Photovoltaikprojekt in Südkorea. Nicht nur in den Leitmärkten China und Japan boomt das Geschäft mit Solarenergie, sondern in ganz Asien. Auf die Region wird laut Solarbuzz etwa 70 Prozent der in 2014 insgesamt neu installierten Solarstromkapazität entfallen. / Quelle: Conergy

07.10.14 Nachhaltige Aktien , Erneuerbare Energie , Meldungen

Photovoltaik weltweit auf Rekordkurs - außer in Europa

Ende dieses Jahres könnte der weltweite Photovoltaikmarkt die Marke von 200 Gigawatt (GW) erreichen. Denn nach einer vorübergehenden Wachstumsschwäche im zweiten und dritten Quartal ist für das vierte Quartal ist bei Solarstromanlagen mit einem neuen globalen Installationsrekord zu rechnen. Davn geht zumindest ein neuer Marktbericht von NPD Solarbuzz aus, eine Tochtergesellschaft der NPD Gruppe. Die Experten des Marktforschungsunternehmens aus dem kalifornischen Santa Clara rechnen damit, dass von September bis Dezemebr 2014 weltweit neue Sokaranlagen mit einer Gesamtkapazität von knapp 20 Gigawatt (GW) errichtet werden. Damit würden nach ihren Berechnungen in diesem Jahr insgesamt 50 GW Photovoltaikleistung aufgestellt nach 37 GW im Vorjahr und 30 GW in 2012.

Dazu wird laut Solarbuzz erneut vor allem China beitragen. Die Volksrepublik war schon in 2013 mit einem Zubau von rund zehn GW die Wachstumslokomotive des weltweiten Solarmarktes gewesen. Im ersten Halbjahr war sie jedoch ins Stocken geraten, wegen ungünstiger Witterung, vor allem aber aufgrund von Finanzierungsdefiziten bei Aufdachsolaranlagen. Deshalb waren in China bis Mitte 2014 nur rund drei GW neu installiert. Die Marktforscher von Solarbuzz erwarten, dass die erneut verbesserte staatliche Förderung der Photovoltaik in China dazu führen wird, dass im vierten Quatal in der Volksrepublik neue Solarprojekte mit insgesamt sieben GW umgesetzt werden. Das wären zehn Prozent mehr als im Vorjahresquartal und würde einer Verdoppelung des Zubaus im dritten Quartal entsprechen. Trifft dies zu, dürfte die Produktion der chinesischen Solarhersteller in diesen Monaten stark ausgelastet sein. Westliche Solarunternehmen kommen in China kaum zum Zug.

Japans Solarmarkt offen für westliche Unternehmen

Anders verhält es sich in Japan, wo die Einführung fester Einspeisetarife für Solarstrom ebenfalls einen Photovoltaikboom ausgelöst hat, wenn auch in geringerem Ausmaß als im weitaus größeren China. Doch dort ist die Nachfrage nach Solartechnik weitaus höher als die Produktionskapazitäten der einheimischen Hersteller, so dass auch Solarkonzerne aus dem Westen in Japan zum Zug kommen: Zum Beispiel Canadian Solar und SunPower aus den USA. Jedoch gibt es im japanischen Solarmarkt Probleme bei den Netzanschlüssen, weil hier der Ausbau nicht Schritt hält mit dem Photovoltaikboom (wir  berichteten). Außerdem entscheidet die japanische Regierung in 2015 neu über die Solarstromförderung. Dennoch war der Inselstaat in 2013 nach China und mit einem Zubau von sieben GW weltweit der Solarmarkt mit dem zweitstärksten Wachstum. Der Report von Solarbuzz sagt für das vierte Quartal 2014 in Japan die Installation von mehreren GW Solarstromkapazität voraus. Das deckt sich mit Einschätzungen des Beratungsunternehmens GlobalData, das dem japanischen Photovoltaikmarkt für das Gesamtjahr einen Zubau von acht GW zutraut. Davon sollen rund fünf GW auf die zweite Jahreshälfte entfallen.

