Thrive Solar ist ein indisches Photovoltaikunternehmen, das im Rahmen der neuen Initiative von Oikocredit ein Dahrlehen von der Genossenschaft bekommen hat. Im Bild: Eine Mitarbeiterin von Thrive Solar in Hyderabad zeigt eine Solarlampe, die über Solarzellen auf der Rückseite der Lampe aufgeladen wird.

01.09.15 Anleihen / AIF

Oikocredit-Interview: Geldanlage neben Mikrofinanzen jetzt auch mit Erneuerbaren Energien

Der Energiebedarf in Entwicklungs- und Schwellenländern nimmt stetig zu. Gleichzeitig leiden gerade dort die Menschen am meisten unter den Folgen des Klimawandels. Deshalb investiert die Genossenschaft Oikocredit seit einiger Zeit in den armen Regionen dieser Welt verstärkt in „grüne“ Energie und Energieeffizienz-Projekte. Erstes Ziel dieses neuen Schwerpunkts neben dem Kerngeschäft Mikrofinanzierung: bis 2016 sollen 50 Millionen Euro in Ökostromprojekte fließen, die die Lebensumstände der Menschen verbessern und ihre Abhängigkeit von fossilen Energiequellen verringern sollen. David ten Kroode ist Leiter der neuen Oikocredit-Abteilung für die Finanzierung dieser Ökostromprojekte. Im Interview erklärt er die Strategie hinter dieser Initiative und wie die Genossenschaft dabei Nachhaltigkeitsansätze verwirklicht.

ECOreporter.de: Erneuerbare Energien sind ein neuer Schwerpunkt bei Oikocredit. Welche Strategie verfolgen Sie dabei?

David ten Kroode:  Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die steigende Nachfrage nach erneuerbaren Energien in Asien, Afrika, Lateinamerika und Osteuropa durch unsere Investments zu bedienen. Dabei wollen wir in Projekte mit einer sogenannten „triple bottom line“ investieren; also in Projekte, die nicht nur finanziell erfolgreich sind, sondern auch Umweltschutz fördern und sozialen Nutzen schaffen. Erneuerbare Energien können selbst entlegene Dörfer in Entwicklungs- und Schwellenländern mit Strom versorgen und so die Lebensbedingungen der Menschen dort verbessern. Oikocredit finanziert daher kleine, netzferne Anlagen, die vor Ort Strom oder Wärme produzieren und größere Anlagen, die Strom ins Netz einspeisen. Wir haben erst vor kurzem begonnen, in diesem Bereich zu investieren und haben derzeit 10 Projekte. Dazu gehört zum Beispiel Generación Andina, ein Laufwasserkraftprojekt in Peru, das dringend benötigten sauberen Strom liefern soll. Oder das indische Unternehmen Thrive Solar, das erschwingliche Solaranlagen und -produkte für Haushalte ohne Zugang zum Stromnetz bietet; und eine 50-Megawatt-Solarfarm in Honduras, die wir gemeinsam mit anderen sozialen Investoren finanzieren.
Bild: David ten Kroode ist bei Oikocredit für die Finanzierung Erneuerbarer Energien zuständig. Er arbeitet nach Unternehmensangaben seit mehr als zehn Jahren in diesem Bereich. Die Abteilung, die der Niederländer bei der Genossenschaft führt , wurde im November 2014 erstmals offiziell vorgestellt und ist am Hauptsitz von Oikocredit im niederländischen Amersfoort ansässig. / Foto: Unternehmen


ECOreporter.de: Kommt jede Form von Erneuerbarer Energie in Frage?


ten Kroode: Wir konzentrieren uns auf Solar, kleine Wasserkraftprojekte, Biomasse und Windkraft. Wir arbeiten eng mit regionalen Partnern zusammen, da sie ihre Regionen am besten kennen und vor Ort sind. In den meisten Ländern, in denen wir Projekte finanzieren, haben wir auch eigene Büros, die unsere Partnerorganisationen unterstützen.  

