23.10.09 Anleihen / AIF , ECOanlagecheck

Neuer Solarfonds der KGAL – Ist der „Infra Class Energie 5“ ein gutes Geschäft für den Anleger?

Einen Solarfonds, der Solaranlagen in Spanien, Griechenland und Italien erwerben will, bietet die KG Allgemeine Leasing (KGAL) derzeit an. Anleger können sich ab 10.000 Euro plus fünf Prozent Agio an dem Fonds InfraClass Energie 5 beteiligen. ECOreporter.de hat das Solarstromangebot geprüft und gibt eine Empfehlung.

Es handelt sich beim InfraClass Energie 5 um einen Blindpool, d.h. es steht nicht fest, in welche und wie viele Anlagen investiert wird. Auch die Ländergewichtung ist noch offen. Der Fonds kauft nur Anlagen, die einen neun Punkte umfassenden Kriterienkatalog erfüllen. Generalunternehmer der Anlagen sollen z.B. die a+f GmbH und die Phoenix Solar AG aus Sulzemoos sein. Als technischen Berater und Controller verpflichtete KGAL die Evergy Engineering GmbH.



Rechtliche Konstruktion


Anleger werden Kommanditisten der InfraClass Energie 5 GmbH & Co. KG. In der Regel ist die mittelbare Beteiligung als Treugeber über die Treuhänderin Tertia Zweite Beteiligungstreuhand GmbH vorgesehen. Der Anleger kann jedoch im Zeichnungsschein festlegen, ob er Direktkommanditist mit Eintragung ins Handelsregister werden will. Die Treuhänderin ist zu 100 Prozent im Besitz der KGAL. Wichtiges Detail: Der Treuhänder übt die Stimmrechte des Anlegers auf Gesellschafterversammlungen nur aus, wenn er vom Anleger entsprechende Weisung erhalten hat.

Der Fonds investiert nicht direkt in die Solaranlagen, sondern in die für jeden Standort zu gründenden Objektgesellschaften. Hieran soll der Fonds jeweils 100 Prozent halten.


Eigenkapitalhöhe, Platzierungsgarantie und Mittelverwendungskontrolle


Zunächst sind gemäß Investitions- und Finanzierungsplan für den InfraClass Energie 5 bis zu 50 Millionen Euro Eigenkapital zur Platzierung eingeplant. Für eine Zeichnungssumme von 35 Millionen Euro hat die KGAL eine Platzierungsgarantie übernommen. Dies ist gleichzeitig auch die Mindesteigenkapitalbasis des Fonds. Die Platzierungsgarantie bietet dem Fonds laut Fondsmanagement die Chance, bereits jetzt in interessante Anlagen zu investieren. Der Fremdkapitalanteil in den Objektgesellschaften kann bis zu 75 Prozent betragen.

Die Zeichnungsfrist für den Fonds endet am 31.12.2010. Eine Verlängerung bis zum 31.12.2011 ist möglich. Anleger erhalten vom ersten Tag des Monats, der dem Tag des Beitritts folgt, bis einschließlich dem ersten Tag des Monats, der auf den Ablauf der Zeichnungsfrist folgt, eine Verzinsung ihrer Einlage inklusive Agio von 2,86 Prozent Jahreszins.

Es besteht keine unabhängige Mittelverwendungskontrolle. Laut Aussage des Fondsmanagement akzeptieren die Banken aufgrund des Renommées der KGAL den Verzicht auf eine Mittelverwendungskontrolle. Die Einhaltung der Investitionskriterien für jede Anlage (bis auf Gutachten und Rendite) prüft jeweils eine örtliche Rechtsanwaltskanzlei.


Fondsnebenkosten

Der Anteil der Fondsnebenkosten an den Gesamtinvestitionskosten hängt von der noch festzulegenden Fremdkapitalquote ab. Im Fondsprospekt ist beispielhaft ein Investitions- und Finanzierungsplan für ein platziertes Kommanditkapital von 50 Millionen Euro und ein Fremdkapital in Höhe von zirka 63 Prozent des Gesamtinvestitionsvolumens dargestellt. In diesem Fall sollen die Fondsnebenkosten 7,3 Prozent der Gesamtinvestitionskosten betragen. Die drei größten Kostenpositionen sind: Eigenkapitalvermittlung (4,65 Millionen Euro), Fremdkapitalvermittlung (3,13 Millionen Euro) und Konzeptionsgebühr (1,75 Millionen Euro). Der überwiegende Teil der Kosten sind Vergütungen, die in Abhängigkeit vom Fondsvolumen vereinbart sind.

