23.12.10 Fonds / ETF

Panzer und Atomkraftwerke als Investment von Nachhaltigkeitsfonds?



Die Siemens AG ist ein vielseitiger Großkonzern. Sie gehört mittlerweile zu den weltgrößten Windturbinenherstellern und erwartet für die Konzernsparte Erneuerbare Energien im Geschäftsjahr 2010 rund 3,4 Milliarden Euro Umsatz. Siemens veröffentlicht umfassende Nachhaltigkeitsberichte. All das hat die Siemens-Aktie in Nachhaltigkeits-Indizes wie den Dow Jones Sustainabillity Index und somit in zahlreiche nachhaltige Aktienfonds gebracht.


Doch Siemens hat zwei Beteiligungen im Bereich Atomkraft und Wehrtechnik: Zum einen die 49-prozentige Beteiligung am Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann (KMW). Es hat etwa 3.400 Mitarbeitern und stellt unter anderem die Panzer Leopard 1 und 2 her. Dem Technologie-Konzern gehören zum anderen 34 Prozent des französischen Konzerns Areva NP mit Hauptsitz in Paris. Das ist ein Atomkraftunternehmen mit rund 18.000 Mitarbeitern.


Siemens vor dem Ausstieg aus umstrittenen Beteiligungen

Siemens ist derzeit allerdings im Begriff, sich von beiden Unternehmen zu trennen. Das bestätigte Konzernsprecher Wolfram Trost auf Nachfrage von ECOreporter.de. Das Joint Venture mit dem französischen Energiekonzern Areva begann 2000; die Beteiligung am Panzerhersteller KMW kam 2001 zustande. Beim Vollzug der Trennung von der KMW fehle lediglich die Zustimmung der Kartellbehörden, die für das erste Quartal 2011 zu erwarten sei, so Trost. Bei der Beteiligung an der Areva NP gebe es ein Schiedsgerichtsverfahren, in dem der aktuelle Wert des Unternehmens ermittelt werde, so Trost weiter. Die Frist für das Ende des Areva-Joint-Ventures laufe „bis spätestens Ende Januar 2012.“ Da Siemens an den beiden Unternehmen keine Mehrheitsbeteiligung hat, verbucht der Konzern die Umsätze nicht selbst.

Unternehmenspolitik überzeugt Manager nachhaltiger Fonds

Der „Öko-Aktienfonds“ wurde mit dem „Feri Award 2011“ der Feri EuroRating Services AG aus Bad Homburg in der Kategorie nachhaltige Aktienfonds ausgezeichnet (ECOreporter.de berichtete). Er verfolgt nach Angaben seines Fondsmanagements eine Null-Toleranz –Strategie gegenüber Unternehmen, die ihr Geld mit Rüstung oder Kernenergie verdienen. Dass der Fonds dennoch zwischen August und November 2010 insgesamt drei Monate lang auf Siemens-Aktien setzte – zwischenzeitlich mit einem Fondsanteil von 1,5 Prozent -, ist für den zuständigen Fondsmanager der DZ Privatbank, Michael Molter, kein Verstoß gegen die Nachhaltigkeitskriterien des Fonds.„Hin und wieder gibt es Grenzfälle, so geschehen bei Siemens. Unseres Erachtens verletzte das Investment die Kriterien nicht“, erläutert der Fondsmanager gegenüber ECOreporter.de.


Das Fondsmanagement habe sich mit dem unabhängigen Anlageausschuss des Fonds auf eine Ausnahmeregelung für die Siemens-Aktie verständigt. „Siemens macht mit aktuell 7,6 Milliarden Euro weltweit den größten Umsatz in grünen Technologien.“ Dieser setzte sich aus den Sparten „Renewable Energy“ (90 Prozent Windkraft, 10 Prozent solarthermische Kraftwerke und Photovoltaik-Großprojekte), „Power und Transmission“ (größtenteils Anbindung von Offshore Windkraftanlagen) und „Power Distribution“ (überwiegend so genannte Smart-Grid-Lösungen) zusammen, so Molter weiter: „Überzeugt hat uns vor allem der klare Trend der Unternehmenspolitik in diese Richtung.“ Siemens stelle unter anderem Dampfturbinen her, die sowohl in Atomkraftwerken als auch in bei Erneuerbare-Energien-Anlagen zum Einsatz kämen. In den „heißen“ nuklearen Prozess sei Siemens somit nicht involviert.


Die Anleger wurden über diese Grenzfall-Regelung für die Siemens AG allerdings nicht informiert. „Unsere Positiv- und Negativkriterien werden nach wie vor eingehalten. Dementsprechend sahen wir auch keine Veranlassung zur Kommunikation gegenüber unseren Investoren“, sagt er. „Wir haben uns im November jedoch zum Verkauf aller Siemens-Aktien entschlossen, um weitere Irritationen zu vermeiden und Diskussionen vorzugreifen. Das ändert aber nichts daran, dass das Investment aus unserer Sicht grundsätzlich mit unseren Kriterien übereinstimmt“, beharrt Molter.
Siemens bekennt sich klar zur Atomenergie

Siemens kehrt mit dem Ausstieg aus der Areva NP der Atomkraft aber wohl nicht den Rücken: „Aus unserer Sicht gehört Kernenergie heute zu einem vernünftigen Energiemix dazu“, stellt Siemens-Sprecher Trost klar. Medienberichte, wonach Siemens nach dem Abschied von Areva ein Kernenergie-Joint-Venture mit dem russischen Staatskonzern Rosatom anstreben könnte, kommentiert Trost mit Verweis auf das laufende Schiedsgerichtsverfahren mit Areva nicht. „Ob und in welcher Form Siemens mit Rosatom ein Joint Venture gründen wird, ist fraglich“, sagt DZ-Bank-Fondsmanager Michael Molter. „Das Joint Venture könnte sich auch auf einen Zuliefervertrag für den konventionellen Teil der Kraftwerkstechnologie beschränken“, vermutet er.



Fazit

Die Siemens AG ist zweifellos ein großer Marktteilnehmer im Bereich Erneuerbare Energien. Dennoch hat die Aktie nichts in Nachhaltigkeitsfonds verloren, die Investments in Atomkraft und Rüstung ausschließen.
Bildnachweis: Ein Panzer des Typs Leopard 1 von KMW. / Quelle: Unternehmen
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