Während immer mehr westliche Banken die direkte Finanzierung von Kohlekraftwerken einschränken, setzen sie die Finanzierung der dafür verantwortlichen Firmen fort - das zeigen zwei neue Untersuchungen von NGOs. / Foto: Pixabay

11.12.17 Institutionelle / Anlageprofis , Finanzdienstleister

Pariser Klimaziele durch Investoren und Banken gefährdet

Auch zwei Jahre nach dem Klimaschutzabkommen, das auf dem Pariser Klimagipfel verabschiedet wurde, fließt noch viel Kapital in die Erschließung neuer Kohlevorkommen und in den Neubau und Ausbau von Kohlekraftwerken. Dabei ist längst klar, dass der Ausstoß von CO2 (Kohlenstoffdioxid) aus dem Verbrennen von Kohle zur Energieerzeugung reduziert statt ausgebaut werden müsste. Umweltschutzorganisationen haben im Zeitraum von Januar 2015 bis zum September 2017 untersucht, wie Unternehmen, Banken und Investoren weiterhin auf der Klaviatur der Kohle spielen. Danach haben Banken den 120 "wichtigsten Kraftwerksentwicklern" in dem angegebenen Zeitraum 630 Milliarden US-Dollar zur Verfügung gestellt.

Gleichzeitig investierten große Institutionelle Anleger rund 140 Milliarden Dollar in den Kohle-Sektor und eben in diese Unternehmen. Diese Zahlen wurden nun von Umweltschutzorganisationen, darunter auch urgewald aus Deutschland, auf dem Climate Finance Day in Paris veröffentlicht. Dort wird über den Beitrag der Finanzwirtschaft am Pariser Klimaschutzabkommen diskutiert. Und die Ergebnisse sind eher ernüchternd.

Banken und Investoren sind bei den 120 weltweit wichtigsten Entwicklern von Kohlekraftwerken finanziell engagiert. Diese 120 Unternehmen sind für zwei Drittel der geplanten neuen Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 550.000 Megawatt verantwortlich.

Aktien, Anleihen Kredite: Die Banken finanzieren weiter

Banken investierten 630 Milliarden Dollar, allen voran Institute aus China und Japan. Diese beiden Länder sind nach Angaben der Berichte der Umweltschützer für 68 Prozent der investierten Summe verantwortlich. Ein Beispiel: 17 der 20 größten Banken, die Anleihen oder Aktienemissionen für Kohlekraftwerkentwickler begeben haben, sind chinesische Geldhäuser.

An der Spitze steht die Industrial an Commercial Bank of Cina, die alleine 33 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt hat. Auf der Kreditgeberseite ist Japan führend. Die beiden größten Kreditgeber sind die Mizuho Financial und die Mitsubishi UFJ Financial. Die westlichen Banken ziehen sich zwar größtenteils aus der Finanzierung konkreter Kraftwerksprojekte zurück, finanzieren aber weiterhin die Unternehmen, die solche Projekte vorantreiben.

Zu den größten 20 Instituten gehört auch die Deutsche Bank. Sie taucht wiederum nicht in der Liste auf, in der westliche Banken aufgeführt sind, die ihr Engagement seit dem Abschluss der Pariser Verträge ausgebaut haben. Das sind nach Erkenntnissen der niederländischen Nichtregierungsorganisation BankTrack die Kreditinstitute Barclays, BNP Paribas, Citi, Crédit Agricole, ING, JPMorgan Chase, Société Générale, Standard Chartered und UBS.

Institutionelle Investoren sind ebenfalls beteiligt

Bei den Investoren war die Datenlage eher dünn. Denn viele große Pensionsfonds geben keinerlei Informationen über die konkreten Bestände ihrer Engagements. Die deutsche Organisation urgewald konnte immerhin 1.445 Institutionelle Investoren identifizieren, die Anteile in Höhe von mindestens 140 Milliarden Dollar an den wichtigsten 120 Kohlekraftwerksentwicklern halten. Angeführt wird die Liste von Black Rock und dem japanischen Government Pension Investment Fund.

Auch an den deutschen Börsen werden Kohleproduzenten oder Unternehmen gehandelt, die den Abbau und die thermische Verwertung von Kohle fördern und finanzieren.  Auf der Plattform coalexit.org kann kann man sich schnell ein Bild machen.
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