Für die Eigen- und Fremdkapitalvermittlung ist die Alcas GmbH verantwortlich. Sie ist eine 100-prozentige Tochter der KGAL. Bezogen auf das Eigenkapital inklusive Agio sollen 80 Prozent in die Investitionen der Objektgesellschaften fließen. Bezogen auf die Gesamtinvestition soll die Substanzquote laut Beispielrechnung 92,6 Prozent betragen.


Laufende Kosten

In ihrer Beispielrechnung (siehe Fondsnebenkosten) setzt die KGAL bis 2024 Betriebs- und Fondskosten von rund 20 Prozent bezogen auf die Stromerlöse an. Hiervon sollen wiederum laut Fondsmanagement 42 Prozent oder zirka 1,2 Millionen Euro pro Jahr auf die reine Verwaltung des Fonds entfallen. Die restlichen 58 Prozent der Kosten umfassen Wartung und Instandhaltung, Versicherungen, Besicherung der Anlagen sowie den technischen Berater.


Laufzeit und Ausschüttung

Die Laufzeit des Fonds ist nicht befristet. Im Emissionsprospekt ist beispielhaft ein Verkauf zum 31.12.2024 dargestellt. Möglich sei aber auch ein früherer Verkaufszeitpunkt oder eine längere Laufzeit. Früheste Kündigungsmöglichkeit für den Anleger ist der 31.12.2035.

Laut Fondsprospekt strebt die KGAL eine IRR-Rendite (Rendite nach dem Internen Zinsfuss) nach Steuern von mindestens 5,7 Prozent (bezogen auf das Eigenkapital inklusive Agio) für jede Objektgesellschaft an. Dies ist so auch im Gesellschaftsvertrag festgelegt. Diese Rendite nach Steuern entspricht laut Fondsmanagement ungefähr einer Vorsteuerrendite von acht Prozent.

Die erste Ausschüttung soll in 2011 erfolgen. Die Gesamtausschüttung beträgt laut der Beispielrechnung bis 2024 inklusive Kapitalrückzahlung 181 Prozent (bezogen auf das Eigenkapital inklusive Agio). Beim Anleger sollen die Ausschüttungen bis auf einen kleinen Zinsanteil nur noch dem Progressionsvorbehalt unterliegen.

An Ausschüttungen, die über der Referenzliste der Beispielrechnung liegen, profitiert die KGAL zu 20 Prozent. Ob dies auch für die technischen Betriebsführer gelten wird, ist noch offen.


Technik und Erträge


Aufgrund der bisher nicht bekannten Investitionsobjekte gibt es zur Technik im Fondsprospekt keine Aussage. Eine Nachfrage von ECOreporter.de beim Fondsmanagement ergab, dass der Fonds grundsätzlich offen ist für alle Arten von Solarmodulen und Wechselrichtern. Entscheidend sei die Beurteilung durch das beratende Ingenieurbüro, Prüfzertifikate des TÜVs sowie die Bonität und die Erfahrung des Herstellers.

Wichtigste Grundlage für die Erträge sind neben der Sonneneinstrahlung die gesetzlichen Einspeisevergütungen der Länder.

Durch das mit dem deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergleichbare spanische Königliche Dekret RD 1578/2008 (bei älteren Anlagen 661/2007) gilt die Einspeisevergütung für 25 Jahre ab Inbetriebnahme als gesichert. Auf Basis des spanischen Verbraucherpreisindex IPC wird sie jährlich angepasst.

Für Italien und Griechenland gelten Einspeisevergütungen von 20 Jahren, teilweise auch mit Inflationsanpassung. Für jede in das Stromnetz eingespeiste Kilowattstunde erhalten die Solaranlagenbetreiber in den drei Ländern zwischen 32 Cent (Spanien) und 40 Cent (Griechenland) pro kwh.


Ökologische Wirkung

Die ökologische Wirkung ist grundsätzlich positiv. Spanien, Italien und Griechenland sind als Standort für photovoltaische Anlagen generell hervorragend geeignet. Die Globalstrahlung der Sonne in diesen Ländern liegt bei bis zu 1.900 Kilowattstunden pro Quadratmeter. In Deutschland liegen vergleichbare Werte bei 1.000 KWh pro qm. Bezüglich einer möglichen Landschaftsversiegelung durch Freilandanlagen gibt es laut Fondsmanagement keine Ausschlusskriterien. Wo es vorgeschrieben ist, werden die notwendigen Umweltgutachten eingeholt.


