09.07.12 Fonds / ETF

„Nicht nachhaltige Unternehmen verursachen Kosten für die Gesellschaft“ – ECOreporter.de-Interview mit Marianne Ullrich, Deka Investment GmbH

Für die Vermögensverwaltung der Sparkassen entwickelt die DekaBank vor allem herkömmliche Anlageprodukte. Sie hat aber auch nachhaltige Fonds auf den Markt gebracht. Wie diese funktionieren, welche Nachhaltigkeitsfilter sie anlegen und warum etwa Ölaktien nicht tabu sind erklärte Marianne Ullrich für die Deka Investment GmbH im Gespräch mit ECOreporter.de. Sie ist bei der Frankfurter Tochter der DekaBank als Business Managerin verantwortlich für Themen des nachhaltigen Investments.

ECOreporter: Seit wann und warum bietet die Deka nachhaltige Investmentfonds für Privatanleger an?

Marianne Ullrich: Seit 2008 managen wir nachhaltige Geldanlagen in Mandaten für institutionelle Anleger. Im Dezember 2011 haben wir das bisher bestehende nachhaltige Produktangebot der DekaBank - DekaSelect: Nachhaltigkeit (aufgelegt 2009) und Deka-Stiftungen Balance (nachhaltige Ausrichtung seit 2009) -  um eine nachhaltige Produktreihe erweitert. Diese besteht aus je einem globalen Renten- und Aktienfonds sowie aus einem gemischten Fonds mit Anlageschwerpunkt Euroland.
Mit der Produktreihe Deka-Nachhaltigkeit können Anleger in ein Fondsportfolio investieren, das jeweils den besonderen Kriterien einer nachhaltigen Geldanlage entspricht. Insgesamt verwalten wir in unseren nachhaltig gemanagten Fonds derzeit ein Fondsvolumen von rund 1,1 Milliarden Euro. Dies entspricht noch einem Anteil von knapp unter ein Prozent unserer gesamten Wertpapierfonds; dieser Anteil steigt langsam aber stetig.
Hinzu kommt mit dem Fonds Deka-UmweltInvest noch ein Themenfonds, der weltweit überwiegend in Unternehmen investiert, die in den Bereichen Klima- und Umweltschutz, Wasserwirtschaft und Erneuerbare Energien tätig sind. Hier wird durch ein Produkt der DekaBank Kapital für Zukunftstechnologien bereitgestellt. Allerdings wird Deka-UmweltInvest nicht nach nachhaltigen Kriterien gemanagt.

ECOreporter: Was kennzeichnet die nachhaltigen Investmentfonds der Deka?

Ullrich: Wir nutzen Ausschlusskriterien, bei denen sehr problematische Branchen oder Tätigkeitsfelder grundsätzlich ausgeschlossen werden und den Best-in-Class-Ansatz. Nur Unternehmen, die bei einer Vielzahl an unterschiedlichen Kriterien gut abschneiden, qualifizieren sich für die Anlage in unseren Nachhaltigkeitsfonds.  
Die Nachhaltigkeitskriterien für diese Produktlinie bzw. Fondsfamilie wurden gemeinsam mit dem externen und unabhängigen Spezialisten imug erarbeitet. Alle Titel im Investment Universum werden nach diesen Bewertungskriterien beurteilt. Im ersten Schritt werden jene Titel ausgeschlossen, die gegen bestimmte Kriterien verstoßen. Im zweiten Schritt werden die Titel ausgewählt, die einen positiven Gesamtscore haben (Best-in-Class). Mindeststandards in den Bereichen Umweltmanagement, sozialer Verantwortung und Unternehmensführung müssen von Best-in-Class Titeln erreicht werden.
Analysiert werden zum Beispiel die Arbeits- und Sozialstandards - auch in den Lieferketten, das Umweltmanagement, die Beiträge zum Klimaschutz und Maßnahmen zur Vermeidung von Korruption.  

ECOreporter: Wer gehört dem Anlageausschuss an und welchen Einfluss hat dieser?

Ullrich: Dem Anlageausschuss gehören interne Nachhaltigkeits-Experten an, die bei Bedarf von externen Spezialisten wie. z.B. Prof. Henry Schäfer, Universität Stuttgart unterstützt werden. Der Anlageausschuss kann Empfehlungen zur Anlagepolitik der Fonds geben.

