Der Ausbau der Solarenergie in Deutschland hat sich weiter verlangsahmt. In Asien und den USA hingegen boomt die Photovoltaik. / Foto: Fotolia

08.01.15 Erneuerbare Energie

Photovoltaikausbau in Deutschland erlahmt

Markforscher gehen davon aus, dass die Solarenergie 2015 weltweit weiter boomen wird. Treiber dieser Entwicklung sollen vor allem China, USA und Indien sein.  In Deutschland allerdings erlahmt der Photovoltaik-Ausbau zusehends.
Deutschland ist im Begriff, sein Photovoltaikausbauziel für 2014 zu verfehlen.


Was sich schon vor Monaten abzeichnete, wird immer mehr zur Gewissheit. Für November 2014 meldet die Bundesnetzagentur, dass deutschlandweit 4.726 Solaranlagen mit knapp 106 Megawatt (MW) Leistungskapazität neu in Betrieb gegangen sind. Im November 2013 waren noch mehr als doppelt so viele Solaranlagen mit mehr als doppelt so viel Leistungskapazität neu ans Stromnetz angeschlossen worden. Damals waren es 226 MW aus 10.000 neuen Sonnenstromanlagen. Die installierte Gesamtleistung aller Photovoltaikanlagen in Deutschland erreichte bis Ende November 2014 damit  38.102 MW. Rechnerisch entspricht das der Leistungskapazität von 25 Atomkraftwerken.

Im Vergleich zum selben Zeitpunkt des Vorjahres stieg Deutschlands Solarstromkapazität damit um 7,9 Prozent. Zwischen Anfang Januar und Ende November sind damit Deutschlandweit 1.787 MW Solarstromkapazität neu hinzugekommen. Nimmt man den Dezember 2013 noch hinzu, waren es knapp 1.953 MW. Zum Vergleich: Allein in den ersten zehn Monaten 2013 belief sich die neu installierte Solarstromleistung noch auf rund 4.000 MW.

Das im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgeschriebene jährliche Ausbauziel liegt zwischen 2.400 und 2.600 MW. Um dieses Ziel noch zu erreichen, müssten im Dezember 2014 Solaranlagen mit deutlich mehr als 400 MW Kapazität installiert worden sein. Das erscheint utopisch, zumal im direkten Vergleich starken Photovoltaikjahr 2013 lediglich 165,7 MW neu hinzukamen. Der verlangsamte Ausbau in Deutschland wirkt sich auf die Einspeisevergütung der kommenden Monate aus: Je nachdem  wie weit der tatsächliche Ausbau über oder unter dem EEG-Ziel liegt, wird der Tarif stärker oder eben weniger stark gesenkt. Läge der tatsächliche Ausbau 900 MW unter dem EEG-Zielkorridor, würde die Vergütung unberührt bleiben. Aufgrund der Ausbauzahlen zwischen Dezember 2013 und November 2014 werden die Tarife im ersten Quartal monatlich um 0,25 Prozent gesenkt (im Fachjargon ist dies der Degressionsfaktor). Üblich sind 0,5 Prozent pro Monat.
Foto: Solaranlage in der Abendsonne. / Foto: Fotolia


Jenseits von Europa boomt die Photovoltaik – Asien weiter vorn

Während sich der Ausbau der Solarenergie in Deutschland und in weiten Teilen Europas auch wegen immer weiter gekürzter Fördertarife weiter verlangsamte, erlebte die Photovoltaik vor allem in Asien und den USA einen starken Boom. Nach aktuellen Schätzungen der Marktforscher der US-Agentur IHS aus Englewood in Colorado sind weltweit Solaranlagen mit rund 48.000 MW in Betrieb gegangen - nach 37.000 MW in 2013. Allein  18.000 MW davon entfallen den Forschern zufolge auf China und Japan, wobei Japan seinen Anteil daran im Vergleich zu 2013 deutlich gesteigert habe.


Für 2015 prognostizieren die Experten von IHS, dass der weltweite Ausbau weiter an Dynamik gewinnt. Die Zubaurate werde zwischen 16 und 25 Prozent liegen und die weltweit installierte Leistung auf 53.000 bis 57.000 MW bringen. Treiber sollen einmal mehr China, Japan, die USA und Indien sein (mehr zur Marktentwicklung in Indien lesen Sie  hier (Link entfernt)). Sogar verdreifachen wird sich der Einschätzung der Experten nach die Leistung der Photovoltaiksysteme mit Speichertechnologie. Hier sollen demnach 2015 weltweit 775 MW neu hinzukommen.


Chile die kommende Solarnation unter den Schwellenländern?

Unter den Schwellenländern war Südafrika der erste Staat, der die Schallmauer von 1.000 MW installierter Solarstromleistung durchbrach. Laut der aktuellen IHS-Studie wird Chile das nächste Land dieser Kategorie sein, das diesen Punkt überschreitet. Als Wachstumsmärkte klassifizieren die Forscher zudem Jordanien, die Philippinnen und Honduras. Für Brasilien, die Türkei und Mexiko hingegen sehen die Forscher noch  „Unsicherheiten“.


Immer weniger große Solarparks in Europa?

Europa wiederum werde sich mehr und mehr von Neuinstallationen großer Solarparks verabschieden, so die Experten. In Deutschland soll in Kürze zunächst testweise ein Ausschreibungsmodell eingeführt werden und Großbritannien verabschiedet sich im zweiten Quartal 2015 von der Förderung größerer Solaranlagen. Die IHS-Forscher prognostizieren, Großbritannien werde dennoch mit 1.400 MW  auch 2015 Vorreiter in diesem Segment bleiben. Ohnedies verschiebe sich der Markt weiter in Richtung Dachsolaranlagen.
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