Die Führung von Vossloh will das Geschäft mit Lokomotiven aufgeben. / Quelle: Unternehmen

03.12.14 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Nimmt die Eisenbahn-Aktie Vossloh AG bald wieder Fahrt auf?

Aus dem bisherigen Bahntechnikkonzern Vossloh AG soll ein neues Unternehmen der Bahninfrastruktur werden. Darauf läuft die heute vorgestellte Konzernstrategie hinaus, die der Vorstand heute in Frankfurt/Main vorgestellt hat. Das Konzept war gestern vom Aufsichtsrat abgesegnet worden (wir veröffentlichten die Unternehmensmeldung dazu  adhoc). Ab dem kommenden Jahr soll sich das Unternehmen aus Werdohl auf nur noch drei Kerngeschäftsbereiche konzentrieren: Core Components, Customized Modules und Lifecycle Solutions. Der Geschäftsbereich Transportation, der die Geschäftsfelder Transportation Systems (mit Standorten in Kiel und Valencia) und Electrical Systems (Vossloh Kiepe) umfasst, soll nicht mehr dazu gehören und abgestoßen werden. Dieser werde „bis spätestens 2017 in Summe oder in Teilen in einen passenderen Verbund überführt oder verkauft“, hieß es heute dazu. Die Begründung: keine der Aktivitäten von Transportation könne die notwendige Größe und internationale Aufstellung erreichen, „die für eine nachhaltig positive Geschäftsentwicklung notwendig wäre“. Damit verabschiedet sich das Unternehmen von der Produktion von Lokomotiven und von Schienenfahrzeugen für den öffentlichen Nahverkehr.

Die drei neuen Kerngeschäftsfelder werden laut dem Vossloh-Vorstand künftig nach den Grundprinzipien ihrer Geschäftsmodelle gesteuert, nach Produkt-, Projekt- und Dienstleistungsorientierung. So sollen im Geschäftsbereich Core Components künftig die Serienprodukte des Konzerns wie seine Schienenbefestigungen gebündelt werden. Der Geschäftsbereich Customized Modules umfasst Infrastruktur-Module, also das Weichengeschäft von Vossloh. Lifecycle Solutions umfasst das Geschäft mit spezialisierten Fahrwegs-Dienstleistungen wie etwa Schienenschleifen und Logistik. Hier will der Vorstand die Aktivitäten internationalisieren, das Angebot der Dienstleistungen im Bereich Betrieb und Wartung erweitern und das Wachstum durch Zukäufe beschleunigen. „Vossloh konzentriert die Aktivitäten künftig auf technologisch anspruchsvolle regionale Wachstumsmärkte der Bahninfrastruktur, in denen wir bereits über einen guten Marktzugang verfügen, bzw. diesen perspektivisch erlangen können. Neben den Kernzielmärkten Westeuropa, China, USA und Russland wurden weitere attraktive Regionen zur intensiven Bearbeitung definiert“, erläuterte Hans M. Schabert, der Vorstandsvorsitzende der Vossloh AG. Weitere attraktive regionale Märkte seien zum Beispiel Australien, Brasilien, Kanada, der Mittlere Osten und Nordeuropa.

Laut dem Vorstandschef bietet der globale Bahninfrastrukturmarkt ein  „überdurchschnittliches Wachstumspotenzial“. Getrieben werde der Zuwachs hier durch die erwartete weitere Zunahme der internationalen Handelsströme sowie durch ein starkes Bevölkerungswachstum, das Fortschreiten von Urbanisierung und Klimawandel. Innerhalb der Branche sorgten Deregulierung und Standardisierung für eine hohe Attraktivität des Bahntechnikmarktes.

Die Marge dürfte vorerst nur in kleinen Schritten steigen

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Schabert Umsätze in Höhe von etwa 1,34 Milliarden Euro. Sie würden damit den Vorjahreswert von 1,34 Milliarden Euro leicht übersteigen. Ferner bekräftigte der Vorstandschef von Vossloh die am 27. Juni gekappte Ergebnisprognose für das Gesamtjahr, wonach Vossloh in 2014 beim operativen Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) ein Minus von 150 bis 180 Millionen Euro erwirtschaften wird. In 2013 hatte er noch einen EBIT-Gewinn von rund 54 Millionen Euro erreicht, der aber schon weit hinter dem EBIT-Gewinn von 97,5 Millionen Euro in 2012 gelegen hatte. Laut Schabert wird das Ergebnis in 2014 massiv durch die Kosten der
Restrukturierungsmaßnahmen belastet und durch notwendige Wertanpassungen verschiedener Vermögenswerte. Bereinigt um diese Sondereffekte werde das EBIT 2014 voraussichtlich bei rund 30 Millionen Euro liegen und damit die EBIT-Marge 2014 bei etwa zwei Prozent. Auf Basis der aktuellen Portfolio-Struktur stellte er für 2015 eine Steigerung des Umsatzes um drei bis vier Prozent in Aussicht und einen Anstieg der EBIT-Marge auf etwa drei bis vier Prozent. Die EBIT-Marge von Vossloh war zuvor von 7,8 Prozent in 2012 auf 4,1 Prozent in 2013 geschrumpft. Von dem früheren Margen-Niveau bleibt das Unternehmen also auch im kommenden Jahr weit entfernt. Die Neuausrichtung des Konzerns ziele wesentlich darauf ab, die Marge wieder deutlich zu verbessern, betonte Schabert. Dennoch werde Vossloh voraussichtlich auch im Jahr 2016 unter der für 2017 prognostizierten EBIT-Zielmarge von fünf bis sechs Prozent bleiben.

Bildhinweis: Die Schienenproduktion von Vossloh wird fortgeführt, soll aber effizienter organisiert werden. / Quelle: Unternehmen

Der Einstieg in die Aktie könnte sich jetzt wieder lohnen

Die Börsianer reagierten enttäuscht auf diese Nachrichten. Die Aktie von Vossloh verbilligte sich heute im Xetra bis zum Mittag um weitere drei Prozent auf 46,74 Euro. Damit hat der Anteilsschein auf Jahressicht 31 Prozent an Wert verloren. Vor 16 Monaten war er noch für über 81 Euro gehandelt worden.

Nach Einschätzung von ECOreporter ist die Vossloh-Aktie damit günstig bewertet. Risikobewussten Anlegern mit längerem Anlagehorizont eröffnet sich damit eine Gelegenheit zum Einstieg. Zwar ist keinesfalls garantiert, dass die neue Strategie aufgeht. Doch die Konzernführung hat die bisherigen Schwächen, etwa das viel zu große Produktportfolio, in seiner heutigen Präsentation klar benannt und nachvollziehbar erläutert, wie sie das Unternhemen wieder profitable machen will. Der weiter hohe Auftragsbestand und die gute Umsatzentwicklung stellen eine solide Grundlage dafür dar, Vossloh neu auszurichten. Und auf lange Sicht sind die Wachstumschancen für den Eisenbahnverkehr weltweit insgesamt sehr gut, vor allem für Spezialisten wie Vossloh.

Vossloh AG: ISIN DE0007667107 / WKN 766710
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