01.05.07

Neues BLB Value Nachhaltigkeitszertifikat will ethisch-ökologischen Anspruch mit moderner Investmenttheorie kombinieren

Das "Value-Nachhaltigkeits-Zertifikat Europa" soll eine "prinzipienorientierte Geldanlage" mit den Chancen eines so genannten "Value-Ansatzes" vereinen. Die Bayerische Landesbank (BLB) aus München bietet es bis zum 4. Mai an. Das Zertifikat ist gemanagt; die Aktien stellt die BLB-Tochter BayernInvest zusammen. Hineinkommen sollen ausschließlich günstig bewertete "Value-Unternehmen", deren Geschäftspraktiken durch Nachhaltigkeit geprägt seien, so die Landesbank. ECOreporter.de hat das Zertifikat getestet: Wie schneidet es ab?


So ist das Zertifikat konstruiert:

Die BLB prüft für das Zertifikat im ersten Schritt das so genannte "Anlageuniversum" auf Nachhaltigkeit. Es enthält Aktien europäischer Unternehmen. Die Münchener Ratingagentur oekom research AG untersucht die Unternehmen. Nur Unternehmen, die von oekom research ein C oder besser erhalten, kommen in Frage. Darüber hinaus können laut der BLB weitere Ausschlusskriterien wie beispielsweise Rüstung oder Kinderarbeit angewendet werden. Die Anwendung der zusätzlichen Kriterien ist laut Sebastian Novoa-Lill, BayernLB, Sache des Fondsmanagers BayerInvest, die dabei mit oekom research zusammen arbeitet. Die Ausschlusskriterien werden laut Novoa-Lill bei Kundenveranstaltungen ausgelegt, sind aber nicht Bestandteil des Emissionsprospekts für das Zertifikat. Unter den Ausschlusskriterien: Alkohol, Atomkraft (alle Produzenten von Atomenergie und von Uran, Produzenten von Kernkomponenten und AKW, die mehr als 10 Prozent ihres Umsatzes aus dem Bereich generieren), Grüne Gentechnik, Glücksspiel, Pornographie, Tabak und die Verletzung von Arbeitsrechten. Der Katalog wurde gemeinsam mit oekom research erstellt.

Von mehr als 5.000 Titeln im Investmentuniversum durchlaufen laut BLB gut 2.000 erfolgreich den ersten Nachhaltigkeitsfilter. Dann geht es in die finanzielle Analyse nach dem "ValueAnsatz". Dazu gehört der Vergleich zwischen Wert und Preis einer Aktie und ein Sicherheitsabschlag.

Zu der Methode gehört es, Werte auszusuchen, die "temporär unbeliebt" sind. Eine Fundamentalanalyse ergänzt das Verfahren. Zu beurteilen sind unter anderem die Qualität des Geschäftsmodells und des Managements.
Das Portfolio setzt sich aus drei Kategorien von Aktien zusammen: "Basic Value Aktien" von Unternehmen, die deutlich unterbewertet sein sollen; "Consistent Earner", das sind in Unternehmen, die in der Vergangenheit über eine längere Zeit überdurchschnittlich ertragreich gewirtschaftet haben, und "Emerging Franchises" - Firmen, deren Wachstum durch eine führende Position von Produkten, Dienstleistungen oder ihres Marktes geschützt ist.

Bis zu 20 Prozent Liquidität kann das Management vorhalten, eine ungewöhnliche hohe Quote. Das Management solle nicht unter Druck die Mittel in weniger attraktive Papiere investieren müssen, erklärt Novoa-Lill. Die Liquidität biete auch die Möglichkeit, auf überbewertete Märkte zu reagieren. "Wir legen bei dem Zertifikat den Schwerpunkt auf aktives Management. Deshalb gibt es auch keine Frist für die Cash Quote; der Fondsmanager hat die Freiheit, sie so lange zu halten, bis er wieder attraktive Investments gefunden hat", sagte der Banker.


Die Gebühren

Wer noch innerhalb der Zeichnungsfrist Anteile des Value-Nachhaltigkeits-Zertifikates kauft, zahlt den Ausgabepreis in Höhe von 100 Euro zuzüglich einem dreiprozentigen Ausgabeaufschlag. Die jährliche Managementgebühr beträgt 1,5 Prozent des Portfoliowerts. Hinzu kommen 0,10 Prozent, die bei jedem Kauf und Verkauf von Wertpapieren für das Portfolio des Zertifikats fällig werden. Wer aktuell nicht zugreifen will, kann das Zertifikat später über die Börse kaufen. Laut Novoa-Lill wird der Spread - die Handelsspanne zwischen Ankaufs- und Verkaufskurs der Anteile - ein Prozent betragen. Die wesentlichen Kosten für Anleger sind demnach transparent.

Weshalb sollten Anleger die Papiere während der Zeichnungsfrist kaufen und drei Prozent Ausgabeaufschlag zahlen, wenn sie sie wenig später mit einem Prozent Spread kaufen können? Novoa-Lill erklärt: "Es ist nicht zwingend, dass der Börsenhandel mit 100 Euro beginnt." Schon während der Zeichnungsfrist wird laufend investiert. Die erste Börsennotiz könne sowohl oberhalb als auch unterhalb von 100 Euro liegen.

