01.12.05 Anleihen / AIF

Ohlsberger Unternehmer will Blockheizkraftwerke in Serie bauen - Beteiligungsmöglichkeit über Genussrechte mit acht Prozent Mindestverzinsung

Mit einer "Dampfmaschine im Keller" sollen Häuslebauer künftig ihren eigenen Strom erzeugen. Das ist die Vision des Ohlsberger Diplom Ingenieurs Franz Josef Schulte (56). Der Unternehmen und Tüftler hat den "lion Powerblock" entwickelt; der "Löwe" ist ein Blockheizkraftwerk, das für den Betrieb in Ein- und Mehrfamilienhäusern optimiert wurde. Die vor wenigen Tagen mit dem Wuppertaler Energie- und Umweltpreis 2005 prämierte Anlage soll nun in Serie gefertigt werden. Anleger können sich daran beteiligen, denn das nötige Startkapital will sich der Ohlsberger Unternehmer über eine Genussscheinemission im Volumen von zehn Millionen Euro beschaffen. Investoren winkt eine Mindestverzinsung von acht Prozent.

Der lion arbeitet laut Schulte mit einer neuartigen Technik, die der Entwickler "Linator" getauft hat. Was sind die besonderen Eigenschaften dieses Konstruktionsprinzips? Schulte erklärt: "Es gibt in unserem Motor nur ein bewegtes Teil. Wir benötigen keine Öle oder Schmiermittel, deshalb ist der Wartungsaufwand geringer als bei herkömmlichen Blockheizkraftwerken." Herzstück des lion sei ein prozessdampfbetriebener Doppelfreikolben, so Schulte weiter, das Konzept verzichte vollständig auf drehende Teile. Der Name Linator leite sich von der Technik des Lineargenerator ab, die man verwandt habe.
Die Konstrukteure des lion haben das uralte Prinzip der Dampfmaschinen weiterentwickelt: Durch einen Gasbrenner wird Wasser in einem Rohrverdampfer erhitzt, es entsteht Prozessdampf mit einer Temperatur von cirka 350 °C und 25-30 bar Druck. Der Dampf treibt den Doppelfreikolben an, der wiederum bewegt eine Spule durch ein starkes Magnetfeld. Es entsteht elektrischer Strom, der über einen Wechselrichter ins Netz eingespeist werden kann. Gleichzeitig wird über ein Kühlsystem die Wärme für den Heizungs- und Brauchwasserkreislauf gewonnen.
"Wir erreichen mit unserem lion einen Brennstoffnutzungsgrad von 98 Prozent, ohne Abhängigkeit von einem Wärmetauscher mit Rücklaufwasser", sagt Schulte.

Der Ingenieur ist von den ökologischen Vorteilen seines "Löwen" überzeugt. Während bei der Stromerzeugung in zentralen Großkraftwerken nur 30 - 34 Prozent der ursprünglichen Energie als Strom im Haus nutzbar würden, könne man mit einem Kraftwärmekoppler als Nebenprodukt beim Heizen eigenen Strom ohne nennenswerte Verluste selbst erzeugen, argumentiert er. Diese Stromerzeugung erspare der Umwelt bis zu 40 Prozent CO2 im Vergleich zum herkömmlichen Energiemix. Der lion-Powerblock könne bis zu 80 Prozent des eigenen Stroms pro Jahr liefern. Aktuell lägen bereits Bestellungen für 600 Powerblocks vor.


Eine Million Genussrechte - Handel ausgeschlossen

Eine Million Genussrechte im Gesamtwert von zehn Millionen Euro will Schulte mit seiner Otag Vertriebs GmbH & Co. KG ausgeben, um den weiteren Aufbau des Unternehmens zu finanzieren. Dabei belassen die Ohlsberger es nicht dabei, einfache Genussrechte anzubieten, sie wählten die seltene Form der "Vinkulierten Namensgenussrechte", laut dem Emissionsprospekt mit Gewinn- und Verlustbeteiligung. Inwiefern sind Anleger von möglichen Verlusten des Unternehmens betroffen? Gibt es eine Nachschusspflicht? "Nein, eine Nachschusspflicht gibt es nicht", sagt Schulte: "Bei Verlusten gibt es keine Ausschüttung, der Anspruch auf die Mindestverzinsung bleibt aber bestehen und wird in Folgejahren mit Gewinn nachgeholt."
Durch die Vinkulierung sind die lion-Genussscheine nur eingeschränkt handelbar. Dazu heißt es im Emissionsprospekt, eine "Weiterveräußerung der Wertpapiere sei nicht möglich". Laut Otag-Geschäftsführer Schulte können die Wertpapiere tatsächlich nur verschenkt und vererbt, nicht aber verkauft werden. Für das Verschenken sei zudem die Zustimmung der Gesellschaft erforderlich.
Weshalb haben die Initiatoren sich für diese seltene Form der Genussrechte entschieden, die Nachteile für den Anleger mit sich bringt? Schulte: "Wir möchten einen gewissen Einfluss darauf haben, wer die Genussrechte hält. Es war im übrigen eine Empfehlung unseres Beraters Herr Dr. Werner."