ECOreporter: Unternehmen mit Aktivitäten in den Bereichen Rüstung, Waffen oder Atomenergie werden bei den nachhaltigen Deka-Fonds grundsätzlich ausgeschlossen, aber erst ab einem Umsatzanteil von mehr als 5 Prozent. Warum nicht bereits ab null Prozent?

Ullrich: Im Ergebnis ist die Verletzung einer Null-Toleranzgrenze nicht 100%ig auszuschließen. Deshalb ist es für uns ein Gebot von Transparenz und Ehrlichkeit, eine 5% Toleranzgrenze offen anzugeben.

ECOreporter: Warum werden Unternehmen mit Aktivitäten in den Bereichen Rüstung, Waffen oder Atomenergie ausgeschlossen?

Ullrich: Der Ausschluss von Unternehmen steht auf der Basis ethischer Grundsätze. Die Unternehmen der ausgeschlossenen Branchen stellen zum Beispiel Atomenergie oder genverändertes Saatgut her. Ihre Tätigkeit widerspricht den Zielen gesellschaftlich relevanter Gruppen und zum Teil verursachen sie externe Kosten für die Gesellschaft. Bei allen von uns gemanagten Fonds werden die Produzenten von Cluster-Munition und Anti-Personen-Minen ausgeschlossen.
Im Einzelfall unterliegen die Ausschlusskriterien damit dem individuellen Anspruch eines jeden Einzelnen und sind durchaus diskutabel. Wir haben uns daher entschieden, eine  Auswahl zu treffen, die den Vorstellungen unserer Kunden nahe kommt.

ECOreporter: Wo ziehen Sie bei den Ausschlusskriterien die Grenze zu den Zulieferern? Unterliegt zum Beispiel ein Unternehmen dem Ausschlusskriterium Atom nur dann, wenn es Atomkraftwerke betreibt, oder auch wenn es Zulieferer für den Bau von Atommeilern ist?

Ullrich: Eine Grenze nach einen festen Raster läßt sich bei Themen wie Atom, Waffenproduktion und ähnlichen nicht ziehen. Vielmehr ist eine individuelle Einzelbetrachtung des jeweiligen Unternehmens notwendig: was genau wird produziert, wie hoch ist der Anteil am Gesamtgeschäftschäftsvolumen, etc.  Grundsätzlich gilt die eigentliche Produktion bzw. die Erzeugung als Ausschusskriterium.

ECOreporter: Können Sie weitere Ausschlusskriterien nennen?

Ullrich: Dazu zählen etwa Glücksspiel, eklatante Verstöße gegen Menschen- und Arbeitsrechte, Tabak, Alkohol und gefährliche Chemikalien.

ECOreporter: Zu den größten Positionen im Deka-Nachhaltigkeit Aktien zählen mit Shell und Statoil zwei Aktien von Ölkonzernen. Shell will sogar jetzt auch in der Arktis nach Öl bohren und wird dafür scharf von Greenpeace kritisiert. Warum ist der nachhaltige Deka-Fonds trotzdem so stark in diese Unternehmen investiert?

Ullrich: Wir haben bewusst bei unseren Nachhaltigkeitsfonds keine Ölwerte ausgeschlossen. Fossile Energieträger dienen der Grundversorgung und sind noch unverzichtbar im Energiemix. Wir konzentrieren uns daher auf die Best-in-Class-Titel. Hierbei stützen wir uns auf das Screening von imug/EIRIS und unsere Research-Ergebnisse.

Bildhinweis: Tankstellke von Shell. / Quelle: Unternehmen


ECOreporter: Inwiefern treten die Deka-Fonds in einen Dialog mit den Emittenten, um sie zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen, setzen sie also auf einen „engagierten Dialog“, einen Engagement-Ansatz?

Ullrich: Wir üben unser Engagement aktiv und intensiv im direkten Dialog mit den Unternehmen aus. Die Analysten und Fondsmanager der Deka Investment haben ca. 2000 Unternehmenskontakte im Jahr, bei denen je nach Branche mehr oder weniger intensiv auch Nachhaltigkeits-Themen angesprochen werden können. Erst wenn wir hier nicht erfolgreich sind, gehen wir an die Öffentlichkeit.

ECOreporter: Frau Ullrich, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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