Risiko

Der Blindpool-Charakter des Fonds bringt es mit sich, dass eine Risikobeurteilung schwer fällt. So steht z.B. noch nicht fest, in welches der Länder Spanien, Griechenland oder Italien wie viel investiert wird. Darüber hinaus hat der Fonds grundsätzlich auch die Möglichkeit, in weitere Euro-Länder zu investieren, die über eine gesetzliche Einspeisevergütung verfügen. Auch die Technologien der Anlagen, Dünnschicht oder kristallin, Dach- oder Freilandanlagen geschweige denn die Modul- und Wechselrichterhersteller stehen fest.

Laut Fondsprospekt werden alle möglichen Investitionsobjekte an Hand eines neun Punkte umfassenden Kriterienkatalogs geprüft. Diese sind im Gesellschaftsvertrag hinterlegt. Unter anderem müssen alle erforderlichen Genehmigungen und zwei Ertragsgutachten vorliegen. Und die Projekte müssen eine Mindestverzinsung von 5,7 Prozent nach Steuern (bezogen auf Eigenkapital + Agio) aufweisen. Laut Fondsmanagement fließen folgende „Sicherheitsparameter“ in die Berechnung der Mindestverzinsung ein: Berücksichtigung einer Minderleistung der Solaranlagen über die Jahre (Degradation), je nach Anlagetyp zwischen 0,3 Prozent für kristalline Module und 0,5 Prozent für Dünnschichtmodule, ein zusätzlicher Sicherheitsabschlag von drei Prozent auf die Solargutachten und Unterstellung des Restbuchwertes der Anlage am Ende des Einspeisevergütungszeitraums in Höhe der Rückbauverpflichtungen.

Für 12 Projekte über 82 Megawatt peak hat sich die KGAL entweder bereits die Projektrechte oder eine Exklusivität zum Erwerb der Anlagen gesichert. Dies entspricht laut Fondsprospekt einem Investitionsvolumen von über 400 Millionen Euro. Der größte Teil der möglichen Objekte entfällt mit 44 Prozent auf Italien (insbesondere Tosacana), 24 Prozent auf Kastilien (Spanien) und der Rest auf Griechenland.

Laut Aussage des Fondsmanagement befinden sich zwei Objekte kurz vor dem Vertragsabschluss.

Angesichts des Blindpool-Charakter des Fonds ist es um so wichtiger, dass die Anbieter und Partner des Fonds über umfangreiche Erfahrung im Bau und Betrieb von Solaranlagen in verschiedenen Ländern verfügen.

Die KGAL mit Sitz in Grünwald südlich von München ist ein erfahrener Initiator. Zusammen mit ihrer Tochter Alcas hat sie eigenen Angaben zufolge insgesamt 323 Beteiligungsangebote mit einem Gesamtvolumen von rund 23,4 Milliarden Euro initiiert (Stand: 31.12.2008). An den Projekten beteiligten sich rund 126.000 private und institutionelle Investoren mit einem Eigenkapital in Höhe von rund 10,3 Milliarden Euro. Das Unternehmen selbst wird von vier Gesellschaftern getragen: Der Commerzbank (45 Prozent der Anteile), der BayernLB (30 Prozent der Anteile), der HASPA Finanzholding (15 Prozent der Anteile) und der Bank Sal. Oppenheim (10 Prozent der Anteile).

Der InfraClass Energie 5 ist der fünfte Solarenergiefonds der KGAL. Inzwischen kümmert sich ein dreizehnköpfiges Team bei der KGAL um Infrastrukturprojekte mit dem Schwerpunkt Neue Energien.
Die Solaranlagen der bestehenden Fonds wurden in Deutschland und Spanien errichtet. In Griechenland und Italien hat die KGAL bisher keine Solaranlagen. Die Ausschüttungen von zwei der bestehenden Projekte laufen im Rahmen der Prognosen, ein Fonds hat diese deutlich übertroffen.