ECOreporter.de: Liegt der Fokus der Finanzierungen auf kleineren Projekten oder kommen auch Großvorhaben in Frage?


ten Kroode:
  Wir finanzieren Projekte unterschiedlicher Größen, sowohl kleine als auch größere. Üblicherweise liegen die Finanzierungen zwischen zwei bis zehn Millionen Euro, wobei letzteres die Obergrenze ist. Aber wir finanzieren durchaus auch Projekte, die darunter liegen. Unser neuer Partner in Indien, Thrive Solar, erhielt im Februar zum Beispiel ein Darlehen von umgerechnet 530.000 Euro zur Produktion von Solarlampen und -anlagen. In vielen indischen Haushalten findet man noch Petroleumlampen, die immer wieder Brände verursachen und die Raumluft mit giftigen Abgasen belasten. Mit verschiedenen Produkten, zum Beispiel Leselampen oder Mikro-Solaranlagen, bietet Thrive Solar den Menschen eine saubere und günstige Alternative.

ECOreporter.de: Nach welchen Kriterien wählen Sie die Investitionsobjekte aus?

ten Kroode:
  Im Auswahlverfahren schauen wir uns verschiedene Aspekte an und wählen diejenigen Projekte aus, die bewährte Technologien von anerkannten Herstellern nutzen, wirtschaftlich sind (auch ohne staatliche Subventionen), eine Umweltverträglichkeitsstudie durchgeführt haben, von erfahrenen Projektentwicklern betrieben werden und einen guten Ertrag versprechen.

ECOreporter.de: Oikocredit sieht sich selbst der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit verpflichtet. Wie stellen Sie sicher, dass bei den Bauarbeiten Sozial- und Umweltstandards eingehalten werden?

ten Kroode:  Bei jeder Finanzierung prüfen wir mit unserer sogenannten ESG-Scorecard, wie ein potenzielles Projekt in den Bereichen Umwelt, Soziales und verantwortungsbewusster Unternehmensführung abschneidet. Daneben befolgen wir die Umwelt- und Sozialstandards der International Finance Corporation (IFC). Sie beinhalten eine Prüfung und Steuerung von Risiken und Auswirkungen für Umwelt und Gesellschaft, gute Arbeitsbedingungen, den Schutz indigener Gruppen und des Kulturerbes. Wir stützen uns auch auf einheimische Mitarbeiter vor Ort, die die Projekte während der Bauphase regelmäßig besuchen.

ECOreporter.de: Haben Oikocredit-Genossenschaftler eine Möglichkeit, sich direkt als Darlehensgeber für Ökostromprojekte zu beteiligen?

ten Kroode:  Wer bei Oikocredit investieren möchte, kann über einen Oikocredit-Förderkreis Genossenschaftsanteile erwerben. Bisher ist eine direkte Beteiligung an einzelnen Projekten über Oikocredit nicht möglich. Mit dem Kapital unserer Anleger finanzieren wir derzeit rund 800 Partnerorganisationen in über 60 Ländern. Die Entscheidung, welche Projekte finanziert werden, treffen wir gemeinsam mit unseren Mitarbeitern vor Ort, da sie die Partnerorganisationen am besten kennen.

ECOreporter.de: Wo in den armen Regionen der Welt sehen Sie derzeit generell den größten Bedarf, die Situation der Menschen mit Ökostromversorgung zu verbessen?

ten Kroode:  Den größten Bedarf sehen wir in Subsahara-Afrika, wo auf dem Land weniger als 20 Prozent der Menschen Zugang zu Strom haben. Daher wird unser Fokus auf Afrika liegen, was sich auch mit der generellen Strategie von Oikocredit deckt, das Engagement in Afrika auszuweiten. Derzeit überlegen wir, in Kenia und Uganda in Projekte zu investieren, die Solaranlagen für Haushalte ohne Zugang zum Stromnetz bereitstellen.
ECOreporter.de: Danke für das Gespräch,  Herr ten Kroode.
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