Canadian ist einer der größten Hersteller von Solarmodulen weltweit. Das Projektgeschäft wird für den Solarkonzern aber immer wichtiger. / Quelle: Unternehmen

27.10.15 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Phönix aus der Asche? – Aktie von Canadian Solar im Steigflug

Die Aktie von Canadian Solar gehört zu den Solarwerten, die in den Sommermonaten arg gebeutelt wurden. Seit Beginn dieser Woche geht es für die Solaraktie aber steil nach oben. ECOreporter.de hatte sie im Sommer in einem Aktientipp als „unterbewertet“ eingestuft. Die aktuellen Kurszuwächse bestätigen unser Urteil von damals. Wir sehen weiteres Kurspotential und bekräftigen unsere Kaufempfehlung.

Canadian Solar hat im dritten Quartal offenbar sehr gute Geschäfte gemacht. Der Solarkonzern mit Hauptsitz in der kanadischen Provinz Ontario und Produktionsstätten vor allem in China hat seine Prognose für das Ende September abgeschlossene Jahr deutlich angehoben. Bislang hatte er mit Auslieferungen im Umfang von 970 bis 1.020 Megawatt (MW) gerechnet und mit einem Quartalsumsatz von bis zu 620 Millionen Dollar. Wie Konzernchef Shawn Qu bekannt gab, erwartet er nun 1.230 MW Absatz und bis zu 815 Millionen Dollar Umsatz im dritten Quartal. Die offiziellen Zahlen für das dritte Quartal will er am 10. November veröffentlichen. Weiter teilte der Konzernchef mit, dass die Konzerntochter Recurrent Energy die Mehrheit an einem großen Photovoltiakprojekt verkauft hat. Der zur Southern Company gehörende US-Versorger Southern Power habe von  Recurrent Energy 51 Prozent der Anteile an der kalifornischen Solarfarm Tranquillity erworben. Deren Leistungskapazität benannte Konzernchef Shawn Qu mit 200 MW.

Die Reaktion der Börsianer auf diese positiven Nachrichten fiel euphorisch aus. Kurz nach Bekanntgabe der erhöhten Prognose verteuerte sich die Aktie von Canadian Solar im deutschen Tradegate um rund acht Prozent auf 20,2 Euro. Damit hat sie allein in den letzten drei Wochen rund 50 Prozent zugelegt. Aber noch immer liegt das Wertpapier auf Jahressicht rund 20 Prozent im Minus. Im Mai 2015 hatte der Anteilsschein sogar schon an der Marke von 35 Euro gekratzt, ehe er dann in einen Negativstrudel geriet.

Übertriebene Sorgen der Börsianer?

Die Aktie von Canadian Solar war im Sommer zum einen abgestürzt, weil das Unternehmen mit einer schwachen Zwischenbilanz für das zweite Quartal enttäuschte, obwohl es die Prognose für das Gesamtjahr bekräftigte. Näheres dazu lesen Sie in unserem  Aktientipp  vom August mit der oben erwähnten Kaufempfehlung für die Aktie. Darüber hinaus geriet der Anteilsschein in die Turbulenzen an den Börsen in China, wo es massive Kursbereinigungen gab. Dieser Abwärtsstrudel erfasste auch Unternehmen wie Canadian Solar, deren Geschäfte nur vergleichsweise gering von der wirtschaftlichen Entwicklung in der Volksrepublik abhängen, die aber von den Börsianern stark mit China assoziiert werden. Canadian Solar ist einer der größten Solarhersteller der Welt, wird von einem Chinesen geführt und produziert vor allem in China. Aber der Konzern ist im Vertrieb breit aufgestellt, die stärkste Säule beim Absatz von Solarmodulen und auch beim Projektgeschäft ist Nordamerika. In Asien wächst der Solarkonzern vor allem in Japan.