1,6 Millionen Euro Emissionskosten - Lizenzgebühr umsatzabhängig

Laut dem Prospekt werden die Emissionskosten nur teilweise durch ein fünfprozentiges Agio abgedeckt, das auf das eingezahlte Kapital erhoben wird. Sie betragen den Angaben zufolge insgesamt etwa 16 Prozent des Emissionsvolumens; bei vollständiger Platzierung der Genussscheine belaufen sich die Kosten auf 1,6 Millionen Euro. Wie setzen sie sich genau zusammen? Schulte: "Das sind im Wesentlichen Kosten der Emissionsplatzierung, des Vertriebs und der laufenden Betreuung der Emission. Diese Kosten wurden zum größten Teil bereits von der Gesellschaft getragen."

Wie dem fast 80-seitigen Prospekt weiter zu entnehmen ist, hat die Otag Vertriebs GmbH & Co. KG die Lizenzrechte zu Herstellung und Vertrieb des lion Powerblocks erworben. Verkäuferin ist nach Angaben des Geschäftsführers die Entwicklerin des lion-Powerblock, Otag GmbH & Co. KG. 2004 entrichtete die Käuferin für die Rechte umsatzunabhängige Zahlungen in Höhe von 450.000 Euro, für 2005 sind laut Schulte 300.000 Euro vereinbart. 2006 greift dann eine Lizenzgebühr von 7,13 Prozent vom Netto-Umsatz, die in den Folgejahren auf 12 Prozent steigt.


Stürmisches Wachstum geplant - Mindestkapitalrendite fünf bis sieben Prozent

Die Umsatz- und Ertragsprognosen der Otag sehen für die nächsten Jahre ein kräftiges Wachstum vor. So sollen die Erlöse von 100.000 Euro in 2005, über 4,2 Millionen in 2006 bis 2008 auf 10,2 Millionen Euro wachsen. Das Jahresergebnis (Jahresüberschuss vor Steuern) wollen die Ohlsberger Maschinenbauer von minus 300.000 Euro im laufenden Geschäftsjahr auf plus 300.000 in 2006 und plus 2,4 Millionen in 2008 steigern.

Zwischen acht und zehn Prozent Zinsen will die Otag den Zeichnern der Genussrechte durchschnittlich an Zinsen zahlen. Wie viel Geld muss die Gesellschaft verdienen, um diese Ausschüttung zu leisten? Geschäftsführer Schulte rechnet vor: "Die Mindestverzinsung beträgt acht Prozent zuzüglich der Übergewinnanteile in Höhe von 20 Prozent des verbleibenden Gewinns. Die notwendige Mindestkapitalrendite beträgt cirka fünf bis sieben Prozent, je nach Höhe des Genussrechtskapitals."


Basisdaten der Genussrechte

Emittentin: OTAG Vertriebs GmbH & Co. KG, Zur Hammerbrücke 9, D-59939 Olsberg
Geschäftsführer: Franz Josef Schulte
Kommanditkapital Euro 1.600.000,-
Kommanditisten: 59
Form der Beteiligung: Vinkulierte Namensgenussrechte
Nennbetrag: Euro 10, - je Genussrecht
Agio: 5 Prozent des Nennbetrages bei Einmaleinlagen; 5,5 Prozent des Nennbetrages bei Rateneinlagen
Mindestzeichnung: Einmaleinlage ab 100 Stück (= Euro 1.000,-); Rateneinlage ab 5 Stück (= Euro 50,- ) pro Monat in bis zu 60 Monatsraten (Erstzahlung in Höhe von 20 Prozent der Summe der Monatsraten grundsätzlich erforderlich)
Mindestlaufzeit: 10 Jahre zzgl. der Restdauer des laufenden Geschäftsjahres
Emissionsvolumen: 1.000.000 Genussrechte im Gesamtwert von Euro 10.000.000,-
Erlösverwendung: Absicherung der Markteinführung des lion Powerblocks
Dividendenzielvorgabe: ca. 8 Prozent - 10 Prozent p. a. der eingezahlten Nominaleinlage, Überschussdividende Anteilige Gewinnbeteiligung an 20 Prozent des Jahresüberschusses nach Steuern
Kapitalrückzahlung: bei Kündigung nach Ablauf der Mindestlaufzeit durch Einlösung zum Buchwert (ggf. abzüglich eines noch verbleibenden Verlustanteils)
Informations- und Kontrollrechte: Vorlage von Halbjahres berichten in Kurzform; Jährlicher Mittelverwendungsbericht und Gewinnkontrolle durch einen Wirtschaftsprüfer
Handelbarkeit: Weiterveräußerung nicht möglich

Kontakt: www.otag.de

Bilder: lion Powerblock. Das Gehäuse aus recycelbarem Stahlblech wurde im März 2005 mit dem international renommierten Red Dot Award Design Preis, Essen ausgezeichnet; Franz Josef Schulte / Quelle: Unternehmen
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