12.05.10 Erneuerbare Energie

Öko-Renditeturbo - was bringt die Solaranlage auf dem eigenen Dach?




Immer mehr Hauseigentümer spielen mit dem Gedanken, Solarstrommodule auf das Dach ihres Eigenheims zu montieren. Das Ganze ist zum anderen eine Frage des Öko-Bewusstseins. Ausschlaggebend hier: Nach etwa drei Jahren Betrieb hat eine Solaranlage in mittelguter Lage die Energie, die für ihre Herstellung nötig war, produziert. Zum anderen ist es ein Zahlenspiel. Wer sich beispielsweise für eine kleine Gebäudeanlage bis 30 Kilowatt Spitzenleistung entscheidet, bekommt derzeit laut Energieeinspeisegesetz (EEG) für jede Kilowattstunde (kW/h) fast 40 Cent – genauer: 39,14 Cent - vom örtlichen Stromversorger. Netto. Für größere Kraftwerke auf dem Dach mit einer Leistung bis 100 Kilowatt, sind es 37,23 Cent. Wer eine Lagerhalle besitzt und dort eine Solaranlage mit bis zu ein Megawatt Leistung anbringt, erhält immer noch 35,23 Cent pro  kW/h.  Läuft die eigene Waschmaschine mit dem Strom aus der Solaranlage auf dem Dach, bekommt der Anlagenbesitzer als so genannter Eigenverbraucher derzeit 22,76 Cent Einspeisevergütung.

Interessenten, die sich schon halbwegs für eine Solaranlagen entschieden haben, sollten jetzt schnell handeln. Denn sicher ist, dass die Solarstromvergütung gekürzt werden wird. Zum 1. Juli sinkt die Vergütung um zusätzliche 16 Prozent. Für Solarparks auf ehemals militärisch oder industriell genutzten Flächen sinkt sie um elf Prozent, für Solarparks auf Ackerflächen fällt sie ganz weg. Zudem wird die Bonusregelung für den Eigenverbrauch weiter verringert. Sie gilt ab dem Sommer nur noch für Haushalte, die über 30 Prozent des Stroms selbst nutzen. Die Neuregelung sollte ursprünglich im Juni in Kraft treten. Eventuell könnte sie sich noch um weitere Wochen oder Monate verzögern, doch wahrscheinlich ist das nicht. Weitere Kürzungen drohen zudem für 2011 und 2012. Wer seine Anlage allerdings noch vor dem Inkrafttreten der neuen Regelung anschließt, hat die Vergütung in der bisher gültigen Höhe für die nächsten 20 Jahre komplett sicher.

Noch günstig ist die Zeit für die Solar-Interessenten auch, weil die Modulpreise in den vergangenen Jahren stark gefallen sind. Nach Angaben des Bundesverbandes für Solarwirtschaft (BSW Solar) von März kostet eine „schlüsselfertig“ montierte Solar-Aufdachanlage im ersten Quartal 2010 durchschnittlich ohne Mehrwertsteuer noch 2.864 Euro pro Kilowatt (kW) peak, wobei das peak für die Maximalleistung steht. Ein Photovoltaiksystem mit 10 kWpeak Leistung, wie es für viele Hausdächer in Frage kommt, würde demnach 28.640 Euro kosten. Damit ist der Preis für eine solche Anlage laut dem Verband in den vergangen vier Jahren um etwa 40 Prozent gesunken. „Aufgrund der hohen Nachfrage, die  Ende letzten Jahres einsetzte, sind Lagerbestände teilweise aber schon wieder vergriffen. Derzeit kehrt sich der Trend teilweise um“, warnt BSW-Solar-Sprecher Ronald Upmann vor einem Ende der günstigen Preise.

Entscheidend für die Rendite einer Dachsolaranlage ist vor allem der Energieertrag: Wieviel Strom erzeugt die Anlage aus der  Sonneneinstrahlung?  Deutschlandweit liegt der mögliche Energieertrag etwa zwischen 800 und 1100 Kilowattstunden (kW/h) pro Quadratmeter. Karten, auf denen man erkennen kann, wieviel Sonne auf das eigene Hausdach strahlt, finden sich beispielsweise beim Deutsche Wetterdienst (www.dwd.de). Auch andere Faktoren als die Sonneneinstrahlung spielen eine Rolle für die Rendite: Wie sind die Kollektoren auf dem Dach positioniert und ausgerichtet? Sind sie optimal der Sonne entgegen geneigt, also nach Angaben des BSW Solar um 30 Grad hochgestellt und in südlicher Richtung positioniert? Auch Neigungen zwischen 25 und 60 Grad gelten als noch ertragreich.  

Hat der Betreiber der Solaranlage sie zu den heute geltenden Konditionen für die Einspeisung zum Beispiel im April ans Netz angeschlossen, sind ihm die 39,14 Cent Solarstromvergütung für 20 Jahre und acht Monate sicher (acht Monate, weil die Zeit von April bis Jahresende separat gerechnet wird).
Und welche Rendite erzielt die Anlage? Eine Solaranlage, die komplett erstellt die oben genannten 2.864 Euro pro kw/peak kostet und , 850 kw/h Strom jährlich pro kw/peak produziert, bringt ihrem Besitzer nach Angaben der Zeitschrift Finanztest eine Rendite von 8,4 Prozent vor Steuern.  Das gilt für eine selbst und zu 100 Prozent bezahlte Anlage.