Daneben hat in den USA eine Debatte über Unsicherheiten für die Zukunft der Photovoltaik in den USA eingesetzt und viele Börsianer verunsichert. Denn das wichtigste Förderinstrument für Solarinvestments in den Vereinigten Staaten, Steuernachlässe von 30 Prozent über so genannte tax credits, läufte Ende 2016 aus und wird danach nur noch bei 10 Prozent fortgesetzt. Ab 2017 werden sich Solarinvestments sehr viel weniger rentieren, so die Befürchtung. Manche Skeptiker warnen sogar vor einem Markteinbruch. Auch diese Sorgen haben Solaraktien wie Canadian Solar in den Sommermonaten unter Druck gesetzt. Dabei geriet aber zum einen aus dem Blick, dass Canadian Solar derzeit sehr gute Geschäfte in Nordamerika macht und dies wohl auch 2016 der Fall sein wird. Und dass Canadian Solar sich beim Vertrieb perspektivisch stärker nach Asien ausrichtet, also bereits darauf vorbereitet, nach 2016 verstärkt Kunden in Asien zu beliefern, falls die Nachfrage aus den USA sinkt. Anleger sollten zudem beachten, dass es in Kanada einen Regierungswechsel gibt. Der Sieger der jüngsten Wahlen in Kanada will sich im Gegensatz zur bisherigen Regierung um mehr Klimaschutz bemühen und dürfte dabei die erneuerbaren Energien wieder stärker fördern. Es wäre mithin keine Überraschung, wenn die Nachfrage nach Solartechnik aus dem Heimatmarkt von Canadian Solar bald deutlich anziehen würde.

Experten gehen ohnehin von einer weltweit weiter steigenden Nachfrage für Photovoltaik aus. Der Ausbau der Produktionskapazitäten von Solarherstellern bleibt zugleich zunehmend hinter dem Wachstum der Nachfrage für ihre Produkte zurück. Deshalb haben sich auch in diesem Jahr die Preise für Solarmodule weitgehend stabilisiert. Wenn es den großen Herstellern wie etwa Canadian Solar gelingt, zugleich weiter ihre Kosten zu senken, eröffnet das Aussicht auf steigende Margen. Canadian Solar kalkuliert für das dritte Quartal mit einer Marge von 12 bis 14 Prozent. Erzielt der Solarkonzern bald noch höhere Margen als bislang angenommen, dürfte das den Aktienkurs weiter beflügeln.

Börsengang einer YieldCo könnte Canadian Solar weiteren Auftrieb geben

Vieles wird davon abhängen, ob und wenn ja, mit welchem Erfolg Canadian Solar in den nächsten Monaten eine Projektgesellschäft an die Börse bringen wird. Das Geschäft mit der Entwicklung und dem Betrieb von Solarfarmen ist auch im dritten Quartal weiter gewachsen. Von Juni bis September hat der Konzern aus der eigenen Solarmodulproduktion 99 MW an Projekte geliefert, die Canadian Soalr selbst umsetzt. Im Frühjahr hatte die Konzernführung den Plan veröffentlicht, Solarparks in eine Projektgesellschaft auszugliedern und diese an die Börse zu bringen. Andere Energieunternehmen, etwa die Solarkonzerne SunPower und First Solar, die dafür ein Gemeinschaftsunternehmen gründeten, oder der Ökostromkonzern SunEdison, alle drei aus den USA, haben im großen Stil Photovoltaikprojekte an Betreibergesellschaften ausgegliedert und diese an die Börse gebracht. Das brachte ihnen viel Kapital für neue Investitionen ein und verminderte zugleich die Projektrisiken im Mutterkonzern.

Bildhinweis: Photovoltaikprojekt von Canadian Solar. / Quelle: Unternehmen

Canadian Solar plant ähnliches mit den eigenen Projekten in Nordamerika. Aber ebenfalls seit dem Sommer 2015 sind die Aktienkurse solcher Betreibergesellschaften, die als so genannte YieldCos in den letzten Jahren an die Börse kamen, stark gefallen. Dies dürfte das Interesse von Investoren an dem Einstieg bei einer weiteren Solar-YieldCo zwar vermindert haben. Aber Canadian Solar könnte neues Vertrauen gewinnen, wenn das Unternehmen nicht nur im dritten Quartal, sondern auch im Gesamtjahr die Prognose übertrifft. Damit wäre dann auch eine Grundlage für einen erfolgreichen Börsengang einer YieldCo geschaffen. Aber unabhängig davon dürfte sich der Einstieg bei Canadian Solar lohnen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von unter 10 hat die Aktie des Solarkonzerns noch immer Luft nach oben. Daher raten wir weiter zum Kauf der Beteiligung.

Mit Kursen über 25 Euro rechnen wir aber nur für den Fall, dass die YieldCo-Pläne von Canadian Solar auch umgesetzt werden. Dann könnte das Unternehmen durch stabilere Mittelzuflüsse aus dem Eigenbetrieb von Solarparks seiner Finanzstruktur festeren Grund geben, durch den geplanten Börsengang umfassende Mittel für neues Wachstum günstig erlangen und so Preisschwankungen im Geschäft mit Solarmodulen leichter auffangen.

Canadian Solar Inc.: ISIN CA1366351098 / WKN A0LCUY
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