Never2hot Bio Farm betreibt in Thailand Biolandwirtschaft. Der Anbau von Zitronengras (im Bild) sowie Zitronen und anderen Obstsorten soll Anlegern bis zu 9 Prozent Zinsen pro Jahr einbringen. / Foto: Pixabay

08.06.16 Anleihen / AIF , Wachhund

Never2hot Bio-Farm bietet Direkt-Investments zu Bio-Landwirtschaft an – ein Fall für die ECOreporter-Wachhundrubrik

Bis zu 9 Prozent Zinsen pro Jahr aus biologischer Landwirtschaft in Thailand: Damit wirbt die Never2hot – Bio-Farm-Investment Co. Ltd. im Internet. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht kritisiert die Verkaufsprospekte von Bio-Farm-Investment. Warum das Angebot für ECOreporter.de bis auf Weiteres ein Wachhund-Fall ist.

Die Never2hot – Bio-Farm-Investment Co. Ltd. sitzt in Phetchabun, in der Nordregion Thailands. Nataly Drendell, eine Agrarwissenschaftlerin und gebürtige Sinsheimerin (Jahrgang 1976), und der Betriebswirt Greg Sommer Greg Sommer aus London (Jahrgang 1978) leben dort. Sie haben gemeinsam mit dem einheimischen Agrartechnik-Experten Karasin Tussanee das Unternehmen gegründet. Kerngeschäft ist regionale Landwirtschaft. Angebaut werden bisher Zitronen und Zitronengras. Zudem plant Never2hot, künftig auch weitere Obstsorten anzubauen sowie Hühner und Barsche zu züchten. Anlegern in Deutschland und der Schweiz bietet Never2hot dazu Direktbeteiligungen an. Je nachdem, wofür sich Anleger entscheiden, stellt das Unternehmen verschieden hohe jährliche Zinssätze in Aussicht.

Zitronen, Gemüse, Hühner und Fische sollen zwischen 6 und 9 Prozent jährliche Zinsen möglich machen

Investments in die geplante Fisch- beziehungsweise Hühnerzucht sollen laut Verkaufsprospekt mit 6 Prozent verzinst werden. Der geplante Obst- und Gemüseanbau soll Anlegern jährlich 7 Prozent beziehungsweise 8 Prozent auf ihr angelegtes Kapital bringen. Investoren, die Geld in den bestehenden Anbau von Zitronen und Zitronengras stecken, stellt Never2hot sogar jeweils 9 Prozent auf ihre Kapitalanlagen in Aussicht. Im Internet und auf Anfrage von ECOreporter.de betont Never2hot, Bio-Landwirtschaft zu betreiben. Siegel oder Zertifikate, die dies belegen, kann Never2hot (noch) nicht vorweisen. Dazu erklärt Mitgründer Greg Sommer gegenüber ECOreporter.de, sein Unternehmen habe sich um die Zertifizierung „einiger Bio-Siegel“ beworben. Unklar bleibt sowohl in den Verkaufsprospekten als auch auf Nachfrage von ECOreporter.de, wie genau die Anleger investieren, die Zeichnungsscheine von Never2hot unterschreiben: „Die Beteiligung ist ähnlich einem geschlossenen Fonds aufgebaut. Investoren erhalten einen vorher festgelegten Zinssatz in Abhängigkeit zu ihrem getätigten Investment“, sagt Sommer. „Wir verstehen unser Investment-Angebot als sogenanntes Alternatives Investment in real existierende landwirtschaftliche Produkte. Nach dieser Definition wurden alle Zertifizierungs- und Bewilligungsverfahren durchgeführt beziehungsweise beantragt“, sagt er.
Bio-Kapitalanlagen sollen Never2hot 2,0 Millionen Euro Kapital einbringen

Erwirtschaften will Never2hot die Zinsen durch die Erträge aus dem Verkauf der Produkte in Thailand, beispielsweise an Gastronomen und Hotelbetriebe.  „Wir sehen uns eher als modernes Crowdfunding Unternehmen als in einem knallharten Investoren-Geschäft“, so Sommer weiter: „Da eine Beteiligung an unsere Bio-Farm nicht öffentlich gehandelt wird, sind die Zulassungsbedingungen in Thailand sehr einfach“, sagt Sommer: „Wir benötigen außer einer Unternehmensgründung und eines jährlichen Public Reportings keine weiteren Voraussetzungen“, so Sommer weiter. Ziel sei es, zwei Millionen Euro bei Anlegern in und außerhalb Thailands einzusammeln, um den Landwirtschaftsbetrieb weiter aufzubauen. Sommer zufolge besteht Never2hot erst seit knapp drei Jahren. Bislang hätten die Gründer selbst 120.000 Euro investiert. Von externen Investoren seien weitere 500.000 Euro hinzugekommen. Nur rund 5 Prozent des bislang eingeworbenen Anlegerkapitals, also knapp 25.000 Euro, seien von Anlegern aus dem Ausland investiert worden, allerdings bisher nicht aus Europa, wie Sommer betont.

BaFin erwägt „weitere Maßnahmen“ gegen Bio-Landwirte von Never2hot

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) steht auf dem Standpunkt, dass Never2hot für den Vertrieb der Beteiligungen in Deutschland BaFin-konforme Verkaufsprospekte brauche. Deshalb gab die Behörde eine Warnung heraus und prüft derzeit „weitere Maßnahmen“. Das erklärte ein Behördensprecher gegenüber ECOreporter.de. Die BaFin könnte Never2hot eventuell als nächstes den Vertrieb der Kapitalanlagen untersagen. Geschehen ist dies allerdings noch nicht. Greg Sommer räumt ein: „Seit Anfang 2016 wollen wir unser Angebot auch für den europäischen und amerikanischen Markt ausbauen. Wir stoßen da aber leider noch auf rechtliche Hindernisse, die es abzustellen gilt.“ Inzwischen, so Sommer, seien die Verkaufsprospekte bereits einmal überarbeitet worden. Im Vergleich zu der Version, die noch im April 2016 online war, fällt auf, dass Never2hot klare Risikohinweise eingesetzt hat. Der Abstimmungsprozess mit der BaFin laufe noch. Die online angebotenen Verkaufsprospekte seien aber „von der BaFin noch nicht freigegeben“, erklärt Sommer. Angeboten wird die Beteiligung allerdings dennoch: Anleger sollen ab 1.500 Euro einsteigen können.

Fazit: Anleger sollten abwarten, wie sich Never2hot entwickelt

Bei Never2hot besteht für Privatanleger aus Deutschland derzeit keine Rechtssicherheit nach deutschem Recht. Zudem könnte die BaFin den Vertrieb der Never2hot-Kapitalanlagen bald untersagen. Never2hot ist erst seit wenigen Jahren mit dem Geschäftsmodell aktiv. Das Geld der Anleger soll vor allem in Pläne des jungen Unternehmens investiert werden, die erst zum Teil umgesetzt sind. Damit hat Never2hot Biofarm Co. Ltd. derzeit eher Start-up-Charakter. Investments in solche Firmen sind generell riskanter als solche in langfristig erprobte und etablierte Geschäftsmodelle. Probleme mit Ernten oder durch Misserfolge bei der geplanten Tierzucht sind denkbar. Thailand als Investmentstandort birgt zudem Währungsrisiken. Siegel- oder Zertifikate zum Nachweis der ökologischen Nachhaltigkeit des Anbaus oder der Bio-Qualität der Erzeugnisse gibt es noch keine. Fazit: Bis auf Weiteres ein Fall für die ECOreporter.de-Wachhundrubrik.
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