26.08.11 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Neue Spekulationen um US-Projekte von Solar-Millennium - Aktie sackt weiter ab



Der kurzfristige Technologieschwenk hin zur Photovoltaik, den Solar Millennium unmittelbar zu Baubeginn ihres Großprojektes im kalifornischen Blythe vollzogen hat (ECOreporter.de Opens external link in new windowberichtete), sorgt weiterhin für Verunsicherung an der Börse: Allein in den für das Erlanger Unternehmen turbulenten vergangenen sieben Tagen sackte ihr Kurs im Xetra der Deutschen Börse um 45 Prozent auf 4,05 Euro ab (Stand heute 11:04 Uhr). Auf Jahressicht beträgt der Kursverlust sogar mehr als 78 Prozent. Der Kern der Probleme: Solar Millennium setzte bisher allein auf solarthermische Großkraftwerke. Bei dieser Technik wird Sonnenlicht gebündelt und erhitzt eine Flüssigkeit, die dann eine Turbine antreibt, wodurch letztlich Strom erzeugt wird. Nun will Solar Millennium in den USA eine zweite Technologie einsetzen: Die bekannte Photovoltaik, bei der das Sonnenlicht direkt in Strom verwandelt wird. Verunsicherung herrscht nun darüber, ob Solar Millennium "nur" bei vielen geplanten US-Projekten die Solarthermie durch die Photovoltaik ersetzen wird - oder ob nicht viele Projekte vor dem Aus stehen.


Insgesamt arbeitet die US-amerikanische Abteilung von Solar Millennium Unternehmensangaben zufolge an Projekten mit zusammengenommen 2250 MW. Die Ankündigung, Solar Millennium werde am Standort Blythe für die ersten 500 Megawatt (MW) Leistungskapazität des 1000 MW-Solarkraftwerksprojekts auf Photovoltaik setzen, hatte schon in der vergangenen Woche gehörig Staub aufgewirbelt. Nachdem Solar Millennium allerdings die planmäßige Rückzahlung einer Unternehmensanleihe von 2006 im Wert von 20 Millionen Euro bekannt gegeben hatte, war die Aktie kurzeitig etwas zur Ruhe gekommen. Für neuen Wirbel sorgte jedoch ein Bericht des Manager-Magazins. Demzufolge sollen US-Projekte mit 1250 MW geplanter Leistungskapazität an den Standorten Ridgecrest und Palen in Kalifornien sowie in Amargosa in Nevada auf Eis liegen, weil derzeit geprüft werde, bei welchem dieser Projekte ebenfalls auf Photovoltaik gesetzt werden könne.

 
„Klar ist, dass für alle unsere Projekte in den USA derzeit dieselben Marktbedingungen herrschen wie in Blythe“, erklärt Unternehmenssprecherin Susanne Krebs gegenüber ECOreporter.de. Photovoltaik sei gegenüber der sogenannten Concentrated Solar Power-Technologie, wie solarthermische Kraftwerke in den USA genannt werden, deutlich günstiger, die Vorteile von CSP wären nicht in den Stromtarifen berücksichtigt. „Deshalb sind wir froh, jetzt so flexibel sein zu können, im Bedarfsfall eine alternative Solarenergieform neben der CSP-Technologie zu haben“, so Krebs.

„Einsatz von Photovoltaik für weitere US-Projekte denkbar“
Allerdings bestätigte die Unternehmenssprecherin gegenüber ECOreporter.de, dass Solar Millennium das Genehmigungsverfahren des 250 MW starken CSP-Projektes nahe Ridgecrest vor mehr als einem Jahr unterbrochen hatte. „Es ist denkbar, dass die Verantwortlichen vor Ort prüfen, inwiefern Photovoltaik auch für dieses Projekt eine praktikable Lösung sein könnte“, so Krebs weiter. Davon, dass weitere US-Projekte von Solar Millennium auf Eis gelegt, oder gar vor dem Aus stehen könnten, könne jedoch keine Rede sein, stellt sie klar. „Die einzelnen Vorhaben befinden sich in unterschiedlichen Planungsphasen, die Realisierung ist teilweise erst in einigen Jahren geplant“, erklärt Krebs. Deshalb sei es für diese Kraftwerke schlicht zu früh, um zu sagen, welche Technologie Solar Millennium dort einsetzen werde.

Maßgebliche Konditionen der jüngsten Anleihe weiter unberührt

Solar Millennium bietet unter anderem zur Finanzierung seiner US-Aktivitäten derzeit eine Anleihe mit 100 Millionen Euro Volumen an. Der Prospekt zum Beteiligungsangebot müsse nicht über die bereits angekündigte Anpassung hinaus verändert werden, so Krebs. Maßgebliche Konditionen, wie der 6-prozentige Festzins der Anleihe, bleiben also weiterhin unberührt. „Anleger sollten die Anleihe projektunabhängiger sehen, also als eine Investition in das Unternehmen. Und Solar Millennium ist als Solarprojektierer mit zwei Technologien in den USA nun breiter aufgestellt“, sagt Krebs.


Auch jenseits des Amerikageschäfts läuft derzeit nicht alles rund für die Solar Millennium AG. Unter Druck geriet Solar Millennium in den vergangenen Wochen nicht nur wegen des schwachen Halbjahresergebnisses für das laufende Geschäftsjahr. Belastet wird das Unternehmen durch den langjährigen Rechtsstreit mit 74-Tage-Vorstand Utz Claassen und die Betrugsvorwürfe gegen Unternehmensgründer und Aufsichtsrat Hannes Kuhn.

Solar Millennium AG: ISIN DE0007218406 / WKN 721840

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