Die Dividenden werden vollständig in die Wertentwicklung eingerechnet. Die Laufzeit ist nicht begrenzt ("Endloszertifikat")


Und so wird investiert:

Das Zertifikat lässt den Anleger im Ungewissen darüber, welche Aktien es beinhaltet. Das hängt mit dem Value-Ansatz und dem Analyserverfahren zusammen, es ist daher auch erklärlich. Nur: Ob die Anleger, die sich für Nachhaltigkeit interessieren, damit zufrieden sind, wird sich zeigen müssen.

Novoa-Lill erläutert im Gespräch mit ECOreporter.de, vierteljährlich sollten Daten zu dem Zertifikat veröffentlicht werden. Sie sollten aber nur die 5 bis 10 größten von 30 bis 50 Positionen enthalten. "Wir machen nicht alle Titel des Portfolios öffentlich, weil der Investmentprozess sehr aufwendig ist. Wir haben einen hohen Analyseaufwand, durch den wir einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz gewinnen. Den wollen wir uns sichern."

Der Anleger hat demnach kaum Möglichkeiten, sich ein Urteil darüber zu bilden, wie konsequent der Anspruch auf Nachhaltigkeit im BLB-Zertifikat umgesetzt wird. "Anleger haben durch dieses Verfahren tatsächlich keinen, oder nur einen stark beschränkten, Einblick in die Titelselektion. Wir werden aber die interne Transparenz sicherstellen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft AG aus München wird prüfen, ob der Anspruch an die Nachhaltigkeit des Produkts in Form von entsprechenden Prozessen bei der Titelsektion gewährleistet wird."

Dennoch: Als Emittentin von nachhaltigen Anlageprodukten hat sich die Bank bisher nicht profiliert. Ratingpartner oekom research ist allerdings im Markt etabliert.


Chancen und Risiken

Chancen und Risiken des BLB-Zertifikates sind schwer abschätzbar. Einmal weil die Kombination der beiden Konzepte Value und Nachhaltigkeit in dieser Form neu ist. Dann weil die Initiatorin keinen Einblick in die Zusammensetzung des Portfolios gewährt. Wenn die Investmentstrategie funktioniert, sollte sie Anlegern vor allem in Zeiten schwankender Kurse Vorteile bringen, weil sie langfristig angelegt ist. Vom auf und ab kurzlebiger Modeerscheinungen sollte das Zertifikat demnach wenig betroffen sein.


Fazit

Das Value-Nachhaltigkeits-Zertifikat Europa der BayerLB bietet insbesondere konservativen und vorsichtigen Anlegern die Chance, nachhaltig in Aktien zu investieren. Der Investmentansatz erscheint plausibel und anspruchsvoll. Ob er den gewünschten Ertrag bringt, hängt wesentlich vom Geschick der Münchener Banker ab. Wenn wie versprochen keine weiteren laufenden Gebühren oder versteckte laufende Kosten anfallen als die 1,5 Prozent pro Jahr, können die Nebenkosten im Vergleich mit anderen nachhaltigen Zertifikaten als moderat bezeichnet werden - zumal der Anleger bei diesem Produkt auch die Dividenden zugerechnet bekommt. Das ist durchaus nicht allgemein üblich.

Wie nachhaltig das BLB-Zertifikat tatsächlich ist, wissen jeweils nur der Anbieter und sein Partner oekom research. Der Käufer erfährt nicht umfassend, welche Aktien gekauft werden. Ein Makel für die Anleger, die ein nachhaltiges Produkt suchen.
Sie müssen daran glauben, dass die Werte ausgesucht werden, die den Kriterien entsprechen. Prüfen können sie es nicht. Auch wenn die Begründung der BLB für die geringe Transparenz plausibel klingt: Wer kauft schon gerne die Katze im Sack?


Basisdaten
Value-Nachhaltigkeits-Zertifikat Europa
Emittentin: Bayerische Landesbank
WKN BLB23C / ISIN DE000BLB23C6
Zeichnungsfrist 12.3.2007 - 04.05.2007 (12:00 Uhr)
Stückelung 1 Zertifikat
Ausgabepreis 100 Euro + 3 % Ausgabeaufschlag
Bezugsverhältnis: 1/10 des Portfoliowertes
Basiswert: ValueNachhaltigkeits Referenzportfolio Europa; fiktives Referenzportfolio
Laufzeit: Open end (Endloszertifikat)
Feststellungstage: Jeweils der 9. Mai eines jeden Laufzeitjahres
Portfolio-Berechnungsstelle: BayernInvest Kapitalanlagegesellschaft mbH
Börsennotierung: Zulassung zum Freiverkehr an der EUWAX Stuttgart am 9.5.2007

Investmentkonzept: Nachhaltiges ValueInvesting
Anzahl Einzeltitel: 30 - 50 europäische Aktien
Portfoliowert: Der Portfoliowert wird einmal an jedem Börsengeschäftstag auf Basis der Schlusskurse des Vortages ermittelt und unter www.bayernlb.de veröffentlicht.
Portfoliowert bei Auflage: 1 000,00 Euro
Max. Investitionsgrad je Aktie: 10,00 % des Portfoliowertes
Min. Investitionsgrad je Aktie: 1,00 % des Portfoliowertes
Barmittel Max.: 20 % des Portfoliowertes

Management-Gebühr: 1,50 % p.a. vom Portfoliowert (zeitanteilig)
Transaktionskosten: 0,10 % des Transaktionsbetrages werden bei jeder Anpassung des Referenzportfolios angesetzt.
Dividenden: Nettodividenden werden bei der Berechnung des Portfoliowertes berücksichtigt.

Bild: Eingang zur Kundenhalle der Bayern LB / Quelle: Unternehmen
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x