausschließlich mit Mist und Gülle betrieben werden, haben wir die richtige Wahl getroffen. Die Vergütungen hierfür sind stabil geblieben. Nach unseren derzeitigen Erkenntnissen werden diese mit der nächsten Anpassung sogar wieder steigen“, so Zemke weiter. 
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