Der Fonds investiert entweder in bereits fertig erstellte Solaranlagen oder die Objektgesellschaft eines Anlagenstandorts beauftragt einen Generalunternehmer zum schlüsselfertigen Bau der Anlage. Der potentielle Generalunternehmer Phoenix Solar ist ein erfahrener deutscher Solarprojektentwickler, der Tochtergesellschaften in vielen europäischen Ländern hat. Phoenix Solar leistet für die von Ihr erstellten Anlagen auch den Service der Inspektion, Wartung und Reparatur der Wechselrichter. Weiterer möglicher Partner bei der Errichtung der Photovoltaikanlagen ist die a+f GmbH, eine Tochtergesellschaft der Gildemeister AG.

Wie beim InfraClass Energie 4 soll die Evergy Engineering GmbH , laut Fondsprospekt ein Ingenieurspezialist für Energieprojekte, wieder die technische Projektprüfung und Kontrolle der Bauphase sowie das anschließende Controlling durchführen. Die Gutachter für die Ertragsgutachten stehen noch nicht fest.

Typisch für Blindpools: Die Fondsgesellschaft hat bisher keine Kreditverträge abgeschlossen.


Fazit:

Finanziell

Die KGAL ist eine sehr erfahrene Initiatorin. Das Unternehmen kann eine gute Leistungsbilanz seiner bisherigen Solarprojekte vorweisen. Mit der Phoenix Solar wurde darüber hinaus ein erfahrener Partner langfristig verpflichtet.

Die prognostizierte Mindestrendite von 5,7 Prozent nach Steuern erscheint betont niedrig angesetzt. Vor dem Hintergrund der ausgezeichneten Standortbedingungen in den drei südeuropäischen Ländern und der attraktiven Einspeisevergütungen sollte es der KGAL gelingen, höhere Erträge zu erwirtschaften.

Negativ fällt ins Gewicht: Der Treuhänder ist nicht unabhängig. Es gibt es keine Mittelverwendungskontrolle. Die laufenden Betriebskosten erscheinen mit 20 Prozent der Stromerlöse hoch.

Wenn es nicht zu einem vorzeitigen Verkauf der Anlagen kommt, ist der Anleger sehr lange gebunden.


Nachhaltigkeit

Solaranlagen in den sonnereichen Ländern des Südens sind unter ökologischen Aspekten grundsätzlich positiv zu bewerten. Allerdings kann der Anleger bei diesem Blindpool nicht sicher sein, dass durch Freilandanlagen auch wertvolle Flächen versiegelt werden.


ECOreporter.de-Empfehlung

Wer als Anleger auf die bisherigen Erfolge der KGAL setzt, Sicherheit schätzt und sein Geld bis zu 25 Jahre entbehren kann, hat bei dem Fonds InfraClass Energie 5 eine gute Chance, mit über sechs Prozent Rendite nach Steuern belohnt zu werden.



Basisdaten

Name des Fonds: InfraClass Energie 5 GmbH& Co. KG
Anbieter: KG Allgemeine Leasing GmbH & Co. (KGAL), Grünwald
Prospektdatum: 14.09.2009
Treuhänder: TERTIA Zweite Beteiligungstreuhand GmbH, Grünwald
Geschäftsführender Kommanditist: InfraClass Energie 5 Verwaltungsgesellschaft mbH, Grünwald, vertreten durch die Geschäftsführer Steffen Kurt Holderer, Dr. Klaus Wolf und Stefan Ziegler
Gesamtinvestitionsvolumen (ohne Agio) : offen
Eigenkapitalvolumen (ohne Agio) : zwischen 35 Millionen und 200 Millionen Euro
Fremdkapitalfinanzierung: bis zu 75 Prozent
Mindestzeichnungssumme : 10.000 Euro + 5 Prozent Agio
BaFin Gestattung: Ja
Leistungsbilanz des Anbieters: Ja
IDW-Prospektprüfungsbericht: in Arbeit, soll Anfang November 2009 vorliegen
Mittelverwendungskontrolle: Nein
Generalübernehmer: z.B. Phoenix Solar AG, Sulzemoos
Technische Betriebsführung: z.B. Phoenix Solar AG, Sulzemoos
Kaufmännische Betriebsführung: KGAL
Anteile handelbar: Nein
Kündigungsfrist: erstmals zum 31.12.2035
Prüfung der künftigen Jahresabschlüsse durch Wirtschaftsprüfer: Ja


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Bilder: Photovoltaikanlagen der KGAL / Quelle: Unternehmen
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