Der Schwimmkran Matador bringt die 900 Tonnen schwere Umspannstation ins Baufeld von EnBW Windpark Baltic 1. / Quelle: EnBW / Matthias Ibeler

  Erneuerbare Energie

Neuer Rückschlag für Hochsee-Windkraft: EnBW stoppt Großvorhaben

Der Ausbau der Hochsee-Windkraft in deutschen Gewässern ist offenbar um ein wenig rühmliches Kapitel reicher: Der Energiekonzern EnBW gab den Stopp seines 400 Megawatt starken Offshore-Windpark-Projekts „Hohe See“ bekannt.

Das Problem: Laut EnBW habe der zuständige Netzbetreiber TenneT keinen verbindlichen Termin für den Stromnetzanschluss der Nordsee-Windfarm garantieren können. Damit falle das Projekt im Verfahren zur Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes nicht mehr unter den dort vorgesehenen Bestandsschutz für die Stromnetzanbindung von Offshore-Windparks, erklärte der Sprecher Geschäftsführung der EnBW Erneuerbare Energien GmbH, Stefan Thiele. „Dies ist ein höchst bedauerlicher Fakt, dem wir aber Rechnung tragen müssen", so Thiele. Gesetzgeberische Klarheit und verlässliche Rahmenbedingungen seien Grundvoraussetzungen dafür, dass die EnBW eine Investitionsentscheidung von deutlich über 1,5 Milliarden Euro treffe, fügte EnBW-Technikvorstand Hans-Josef Zimmer hinzu. Ursprünglich sollte mit dem Bau von „Hohe See“ auf einer 50 Quadratkilometer großen Fläche, 90 Kilometer nördlich der Insel Borkum, bis zum Jahresende begonnen werden.

Es scheint, als habe sich ein negativer Domino-Effekt beim von der Bundesregierung forcierten Ausbau der Hochsee-Windkraft eingestellt. Denn mit dem Stopp von „Hohe See“ ist auch die Errichtung eines zweiten EnBW Offshore-Projekts in weitere Ferne gerückt. Bei der Umsetzung der Windfarm He Dreiht, die 85 Kilometer nordöstlich von Borkum voll ausgebaut auf bis zu 595 MW kommen soll, wollte EnBW die Erfahrungen aus der Realisierung von Hohe See einfließen lassen.

Und allein in der zweiten Jahreshälfte 2012 wurden mit dem Schritt der EnBW nun schon drei Hochsee-Windkraft-Großprojekte auf Eis gelegt. Deren geplante Gesamtleistungskapazität würde die eines modernen Atomkraftwerks übersteigen so sie denn realisiert werden: Zuvor schon hatten die Energiekonzerne RWE und Dong Energy in der jüngeren Vergangenheit ihre Offshore-Windkraft-Vorhaben Innogy Nordsee 1 und Borkum Riffgrund 2 mit zusammen 1.300 MW geplanter Leistungskapazität auf unbestimmte Zeit verschoben. (Mehr dazu erfahren Sie Opens external link in new windowhier und Opens external link in new windowhier). Alle drei Konzerne betonen, die Bauvorhaben nicht vollends fallen lassen zu wollen. Dennoch: zahlreiche Offshore-Windkraftvorhaben liegen teils Jahre hinter den ursprünglichen Zeitplänen (Opens external link in new windowdieser Artikel erläutert die Problemlage am Beispiel des Offshore-Windkraftvorhabens BARD Offshore 1).

Die Windenergie-Agentur WAB warnt vor den schweren Folgen für die involvierte Industrie: „Die politische Untätigkeit wird nun teuer. Firmenpleiten und Arbeitsplatzverluste kann niemand wollen. Diese Entwicklung wäre vermeidbar gewesen erwähnen. Wir werden nicht müde zu erwähnen,dass die Zulieferfirmen im Vertrauen auf die von der Politik gemachten Ausbaupläne, Produktionskapazitäten aufgebaut haben, die nun Gefahr laufen, umsonst gewesen zu sein“, so Ronny Meyer, WAB-Geschäftsführer der Windenergie-Agentur.
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