Christoph Kuss von der Bank im Bistum Essen. / Foto: Unternehmen

26.09.17 Finanzdienstleister , Fonds / ETF

Neuer nachhaltiger Aktienfonds: Gegen den Klimawandel

Die Bank im Bistum Essen hat einen neuen nachhaltigen Aktienfonds auf den Markt gebracht. Der Fonds basiert auf christlichen Werten, und er soll die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen abbilden, indem er seine Aktien entsprechend auswählt. Wie das geht und welche Aktien dabei konkret herausgekommen sind, verrät Christoph Kuss, der stellvertretende Leiter Vermögensmanagement der Essener Bank, im Interview.


ECOreporter.de:  Was unterscheidet den BIB Nachhaltigkeit Aktien Global von anderen nachhaltigen Aktienfonds auf dem Markt?

Christoph Kuss:  Wir verwenden für den Fonds einen Nachhaltigkeitsfilter, der eine Vielzahl an Negativ- und Positivkriterien enthält. Daneben arbeiten wir aber mit einem zusätzlichen, speziellen Filter. Dieser berücksichtigt die sogenannten Sustainable Development Goals, kurz SDG, der Vereinten Nationen.

Können Sie kurz den Hintergrund erläutern?

Wir wollen mit dem neuen Fonds auch einen Beitrag leisten hin zu mehr Klimaschutz und einer gerechteren Welt. Die SDG sind ja Ziele für nachhaltige Entwicklung, und die sind konkret: Beispielsweise, Armut in all ihren Formen und überall zu beenden, gerechte und hochwertige Bildung zu gewährleisten, es geht um Wasser und Sanitärversorgung für alle, um widerstandsfähige Infrastruktur und nachhaltige Industrialisierung, Bekämpfung des Klimawandels, Schutz der Ozeane und anderes.

Wie setzt der Aktienfonds das in der Realität um?

Der Fonds investiert auch in Unternehmen, die einen positiven Beitrag zu Nachhaltigkeitszielen leisten. Für die Recherche in diesem Bereich arbeiten wir mit der imug Beratungsgesellschaft aus Hannover zusammen. Die insgesamt 17 Nachhaltigkeitsziele bricht imug auf 9 Themenfelder herunter, um Überlappungen zu vermeiden. Die Themenfelder sind beispielsweise Zugang zu Informationen, Energiewende und Klimawandel, Ernährung, Gesundheit, Infrastruktur, nachhaltige Finanzen, Wasser und Sanitär, Schutz der Ökosysteme. Eine zuvor auf der Basis wissenschaftlicher Studien und anderer Grundlagen erstellte Datenbasis ermöglicht es, den Zusammenhang zwischen diesen Themen und Unternehmen herzustellen. Jedes Unternehmen, das für den Fonds in Frage kommt, wird auf die jeweiligen Geschäftsaktivitäten hin geprüft und der Umsatzanteil oder entsprechende Vergleichsindikatoren gemessen. Der Gesamtanteil der positiven Produkte und Dienstleistungen wird ebenfalls erfasst und dann eingeordnet: Welche Bedeutung hat er für das jeweilige Nachhaltigkeitsziel – keine Bedeutung, wenig, signifikant viel, viel – undsoweiter.

Das hört sich nach viel Bewertungsarbeit an. Lassen Sie uns bitte schauen, in welche Aktien der Fonds konkret investiert?

Es sind Aktien von Versicherungen im Fonds, Private-Equity-Unternehmen, das Pharmaunternehmen Baxter International oder das Bauunternehmen Taylor Wimpey – um nur wenige Beispiele zu nennen. Diese und andere zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich sowohl bei den Positivkriterien besser als ihre Konkurrenten verhalten als auch keines unserer Ausschlusskriterien verletzen. Baxter International ist z.B. eingestuft als eines der nachhaltigsten seiner Branche. Die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens sind zudem im Bereich Gesundheit mehrheitlich positiv und tragen so dazu bei, eines der Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Taylor Wimpey bietet Lösungen im Bereich Green Buildings und Wohnen an – auch das ein Beitrag zu einem Nachhaltigkeitsziel.

Wo spiegeln sich christliche Anlage- und Auswahlkriterien im Fonds wieder?

In allen Punkten, die zu einer positiven sozialen und ökologischen Entwicklung beitragen. Bei den Positivkriterien sind dies z.B. eine schonende Ressourcennutzung und Nutzung alternativer Energien, Korruptionsbekämpfung und Rekrutierung sowie Förderung der Mitarbeiter, Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Bei den Negativkriterien werden christliche Werte berücksichtigt u.a. durch den Ausschluss von Pornographie, Atomenergie und Zwangsarbeit bzw. Kinderarbeit auf Unternehmensebene sowie beispielsweise dem Besitz von Atomwaffen, das Praktizieren der Todesstrafe und eine eingeschränkte Religionsfreiheit auf Länderebene.

Inwiefern gehört "Engagement" zum Konzept des Aktienfonds, stimmen beispielsweise Vertreter des Fonds auf Hauptversammlungen der Aktiengesellschaften ab, in die der Fonds investiert? Oder wirken Fondsvertreter direkt auf Unternehmen ein, um sie zu mehr für Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu motivieren?

Der Fonds selbst betreibt kein Engagement, jedoch wird Engagement bereits auf Bankebene bei den Eigenanlagen durchgeführt, bei denen ein ähnlicher Filter zugrunde liegt (siehe hier).

Wir stellen in unseren Fondsvergleichstest eine Tendenz zu immer höheren Gesamtkosten bei nachhaltigen Aktienfonds fest, beispielweise bezieht sich das auf die Kosten des Fondsmanagements. Wie verhält sich Ihr neues Produkt hier?

Neben den Nachhaltigkeitskriterien war es uns wichtig, einen Aktienfonds aufzulegen, der eine sehr günstige Kostenstruktur aufweist. Mit einer Verwaltungsvergütung von unter einem Prozent hebt er sich deutlich positiv von anderen Aktienfonds im Markt ab.

Ist auch ein Sparplan möglich?

Der Fonds, der im Februar 2017 startete, ist sparplanfähig - ab 50 Euro pro Rate!

Herr Kuss, vielen Dank für Ihr Gespräch.


Der Finanzökonom (EBS/ADG) und Certified Financial Planner Christoph Kuss ist stellvertretender Leiter Vermögensmanagement bei der Bank im Bistum Essen.
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