Oikocredit hilft zum Beispiel bei der Finanzierung solch eines auf Photovoltaik basierenden Beleuchtungssystems für Webstühle in Indien. Es ersetzt Petroleumlampen, die immer wieder Brände verursachen und zudem die Raumluft mit giftigen Abgasen belasten. / Quelle: Oikocredit

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Oikocredit setzt neben Mikrofinanz jetzt auch auf Ökostrom

Die Investments deutscher Anlegern in die internationale Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit sind 2014 stark gestiegen. Zudem hat Oikocredit seine Tätigkeiten in Schwellenländern um ein neues Schwerpunktthema erweitert.
Wie die Genossenschaft bei ihrer Jahrespressekonferenz in Frankfurt mitteilte, haben Deutschland mehr als 22.500 Privatpersonen und Organisationen 350 Millionen Euro bei Oikocredit investiert. Gegenüber dem Vorjahr bedeute das ein Plus von 13 Prozent, erläuterte Irene van Oostwaard, Finanzdirektorin von Oikocredit International. 2014 konnte Oikocredit die Finanzierungen der Genossenschaft für Partnerorganisationen in Entwicklungsländern um 24 Prozent auf 735 Millionen Euro steigern. Das Kapital stellten laut van Oostwaard mehr als 53.000 Menschen und Organisationen weltweit zur Verfügung.

Das meiste Kapital sei dabei aus der Bundesrepublik gekommen. Seit ihrer Gründung vor 40 Jahren habe Oikocredit 1.670 Partnerorganisationen mit Finanzierungen von insgesamt 2,1 Milliarden Euro unterstützt. Zuletzt betreute die Genossenschaft den Angaben zufolge 805 Partner in 63 Entwicklungs- und Schwellenländern. Dabei handelte es sich um 549 Mikrofinanzpartner.

Die Oikocredit-Mikrofinanzpartner erreichten bislang weltweit 28 Millionen Menschen. 81 Prozent davon waren Frauen, die als Kreditkunden ihre soziale Position stärken konnten. Etwa die Hälfte der so ermöglichten Kleinkredite ging an Menschen aus ländlichen Regionen, die sonst kaum Zugang zu Finanzdienstleistungen haben. Der Schwerpunkt der Finanzierungen von Oikocredit lag der Bilanz zufolge mit 43 Prozent auf Lateinamerika, gefolgt von Asien mit 31 Prozent.

Die 1975 auf Initiative des Ökumenischen Rates der Kirchen gegründete Oikocredit vergibt Kredite und Kapitalbeteiligungen an Mikrofinanzinstitutionen, Genossenschaften und andere sozial orientierte Unternehmen in Entwicklungsländern. Einige Kirchen und kirchliche Organisationen investieren in Oikocredit, die Mehrheit der Anlegerinnen und Anleger sind jedoch Privatpersonen. Deutsche Anleger können ab 200 Euro über einen der acht deutschen Förderkreise Genossenschaftsanteile erwerben und sich so an Oikocredit beteiligen. Der Hauptsitz von Oikocredit liegt in Amersfoort in den Niederlanden. Die jährliche Dividende liegt in der Regel bei zwei Prozent. Auch für 2014 will Oikocredit eine Dividende in dieser Höhe ausschütten.

Neuer Schwerpunkt sind erneuerbarer Energien

Die bisherigen Schwerpunkte Mikrofinanz und Landwirtschaft hat die Entwicklungsgenossenschaft in 2014 um die Förderung erneuerbarer Energien in Entwicklungs- und Schwellenländern ergänzt. Dabei geht es zum einen um größere Anlagen, die Elektrizität ins Netz liefern und dazu beitragen, den wachsenden Energiebedarf in diesen Ländern zu decken und die Abhängigkeit von teuren und umweltschädlichen fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Zum anderen finanziert Oikocredit kleinere netzferne Anlagen sowie Hersteller von Solarsystemen und -lampen für Haushalte abseits der Stromnetze. Die Genossenschaft betont, dass gerade in ländlichen Regionen von Entwicklungsländern erneuerbare Energien eine wichtige Rolle spielen, selbst entlegene Dörfer mit Strom versorgen und die Lebensbedingungen verbessern können. Bis Ende 2016 will Oikocredit weltweit 50 Millionen Euro in erneuerbare Energien investieren.

Bildhinweis: Das Solarmodul für die Beleuchtung eines Webstuhls wird regelmäßig gereinigt. / Quelle: Oikocredit

Sonnenenergie statt feuergefährlicher Lampen

Einer der neuen Oikocredit-Partner im Bereich erneuerbarer Energien ist das indische Unternehmen Thrive Solar. Dieses produziert in Indien und Kenia Photovoltaik-Systeme und -Produkte. Der Bedarf ist groß, denn allein in Indien haben rund 75 Millionen Haushalte keinen Zugang zum Stromnetz. Viele Familien nutzen noch immer Petroleumlampen, die immer wieder Brände verursachen und zudem die Raumluft mit giftigen Abgasen belasten. Mit erschwinglichen und robusten Produkten – von der Leselampe bis hin zur Solaranlage für ein ganzes Haus – bietet Thrive Solar Menschen in 15 Entwicklungsländern eine alternative Energiequelle an. Oikocredit unterstützt das Unternehmen seit Anfang 2015 mit einem Darlehen über 40 Millionen indische Rupien, das sind umgerechnet rund 570.000 Euro.

Ein Eindruck davon, wie sich Oikocredit in den armen Regionen dieser Welt engagiert, vermittelt dieses  Interview (Link entfernt)  mit Daniel Sommer,  der 2014 gegenüber ECOreporter.de von einer Studienreise berichtete.
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