Solarenergie in Amerika stark auf dem Vormarsch

Einen Ausbau von mehreren GW Solarstromkapazität erwarten die Experten von Solarbuzz auch für den Solarmarkt der Vereinigten Staaten. Mit fünf GW neuer Photovoltaik-Kapazität in 2013 waren die USA nach China und Japan die Nummer 3 der Welt. Hier tun sich die weltweit führenden Solarkonzerne aus China schwerer: Die USA erheben hohe Einfuhrzölle auf Solartechnik aus China, da sie der Volksrepublik unfaire Wettbewerbspraktiken vorwerfen. Laut Solarbuzz wird von dem für das vierte Quartal 2014 prognostizierten Installationsvolumen etwa 70 Prozent allein auf die drei Solarmärkte China, Japan und USA entfallen.

Zwar sagt Solarbuzz neuen Photovoltaikmärkten in Afrika, dem Nahen Osten und in Lateinamerika ebenfalls ein starkes Wachstum voraus. Dennoch werden sich diese Märkte im internationalen Vergleich aber weiter auf einem sehr geringen Niveau bewegen, wie die Marktforscher feststellen. So würden etwa die derzeit in Afrika entwickelten Projekte nach deren Abschluss insgesamt nur eine Kapazität von elf GW erreichen, die im Nahen Osten gar nur rund 1,5 GW. Dagegen beziffern die Experten das Projektportfolio der Photovoltaik in Lateinamerika mit immerhin 22 GW. Doch würden davon voraussichtlich nur neun GW innerhalb der nächsten fünf Jahre ans Netz gebracht.

Foto: Argentinischer Solarpark. / Quelle: REC

Verfehlt die EU ihre Ausbauziele?

Dagegen zeichnet sich für den stagnierenden Solarmarkt in Europa, der etwa für die deutsche SolarWorld AG von großer Bedeutung ist, noch immer keine Trendwende ab. Hier haben die Staaten ihre Förderung der Photovoltaik in den letzten Jahren stark verringert, zudem führte die Euro-Schulden-Krise dazu, dass es deutlich schwieriger geworden ist, im südlichen und sonnenreichen Europa Solarprojekte zu finanzieren. Laut einer Studie der TU Wien und der Energy Economics Group ist es in Europa generell um die Wachstumsaussichten der Erneuerbaren Energien nicht so gut gestellt wie erhofft und politisch gewollt. Nur neun von 27 EU-Mitgliedsstaaten sehen die Studienautoren auf einem guten Weg, ihre für 2020 gesteckten Ausbauziele für Erneuerbaren Energien auch zu erfüllen. Dagegen würden 14 EU-Mitgliedsstaaten die fest vereinbarten Ausbauziele nur dann nicht verfehlen, wenn sie ihre Energiepolitik deutlich ändern. Bei weitere vier EU-Staaten, darunter auch Deutschland, stehe es zumindest in Zweifel, ob das Ausbauziel erreicht werde.

Bei einem Treffen in zwei Wochen besprechen Staats- und Regierungschef der EU-Staaten neue verbindliche Ausbauziele für die  Erneuerbaren Energien, die sie für 2030 anvisieren sollen. Deren Anteil wollte das Europaparlament bis 2030 mindestens auf 30 Prozent am Bruttoendenergieverbrauch steigern, nach 20 Prozent in 2020. Die alte EU-Kommission hatte lediglich 27 Prozent für 2030 vorgeschlagen. Der deutsche Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE), der die Studie gemeinsam mit anderen europäischen Branchenverbänden in Auftag gegeben hat, verlangt noch mehr Ehrgeiz beim Ausbau der alternativen Energieproduktion. „Aus Klimaschutzgründen wären sogar 45 Prozent notwendig“, stellt BEE-Geschäftsführer Dr. Hermann Falk fest.

Hier  gelangen Sie zum PDF der in englischer Sprache veröffentlichten Studie der TU Wien und der Energy Economics Group.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x