Sind die Angaben realistisch? Manfred Schlierkamp, Ingenieur für Nachrichtentechnik aus Ascheberg bei Münster, hat 2002 privat eine Solaranlage auf seinem Betriebsgebäude installieren lassen. Ascheberg liegt sogar leicht unter dem Durchschnitt der Sonneneinstrahlung in Deutschland. Rund 5 kw peak leistet die Anlage; sie ist aufgeständert und rund 30 Grad nach Süden geneigt. „Der Jahresertrag der Anlage lag 2009 pro kw peak bei gut 800 Kw/h“, sagt er. Er hat 2008 eine weitere Solaranlage auf dasselbe Gebäude gebaut. Leistung: Rund 16 kw peak. „Die hat 2009 etwa 1040 kw/h pro kw peak gebracht“, sagt Schlierkamp. Seine Erklärung für die unterschiedlichen Leistungen: „Die Module der neuen Anlage sind besser, auch die neue Generation der Wechselrichter – ich setze jetzt SMA ein - halte ich für leistungsfähiger.“ Letztlich sei nun auch die Kombination von Wechselrichtern und Modulen optimiert. „Und ehrlich gesagt würde die Anlage noch mehr leisten, wenn nicht ein Teil der Module zeitweise im Schatten liegen würde“, erklärt Schlierkamp.

Berechnet werden die Erträge für Solaranlagen grundsätzlich ohne Mehrwertsteuer, weil diese vom Finanzamt zurückerstattet wird. Die Zeitschrift Finanztest geht bei ihrer Rechnung davon aus, dass der Strompreis jährlich durchschnittlich um 3 Prozent steigen wird und die Ertagsleistung zugleich um durchschnittlich 0,25 Prozent sinken wird.  In ihrem Online-Angebot stellt die Stiftung Warentest, die Herausgeberin von „Finanztest“ unter www.test.de einen Solarrechner zur Verfügung, mit dem sich die individuelle Rendite für das Dachkraftwerk errechnen lässt.

Mein Solarstrom aus der Steckdose


Was viele Solar-Interessenten nicht beachten: Auch der eigene Verbrauch des selbst erzeugten Solarstroms kann sich rechnen. Dazu muss die Solaranlage sowohl an das hauseigene als auch  an  das örtliche Stromnetz angeschlossen sein. Der Stromzähler registriert, was die Anlage ins Netz einspeist und was im Haus verbraucht wird. Beim Eigenverbrauch spart der Solaranlagenbesitzer Stromkosten – er muss ja seinen Energieversorger dafür nicht bezahlen. Mit der aktuellen Regelung lohnt sich der Eigenverbrauch nach Angaben des Solarenergie-Fördervereins SFV ab einem Nettobezugspreis von 16,38 Cent pro kWh.  Denn für jede selbst verbrauchte Kilowattstunde Solarstrom erhält der Betreiber einer kleinen Gebäudeanlage 22,76 Cent. Beispiel: Wer an seinen Stromversorger pro kw/h 18 Cent zahlt und 22,76 Cent Einspeisevergütung hinzubekommt, erzielt mit jeder selbst verbrauchten Kw/h aus seiner Solaranlage 40,76 Cent!

Eines ist allerdings wichtig: Eine eigene Solaranlage ist kein Sparbuch. Depot einrichten, Geld anlegen – das reicht nicht. Man muss mit Anbietern und Handwerkern verhandeln, mit der Bank, dem Stromversorger, der Versicherung, dem Finanzamt. Man muss sich halt „kümmern“. Die Sonne strahlt von selbst – die Rendite aus der Solaranlage braucht eine helfende Hand.


Solar-Kredite und Finanzierungsmodelle

Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet verschiedene Solarkredite an. Beispielsweise einen Kredit bis 50.000 Euro, der maximal 10 Jahre läuft. Darin sind zwei tilgungsfreie Jahre enthalten. Effektiver Jahreszins für diesen KfW-Solarkredit: 3,95  Prozent, fest für die zehn Jahre..Die Nürnberger  Umweltbank, spezialisiert auf Solar-Finanzierungen, verzichtet bei Solarkrediten auf eine Grundschuldeintragung. Dafür wird eine Sicherungsübereignung der Solaranlage verlangt und eine ganz oder teilweise Abtretung der Einspeisevergütung festgeschrieben. Der Finanzierungsanteil wird individuell nach den regionalen  Ertragsbedingungen ausgerichtet. Die Bank bietet drei Finanzierungsmodelle mit Laufzeiten zwischen 10 und 20 Jahren an. Der effektive Jahreszins  beginnt  bei etwa 4,3  Prozent pro Jahr.

Bildnachweis: Energiedach von systaic. / Quelle: Unternehmen.

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